Pläne für Ungarn-Botschaft

Investor möchte fünf frei stehende Mehrfamilienhäuser errichten

Alles andere als einladend: Die ehemalige Ungarn-Botschaft in der Turmstraße in Plittersdorf.

BAD GODESBERG. Zuletzt Frankreich, Türkei, Saudi-Arabien, demnächst Bulgarien und nun auch noch Ungarn? Die ausgedehnte Reise, die Investoren, Architekten und Bauarbeiter seit geraumer Zeit über ehemalige Botschaftsflächen in Bad Godesberg machen, könnte an der Turmstraße in Plittersdorf demnächst eine Fortsetzung erfahren.

Das jedenfalls wünscht sich ein Interessent, der dort anstelle des diplomatischen Bürokomplexes gern fünf frei stehende Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 27 Wohneinheiten errichten würde. Noch aber erfährt sein Vorhaben Gegenwind.

Nach den Plänen des Bauherrn sollen in einer Tiefgarage 41 Fahrzeuge Platz haben. Problem: Die Häuser sollen statt in geschlossener in offener Bauweise zweigeschossig mit Staffelgeschoss geplant werden, wobei auch Baugrenzen und die vorgeschriebene Geschossigkeit missachtet werden.

Die Stadtverwaltung jedenfalls sieht einen Widerspruch zu den Bestimmungen des geltenden Bebauungsplans. Ebenso sahen es am Mittwoch die Kommunalpolitiker, die zur Sitzung des Unterausschusses Bauplanung zusammengekommen waren. "Das Vorhaben weicht von den Festsetzungen des Bebauungsplanes ab, da die Baugrenzen überschritten werden, die Geschossigkeit nicht eingehalten wird und eine offene anstelle der festgesetzten geschlossenen Bauweise geplant ist. Dadurch werden die Grundzüge der Planung berührt", begründet die Stadtverwaltung ihre ablehnende Haltung.

Grundsätzlich sei der Bebauungsansatz städtebaulich begrüßenswert, eine mit derzeit vielfältigen Abweichungen vom geltenden Planungsrecht konzipierte Bebauung sei jedoch nur über die Änderung des Bebauungsplanes realisierbar. Genau die fordert inzwischen auch die FDP.

"Ein Hineinzwängen von planungsrechtlich problematischen Baukörpern auf das Grundstück, was nur mithilfe zahlreicher Sondergenehmigungen möglich wäre", sei mit den Liberalen nicht zu machen, erklärt Fraktionsvorsitzender Ulli Hauschild. Auch er schließt sich allerdings der Meinung der Bonner Bauverwaltung an, dass an dieser Stelle die Schaffung von Wohnraum wünschenswert wäre. Die frühere Bebauung in der Nachbarschaft habe gezeigt, dass in Zukunft keine signifikanten Überschreitungen von Baugrenzen mehr hingenommen werden dürften.

Die Bad Godesberger FDP-Vertreter nennen es "unverständlich", wie angesichts dieser offensichtlichen planungsrechtlichen Verstöße seitens des Bauherrn überhaupt ein solches Unterfangen an die Stadt herangetragen werden konnte. Bei der Bebauung früherer Botschaftsgelände mit Wohnhäusern ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu heftigen Diskussionen in Politik und Nachbarschaft gekommen.