GA-Serie Godesberger Schulen

Schuldichte in Bad Godesberg wie zu Hauptstadtzeiten

Deutschunterricht im Leistungskurs am Godesberger Amos-Comenius-Gymnasium.

Deutschunterricht im Leistungskurs am Godesberger Amos-Comenius-Gymnasium.

Bad Godesberg. Bad Godesberg hat mit sechs Gymnasien prozentual die meisten Gymnasien im Bonner Stadtgebiet. Hinzu kommen zwei Realschulen, eine Haupt-, eine Gesamtschule, ein Berufskolleg, eine Förder-, zwei Privatschulen und zwölf Grundschulen.

Fragt man Immobilienmakler, warum Familien mit kleinen Kindern gerne nach Bad Godesberg ziehen, heißt die Antwort meist: Weil dieser Stadtteil die reichste Schullandschaft Bonns aufweist. Obwohl Godesberg ja nach dem gewaltsamen Tod von Niklas Pöhler 2016 ein schlechtes Image nachhängt.

Die Vielfalt der Schulen ist jedoch im südlichen Stadtbezirk fast noch so groß wie zu Hauptstadtzeiten, als die Beamten- und Diplomatenkinder noch nicht aus dem Botschaftsviertel nach Berlin gezogen waren. Bad Godesberg hat mit sechs Gymnasien prozentual die meisten Gymnasien in Bonn aufzuweisen. Von ihnen sind vier katholisch, evangelisch oder privat getragen, auch das ist einmalig im Stadtgebiet. Der Andrang auf deren weit über 800 Einsteigerplätze ist auch aus dem Rhein-Sieg-Kreis und Rheinland-Pfalz heute noch riesig. Zwei Realschulen, eine Haupt-, eine Gesamtschule, ein Berufskolleg, eine Förder-, zwei Privatschulen und zwölf Grundschulen, davon sieben konfessionelle, kommen hinzu. Und Bonns drei englisch- oder französischsprachige Ergänzungsschulen liegen ebenfalls auf Godesberger Terrain: Jetzt wird dort der Nachwuchs der bei den Vereinten Nationen und Konzernen Beschäftigten nach internationalen Lehrplänen unterrichtet.

Alle Einrichtungen gut ausgelastet

„Alle Schulen in Bad Godesberg sind gut ausgelastet, manche bis an die Kapazitätsgrenzen“, sagt Stefanie Zießnitz vom städtischen Presseamt. Und der Stadtteil nehme auch die große Herausforderung, zugewanderte Kinder zu unterrichten, besonders gut an: An acht weiterführenden Schulen sind insgesamt 18 internationale Vorbereitungsklassen eingerichtet. „Im Grundschulbereich werden die Kinder weiter integrativ beschult. Es gibt aktuell keine Warteliste“, so das Schulamt. Alle Kinder und Jugendlichen erhielten einen Schulplatz. Die Siebengebirgs-Förderschule sei ebenfalls vollständig ausgelastet. Auch an Sozialpädagogen sei man den Landesvorgaben entsprechend ausgerüstet. Zudem seien aktuell alle Schulleiterstellen im Grundschulbereich, dazu auch alle Lehrerstellen adäquat besetzt. An der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule komme zum neuen Schuljahr eine neue Schulleitung.

Schulen und Schultypen Godesbergs mussten sich inzwischen jedoch an veränderte Verhältnisse und neue Schülergruppen anpassen. Das jesuitische Aloisiuskolleg (Ako), seit ewig eine Jungenbastion, hatte 2004 auf Koedukation umgestellt und 2006 zum Jungeninternat zusätzlich eins für Mädchen eröffnet. Im Sommer muss das Ako nun aber sein Internat schließen. Das private Pädagogium hatte schon 2011 in Sachen Internat das Handtuch geworfen.

Das Erzbischöfliche Clara-Fey-Gymnasium wiederum entdeckte 2008 eine Nische: In der vormaligen Mädchenschule laufen in den Anfangsjahrgängen auch reine Jungenklassen an. Erst in den oberen Klassen wird „gemischt“. Bi-Edukation nennt Direktorin Birgit Heinen ihr Konzept, das ihr starke Nachfragezahlen beschert und bundesweit Nachahmer fand. 2017 hat sie auch ein begleitendes Studienprojekt aus dem Hut gezaubert, das den neuen Jahrgängen Hausaufgaben ersparen hilft. „Mit qualifizierten pädagogischen Angeboten kann man auch heute punkten“, meint Heinen.

Hauptschule hat sich berappelt

Eine Krise hatte sich dagegen vor Jahren im Pennenfelder Schulzentrum angebahnt: In Haupt- und Realschule blieben wie überall im Land die Neuzugänge aus. Die Verwaltung wollte die zwei 2015 zur Sekundarschule fusionieren. Doch plötzlich fehlten auch hier die nötigen Schülerzahlen. Warum habe man nicht gleich eine zweite Godesberger Gesamtschule geplant? Da hätten die Eltern ihre Kinder hingeschickt, klagten damals Schulexperten.

Zumindest die Johannes-Rau-Hauptschule hat sich inzwischen berappelt und zur guten Adresse auch für Inklusions- und internationale Klassen gemausert. Die Carl-Schurz-Realschule nebenan zog dagegen den Kürzeren: Die Stadt entschied 2015, sie auslaufen zu lassen und dafür ab 2016 auch Jungen an der nahen „Mädchenbastion“ Gertrud-Bäumer-Realschule aufzunehmen. Derzeit seien noch 250 Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 10 an Carl-Schurz, sagt die kommissarische Rektorin Julia Nonhoff. „Trotzdem bieten wir ein ausgewogenes Förderprogramm und ein attraktives Schulleben.“ Ihre Kollegin Daniela Römmler von Gertrud-Bäumer hat es dagegen in Zeiten, in den Realschulen nicht mehr im Trend sind, mit den zusätzlichen Jungen „gepackt“. Römmler: „Wir platzen aus allen Nähten. Wir wachsen sehr schnell. Das Feedback der Eltern ist nach wie vor sehr gut.“

Römmler weist aber auch auf eine weitere Besonderheit hin: In Bad Godesberg arbeiten ein knappes Dutzend Schulen und damit alle Schultypen in einem pädagogischen Netzwerk zusammen: von der Hauptschule über die Realschulen, das Konrad-Adenauer-Gymnasium und das Friedrich-List-Berufskolleg bis zu mehreren Grundschulen. Die Kooperation verspricht eine bessere Durchlässigkeit der Schultypen zum Wohle jedes Kindes, das so zum höchstmöglichen Abschluss geführt werden könne. Es gebe eben nicht nur den direkten Weg zum Abitur. Gerade für Eltern, deren Kinder keine eindeutige Gymnasialempfehlung erhielten, sei wichtig zu wissen: Der Weg über die Haupt- oder Realschule sei keine Sackgasse. Vielmehr warteten auch dann noch Wege, um das Abitur zu erwerben. Römmler als Sprecherin betont: „Den Erfolg unseres Schulnetzwerks können Sie daran sehen, dass wir kaum Zwischenfälle in Bad Godesberg haben.“