Haus der Generationen in Bonn

Muslime laden zu Fastenbrechen in Bad Godesberg ein

Mentorinnen des Projektes bereiten die Speisen vor, die beim Fastenbrechen serviert werden.

Mentorinnen des Projektes bereiten die Speisen vor, die beim Fastenbrechen serviert werden.

Bad Godesberg. Muslime laden zum Mahl im Ramadan. Auch die Bonner Integrationsbeauftragte Coletta Manemann besucht das Mehlemer Haus und lobt Arbeit des Vereins Haus der Generationen.

Doch noch ein wenig zurückhaltend betraten Ulla und Klaus-Dieter Merzbach das Mehlemer Haus der Generationen. Schon Dutzende Gäste saßen hier an gedeckten Tischen, auf denen bis dahin nur Teller mit Datteln und Wasser standen. Viele Jugendliche, die meisten mit arabischen Wurzeln, waren darunter, junge Frauen mit und ohne Kopftuch, kleine Kinder.

Sanaa Elaidi, die Vorsitzende des Vereins Haus der Generationen, eilte zu den Merzbachs und hieß auch sie am Freitagabend herzlich zum gemeinsamen Fastenbrechen willkommen. „Wir waren schon mal hier, als der Verein in die Meckenheimer Straße zog. Jetzt sind wir neugierig, wie unsere Nachbarn den Ramadan begehen“, sagte Ulla Merzbach. Mit ihrem Mann betreibt sie ein paar Häuser weiter eine seit mehr als 80 Jahren im Familienbesitz befindliche Metzgerei. „Es wirkt alles sehr sympathisch hier“, meinte Merzbach nach den ersten Gesprächen am Tisch.

Inzwischen hatten Julia Menzhausen und Abdulrahman Meawad in den Abend eingeführt. Muslime fasteten seit Montag von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang, um sich aufs Wesentliche zu konzentrieren: auf die Barmherzigkeit gegenüber Armen und Schwachen, die Unterstützung anderer und das Zwiegespräch mit Allah. Dieses Fasten konnte an diesem Abend ab 21.07 Uhr gemeinsam mit den nicht muslimischen Gästen gebrochen werden. Menzhausen wies auf das reich bestückte Büffet im Nebenraum. Sie leitet mit Elias Malek Yahyaoui für die Otto-Benecke-Stiftung das erfolgreiche Jugendprojekt „Ma`an“, also „Miteinander“. „Wir arbeiten präventiv gegen Extremismus und bilden dafür Mentoren aus“, erläuterte sie.

Seit 2003 müssen sich Muslime in Bad Godesberg nicht mehr in Hinterhöfen zum Gebet treffen

Ihr zur Seite stand Mentorin Yousra Madjido und erläuterte die Arbeit des Vereins. Sanaa Elaidi erinnerte daran, wie froh viele muslimischen Familien in Godesbergs Süden seien, sich seit 2003 nicht mehr in Hinterhöfen zum Gebet treffen zu müssen. Der Verein habe sich seitdem öffnen können, kooperiere mit der Stadt und biete pädagogische Jugendarbeit an.

Gerne ergriff Bonns Integrationsbeauftragte Coletta Manemann das Wort. „Es ist ein Lichtblick für die Stadt, dass es Ihren Verein gibt. Wir unterstützen und begleiten Sie weiterhin gerne“, versprach sie. An den Tischen saßen die Kommunalpolitiker Sebastian Fohrbeck (SPD), Jan Claudius Lechner (CDU) und Wolfgang Heedt (FDP), Godesbergs Jugendpfleger Michael Vieth und das „Rheingold“-Team der Katholischen Jugendagentur (KJA) um Marc Hammer und kamen mit den Muslimen ins Gespräch. Ein Lehrer des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums war gekommen, um den Ramadan mit seinen muslimischen Schülern zu begehen. Um 21.07 Uhr läutete Mahmoud Meawad mit einer in Richtung Mekka gesungenen Koransure das Fastenbrechen ein.

Und auch die Merzbachs holten sich vom Buffet einige Kostproben. Zu Hähnchenschenkeln war safrangelber Mandelreis aufgetischt, Salate, Fladenbrot, gebratener Fisch und eine marokkanische Harira-Suppe. „Am wichtigsten ist uns allen das friedliche Zusammenleben“, las Chaimaa Saddiki aus einem Gedicht. „Menschen sind ja erst einmal zurückhaltend, wenn sie nicht wissen, um was es beim Ramadan geht“, meinte Ulla Merzbach.

Aber wer sich für seine Mitmenschen interessiere, der könne sie doch hier mit ihren Traditionen kennenlernen. „Und das ist ein gutes Gefühl, das ich hier heute Abend habe.“ Muslime begehen den Ramadan bis zum 5. Juni. Zum weiteren gemeinsamen Fastenbrechen lädt auch das Auerberger Bündnis Integration am 24. Mai ab 20 Uhr ins Gemeindeforum Auerberg, Helsinkistraße.