Kinder und Trauer

Gesprächsabend in der Gemeinde Herz-Jesu

VILLENVIERTEL.  Früher, als die Großfamilie noch die bestimmende Lebensform war, war der Tod eines Angehörigen eine selbstverständliche Erfahrung. Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen wird dieses Ereignis heutzutage jedoch meistens aus dem Alltag verbannt. Besonders schwierig ist dabei der Umgang mit Kindern.

Viele Erwachsene versuchen, die Themen Tod und Sterben von ihren Kindern fernzuhalten. Vor diesem Hintergrund hatte die Kirchengemeinde Herz-Jesu unter dem Titel "Tod und Trauer - ein Tabuthema für unsere Kinder?" zu einem Gesprächsabend eingeladen.

"Kein ganz so einfaches Thema", wie Gemeindereferent Jürgen Weinz konstatierte, "vor allem eines mit vielen Berührungsängsten". Gemeinsam mit der ambulanten Palliativschwester Claudia Reifenberg, die seit einigen Monaten im Rheinviertel arbeitet, wollten die Veranstalter "vor allem Mut machen, offensiv mit dem Thema umzugehen", sagte Reifenberg. Die Palliativschwester berichtete nicht nur von eigenen familiären Erfahrungen, sondern auch von ihrer jahrelangen Arbeit mit sterbenden Kindern.

Im Mittelpunkt des Gespräches stand allerdings der Trauerfall in der Familie, wenn es Eltern schwer fällt, mit ihren Kindern darüber zu sprechen, und die Frage: Wie viel Trauer verträgt mein Kind? "Alles zumutbar, das ist das Leben", meinte Reifenberg. Kinder seien da unbefangen, die Devise müsste sein, die Kinder mit einzubeziehen und nicht auszuschließen. "Kinder möchten ernst genommen werden", fasste sie ihre Ratschläge zusammen.

Kleinere Kinder, in etwa bis zu einem Alter von fünf Jahren, würden die Endgültigkeit des Lebens noch nicht begreifen, so Reifenberg. Aber schon mit etwa acht Jahren würden sie beginnen zu verstehen. Unter der Überschrift "Gibt's im Himmel auch Spagetti?" gaben die Veranstalter auch zahlreiche Lektüre-Tipps wie beispielsweise einen kleinen Eltern-Leitfaden für den Umgang mit Trauerfällen.

In Bonn bietet das Malteser Krankenhaus unter dem Motto "Trau Dich Trauern" in regelmäßigen Abständen Hilfe für Kinder und Jugendliche, die einen Verlust erlitten haben. Dort gibt es die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Einen umfangreichen Literatur-Fundus zum Thema bietet außerdem die Kirchenbibliothek der Gemeinde St. Evergislus in Plittersdorf.

Claudia Reifenberg, E-Mail: palliativschwester@rheinviertel.de. Caritas-Pflegestation Bad Godesberg-Nord, Tel. 0228/688384-0. Malteser-Krankenhaus Bonn/ Rhein-Sieg, Trau dich trauern, Tel. 0228 6481-875, E-Mail: info@trau-dich-trauern.org, www.traudichtrauern.de.

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