Wenn Kita-Kinder mehr Zeit brauchen

Positive Resonanz für Beratungsdienst in Bad Godesberg

Leiterin Gertrud Lindlar (links) und Heilpädagogin Heidi Wichmann vom Beratungs- und Förderdienst turnen mit Kindern.

Leiterin Gertrud Lindlar (links) und Heilpädagogin Heidi Wichmann vom Beratungs- und Förderdienst turnen mit Kindern.

Bad Godesberg. Immer wenn in einer der 14 Kitas des katholischen Kindergartennetzwerks Bad Godesberg ein Kind auffällt, das mehr braucht als die übliche Betreuung, ist der Beratungs- und Förderdienst gefragt, den die Bürgerstiftung Rheinviertel 2012 ins Leben gerufen hat.

Da ist das Mädchen, das einfach nicht spricht, obwohl Erzieherinnen und Eltern alles versuchen. Oder das Flüchtlingskind, das keine geschlossenen Türen ertragen kann und sich mitten im größtem Trubel auf den Boden legt, um zu schlafen.

Pro Jahr sind es rund 30 Kinder mit Beeinträchtigungen oder Auffälligkeiten, für die die jeweilige Kita um fachlichen Rat bittet. Im Team des Beratungsdienstes, das erst zu Beginn des Kindergartenjahres um vier Mitarbeiterinnen auf insgesamt acht aufgestockt wurde, arbeiten Erzieherinnen mit Zusatzqualifikationen in Logopädie, Motopädie und Heilpädagogik. „Das zusätzliche Personal ist eine große Unterstützung für die Einrichtungen“, sagt Gertrud Lindlar, Leiterin des Beratungs- und Förderdienstes. Sie und ihre Kolleginnen ergänzen das jeweilige Kindergartenteam ganz nach Bedarf, arbeiten mit den Kinder einzeln oder in der Gruppe, helfen bei der Diagnostik und legen einen besonderen Schwerpunkt auf die Sprachförderung.

Bei den 25 Flüchtlingskindern, die aktuell betreut werden, kommt hinzu, dass sie das Erlebte noch verarbeiten müssen. „Man braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Diese Zeit können wir geben“, sagt Lindlar. Heilpädagogin Heidi Wichmann versucht, positive Momente für die Jungen und Mädchen zu schaffen. Für ein Kind war der Kindergarten nach Monaten auf der Flucht „die totale Reizüberflutung“. Es sammelte alle Spielsachen ein und musste erst wieder lernen, damit zu spielen.

Ansprechpartner für Eltern

Der Beratungsdienst ist auch Ansprechpartner für Eltern, hilft bei Anträgen und bei der Auswahl der richtigen Therapie. Die Resonanz ist durchweg positiv. „Wir schätzen das Angebot sehr, da unsere Tochter die notwendige spezielle Förderung in ihrem Kindergarten bekommt und uns als Familie Extratermine am Nachmittag erspart bleiben“, schreibt eine Mutter. „Auch die Vernetzung und der Austausch mit anderen therapeutischen Einrichtungen bezüglich der Entwicklung unserer Tochter klappt wunderbar.“

Eine andere Mutter freut sich über die Fortschritte ihres Sohnes, die sich auch bei einer Feier zeigten: „Er tanzte und hüpfte während des ganzen Festes. Vor einem Jahr wäre das undenkbar gewesen.“ Nach einem Besuch beim Hals-Nasen-Ohrenarzt, zu den der Förderdienst geraten hatte, macht der Junge auch Fortschritte in er Logopädie und Ergotherapie.

Die Bürgerstiftung sammelt weiter Spenden (siehe „Benefizkonzert mit Peter Materna“), um die Arbeit zu finanzieren. Das das Geld gut angelegt ist, zeigt ein weiterer Bericht: „Mia (Name geändert) hat sich um 100 Grad gedreht, von einer stillen grauen Maus zu einem stolzen, bunten Plappervogel.“