Von der Einsamkeit an der Spitze

Ex-Telekomchef Obermann berichtet über seine Karriere

Aufrichtig und locker: René Obermann (links) im Gespräch mit GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Aufrichtig und locker: René Obermann (links) im Gespräch mit GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Bad Godesberg. Ex-Telekomchef René Obermann hat sich in Bad Godesberg den Fragen der Gesprächsreihe "Ich stelle mich" gestellt. Mit aufrichtig wirkenden Antworten gewann er die Sympathien der Zuhörer.

„Ich erwarte einen dynamischen, sehr aufgeschlossenen Manager, der mit ethischen Kategorien arbeitet“, sagte eine Besucherin des Bad Godesberger Forums noch bevor René Obermann und Helge Matthiesen auf dem Podest Platz genommen hatten. Um es vorwegzunehmen, die Besucherin wurde mit ihren Erwartungen an den Ex-Telekomchef nicht enttäuscht.

Auch wenn explizit kein Diskurs über Ethik und Moral von global agierenden Konzernlenkern oder Aufsichtsräten geführt wurde, vermittelte der 55-jährige Obermann in der Gesprächsreihe „Ich stelle mich“ mit vielen seiner Antworten, dass sein Handeln auf sozialen Grundsätzen und Wertevorstellungen beruht. Auch wenn durch seinen tiefgreifenden Umbau der Telekom, der den größten Arbeitskampf in der deutschen Wirtschaftsgeschichte auslöste, ein anderer Eindruck entstehen konnte.

GA-Chefredakteur Helge Matthiesen, der im gleichen Format bereits mit Annette Schavan und Elke Heidenreich erkenntnisreiche Dialoge geführt hatte, gab Obermann in den 90 Gesprächsminuten Gelegenheit, das Bild eines bescheidenen, nahezu demütigen und selbstreflektierten Managers entstehen zu lassen.

Mit seinen aufrichtig wirkenden Antworten und Erzählungen gewann Obermann schnell die Sympathien der rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörer. Es entstand der Eindruck, dass er sich im Pastoralzentrum von St. Marien wie zu Hause fühlte.

In der ersten Reihe saß ihm Pfarrer Wolfgang Picken gegenüber, den Obermann duzend als denjenigen hervorhob, der ihm nach seinem Austritt aus der katholischen Kirche einen für ihn wichtigen Weg zurück zeigte. Aufgewachsen ist Obermann in Krefeld, das er zusammen mit Bonn als Heimat bezeichnete. „Nur, dass Bonn schöner ist“, wie er zur Genugtuung seines Publikums feststellte.

Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann bei BMW in München begann er, Volkswirtschaft in Münster zu studieren. Doch seine erste Unternehmensgründung beanspruchte schnell seine ganze Zeit. Nach zwei Semestern endete für ihn der theoretische Teil seiner Karriere, die ab diesem Zeitpunkt nur noch steil nach oben führen sollte. 2006 wurde er als Vorstandsvorsitzender der Telekom zum Chef von rund 230.000 Mitarbeitern weltweit. „Da war ich von heute auf morgen ganz allein“, sagte er und sprach über die Einsamkeit an der Spitze des Weltkonzerns ebenso, wie er sich auch heute noch für das „großartige Unternehmen“, das er 2013 verließ, begeistern kann.

Deutlich war seinen Worten zu entnehmen, wie sehr er sich noch mit dem Bonner Konzern verbunden fühlt. Den ersten Applaus für Obermann gab es nach der Frage von Matthiesen, wo er denn die Menschen gefunden habe, die ihm in schweren Momenten zur Seite gestanden hätten. „Hier im Viertel“, sagte Obermann, ohne dabei auch nur einen Moment nachdenken zu müssen.