Ako Bad Godesberg

Keine Ermittlungen zu Vergewaltigungen am Aloisiuskolleg

Das Aloisiuskolleg in Bad Godesberg.

Das Aloisiuskolleg in Bad Godesberg.

BAD GODESBERG. Die Bonner Staatsanwaltschaft wird die neuen Vergewaltigungsvorwürfe gegen ehemalige Patres am Aloisiuskolleg nicht verfolgen. Die Taten sollen verjährt sein.

Die Staatsanwaltschaft Bonn wird nicht gegen ehemalige Patres am Aloisiuskolleg ermitteln, gegen die es Vergewaltigungsvorwürfe gibt. Laut Sprecher Sebastian Buß hat das zwei Gründe. Zum einen habe sich das mutmaßliche Opfer nicht selbst an die Strafverfolgungsbehörden gewendet, weder sein Name noch der der mutmaßlichen Täter sei bekannt.

Zum anderen seien die Taten, die Anfang der 80er Jahre begangen worden sein sollen, bereits verjährt. Dies stellt ein so genanntes Strafverfolgungshindernis dar, deswegen sei der Behörde die Einleitung eines Strafverfahrens verwehrt. Wie berichtet, hatte sich ein ehemaliger Schüler an den Betroffenenverein „Eckiger Tisch Bonn“ gewendet und angegeben, Anfang der 80er Jahre von zwei Jesuitenpatres vergewaltigt und von einem dritten schwer misshandelt worden zu sein.

Bis zur Ohnmacht gewürgt

Ein ehemaliger Schüler des Aloisiuskollegs (Ako), der das Gymnasium 1980 bis 1983 besuchte, hatte sich an den „Eckigen Tisch Bonn“ gewendet und schwere Vorwürfe erhoben.

Wie aus einer Mitteilung des Betroffenenvereins hervorgeht, hat der 1970 geborene Mann angegeben, während seiner Schulzeit im Ako „als Kind mehrfach Opfer schweren sexuellen Missbrauchs insbesondere durch zwei Jesuitenpatres und gefährlicher Körperverletzung durch einen dritten Pater geworden zu sein“. Die mutmaßlichen Täter, die er namentlich benannt habe, sollen ihn nackt fotografiert, bis zur Ohnmacht gewürgt und inklusive Penetration vergewaltigt haben. Dabei handele es sich um einen neuen Fall, der noch in keinem Bericht erfasst sei, so der Vereinsvorstand auf GA-Anfrage. Mindestens einer der beiden Haupttäter soll bereits tot sein.

 „Das Aloisiuskolleg ist tief erschüttert über die in den geschilderten Vorwürfen sich abzeichnende neue Dimension der Vergehen“, sagte Schulleiter Manfred Sieburg. Der Eckige Tisch Bonn habe die Schule über den Vorwurf informiert, weitere Details lägen derzeit noch nicht vor.

Betroffene können sich an Beauftragten wenden

Das Ako begrüße ausdrücklich, „dass sich Betroffene auch auf diesem Weg melden“. Man stehe jedem, „dem an unserem Kolleg Unrecht geschehen sein sollte, als Gesprächspartner zur Verfügung, ganz gleich, wie lange das Ereignis zurückliegen mag“. Derzeit warte man Informationen des Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Jesuitenordens ab. „Daher können wir zum Sachverhalt selbst noch keine Stellungnahme abgeben.“ Der Missbrauchsbeauftragte, Marek Spitczok von Brisinski, äußert sich nicht zu laufenden Angelegenheiten, teilte er auf Anfrage mit. Gespräche seien vertraulich und würden an niemanden weitergegeben. Er lädt Betroffene ein, sich bei ihm zu melden: spitczok@posteo.de.

Anfang Mai war das Ako in die Schlagzeilen geraten, weil es einen sexuellen Übergriff auf eine Oberstufenschülerin durch einen Lehrer gegeben haben soll. Die Schule stellte den Mann daraufhin frei. Am Freitag sagte Schulleiter Sieburg, man werde sich zu diesem Fall erst zu gegebener Zeit äußern, da man die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen schützen wolle.