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Awo-Manager backt frische Brötchen
Von Ebba Hagenberg-Miliu
PENNENFELD. Im Ortsteil Pennenfeld hat wieder eine Bäckerei geöffnet und arbeitslose Ortsansässige angestellt. Diese Woche macht Hermann Tinz nachmittags den Bäcker. "Das Brot hier? Macht 1,89 Euro", rechnet er in der vergangenen Woche neu gestarteten Bäckerei in der Max-Planck-Straße ab.
Herz-Brötchen für die Pennenfelder: Hermann Tinz, Geschäftsfüher der Awo, hat in der Max-Planck-Straße eine Bäckerei eröffnet. Foto: Ronald Friese
Ansonsten managt Tinz die Pflege und Service gGmbH der Arbeiterwohlfahrt. Und wie kommt ein Awo-Geschäftsführer zum Verkaufen herzförmiger Awo-Brötchen? Tinz lächelt und lässt die kleine Mrwa Saad gratis noch einen Donut aussuchen.
"Ich habe gerade das fehlende Geld von heute Morgen gebracht", erzählt die Grundschülerin und zieht glücklich von dannen. Die Awo sei ja mit Stadt, Vebowag und Caritas im Quartiersmanagement-Projekt "Wohnen im Pennenfeld - zu Hause im Pennenfeld" engagiert, erklärt Hermann Tinz. "Da wollen wir auch im weiteren Sinne dafür sorgen, dass sich die Pennenfelder zu Hause fühlen." Doch 2010 habe zuerst die Sparkasse ihre Filiale im Herzen des Ortsteils geschlossen. Dann machte 2011 eine weitere jahrzehntelange Institution, die Bäckerei, zu. "Da war plötzlich ein bisschen zu viel Infrastruktur weg."
Als Tinz vom entsprechenden Aushang erfuhr, habe er sich sofort dahintergeklemmt. Wo sollten gerade die alten Pennenfelder ihre Backwaren kaufen, ohne lange Wege zu fahren? "In den Laden wollte kein anderer Bäcker rein. Also haben wir eine Bäckerei aufgemacht." Seine Kinder hätten ihn bei der Namensgebung beraten. "My Baker" heißt der Laden jetzt. "Mein Bäcker" gehöre ausdrücklich nicht zu der ähnlich klingenden Backwarenkette, erklärt Tinz, der selbst ins kalte Wasser sprang und ein Bäcker-Praktikum belegte. "Ich wollte genau wissen, wie die Arbeitsabläufe sind."
Dann machte Tinz sich bewusst nur in Pennenfeld auf die Suche nach Fachpersonal, das zu der Zeit arbeitslos war. Gute Bewerber rannten ihm alsbald die Bude ein. So dass Tinz einen ehrgeizigen jungen Bäcker und drei weitere Fachkräfte einstellen und mit ihnen das auf den Ortsteil zugeschnittene Sortiment erarbeiten konnte.
Preiswert musste es schon mal sein. Und dann auf Alt und Jung, Migranten und Deutsche zugeschnitten: also mit Grau- und Fladenbrot, mit Croissants und Ciabatta. "Genau die richtige Mischung", urteilt Käufer Marcel Fazlija. Außerdem sehe er die Nachbarläden als Kooperationspartner, denn Fleisch und Gemüse für die belegten Brötchen beziehe er aus dem marokkanischen Laden nebenan, erklärt Tinz, der gerade Dominique Hohnke und Tom Stefanescu vom nahen Amos-Comenius-Gymnasium bedient.
Sicheres Klientel
"Das Angebot hat sich längst herumgesprochen", bestätigen beide. Rund 3500 Kinder und Jugendliche besuchen die umliegenden Schulen: ein sicheres Klientel für die Awo. Schon an Tag sieben konnte der 1000. Käufer begrüßt werden. "Wir wollen hier aber nicht den Super-Gewinn machen, sondern über die Runden kommen", rückt der Chef mögliche Vermutungen gerade. Bei Erträgen stelle er die nächste Kraft ein, damit er auch wieder an seinen Schreibtisch komme.
Man sorge hier im Angebot und mit der Beschäftigung Heimischer für die Stadtteilentwicklung, resümiert Tinz. Dieser Backladen habe auf jeden Fall Wert als sozialer Treffpunkt, meint Kundin Irina Geisler, die es sich an einem der Tische mit einem Kaffee bequem gemacht hat. Und Helmut Böhm ergänzt, dass es schon ohne Sparkasse "echt mies" für ältere Bewohner sei. Gut, dass es jetzt wenigstens wieder einen Bäcker gebe.
Artikel vom 15.02.2012
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