Homepage einer Bonner Buchhandlung

"Gehackt vom Islamischen Staat"

Ungewohnt war für die Kunden einer Bad Godesberger Buchhandlung das, was sie am Wochenende auf deren Internetseite sahen. SCREENSHOT: PRIVAT

Ungewohnt war für die Kunden einer Bad Godesberger Buchhandlung das, was sie am Wochenende auf deren Internetseite sahen.

BAD GODESBERG. Unbekannte Täter haben am Wochenende die Internetseite einer Bad Godesberger Buchhandlung manipuliert und darauf Propaganda der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) veröffentlicht.

Unter Kunden weckt dies Erinnerungen an einen anderen Vorfall: Vor einigen Wochen waren mehrfach Plakate zerstört worden, auf denen sich die Betreiber nach den Anschlägen auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" solidarisch gezeigt hatten. Ob und inwieweit zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang besteht, ist unklar.

Wer am Wochenende die Internetseite der inhabergeführten Buchhandlung aufrief, um sich auf diesem Weg beispielsweise ein Buch zu bestellen, der staunte nicht schlecht. Denn anstatt der üblichen Empfehlungen von Literatur und Veranstaltungen starrte ihm gleich auf der Startseite das schwarze Emblem des "Islamischen Staates" entgegen.

"Hacked by Islamic State" (gehackt vom Islamischen Staat) stand da zu lesen, und weiter: "We are everywhere" (wir sind überall). Musikalisch unterlegt war der ungewohnte Anblick mit martialischen arabischen Kampfgesängen, so genannten Nasheeds, mit denen Muslime zum Kampf gegen die "Ungläubigen" aufgerufen werden sollen. Exakt dieselbe Erscheinungsform hatten am Wochenende andere Hackerangriffe - etwa auf die Internetseiten einer Volkshochschule in der Steiermark.

Während die Betreiber der Buchhandlung bis gestern damit beschäftigt waren, ihre beschädigte Internetseite wiederherzustellen, wollten sie in der Öffentlichkeit zu den Vorkommnissen lieber schweigen und auch namentlich nicht genannt werden - nicht zuletzt auch aus Sorge vor möglichen weiteren Attacken. Dass diesbezüglich zumindest Vorsicht geboten sein könnte, lassen Vorkommnisse erahnen, die einige Wochen zurückliegen.

Nach den Anschlägen auf die Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" Anfang Januar hatte die Buchhandlung am Schaufenster Zeitungsartikel und Plakate angebracht, auf denen man sich mit den Opfern solidarisierte und zur Verteidigung von Toleranz und Pressefreiheit aufrief.

Über mehrere Tage fand die Belegschaft die Aushänge morgens zerstört vor und ersetzte sie jedes Mal wieder. Den jüngsten Hackerangriff haben die Inhaber der Buchhandlung unverzüglich der Polizei gemeldet. Dort bearbeitet nun der Staatsschutz den Fall.

Wie Polizeisprecher Robert Scholten auf Anfrage erklärte, hatte die Behörde von ähnlich gelagerten Fällen in Bonn und der Region gestern noch keine Kenntnis, ebenso wenig wie über die möglichen Urheber. "Wir können einen ernsten Hintergrund derzeit genauso wenig ausschließen wie das Gegenteil", sagte Scholten.

Ähnliche Fälle haben sich in den vergangenen Wochen in Europa und den USA gehäuft. Allein auf französischsprachige Seiten im weltweiten Netz wurden zuletzt mehr als 20 000 Cyberattacken registriert, die vielfach Islamisten zugeordnet wurden. Selbst auf dem Youtube-Kanal der US-Armeeführung hatte sich kurzzeitig das Programm geändert: Auch dort waren plötzlich IS-Propagandavideos zu sehen.