Heimatverein Bad Godesberg

Eine Hommage an das alte Mehlem

MEHLEM. Gerade hatte sich der Mehlemer Bach nach der Überschwemmung vor einem Monat wieder halbwegs in sein Bett zurückgezogen, da staunten mehrere hundert Gäste beinahe etwas ungläubig darüber, welches Schmuckstück der Künstler Ren Rong aus der ehemals baufälligen Villa Friede gemacht hat.

Ein anderer Grund zum Feiern ging bei der Gelegenheit ein wenig unter. So hielt auch der Bad Godesberger Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte (VHH) eine Erfolgsmeldung bereit: Wie bereits in Friesdorf und Muffendorf hat der Verein jetzt auch in Mehlem eine Reihe von Infotafeln an historischen Gebäuden angebracht.

Prägnant und doch gehaltvoll, stellen sie an acht Sehenswürdigkeiten des Ortes deren Geschichte und Bedeutung für Mehlem dar. "Dass wir das Vorhaben jetzt auch hier umsetzen konnten, freut mich ganz besonders. Mehlem erschien in der Öffentlichkeit zuletzt ja immer wieder als Problemkind", sagt VHH-Vorsitzender Martin Ammermüller.

In der Tat sind sich in der Nachrichtenlage aus Mehlem zuletzt immer wieder Extreme begegnet. Hier, neben den seit langem bestehenden Villen am Rhein, die neuen Luxuswohnungen auf früherem Botschaftsterrain. Dort die Klagen über schwindendes Sicherheitsgefühl und über Salafisten. Obendrein dann am 20. Juni auch noch das zweite Jahrhunderthochwasser innerhalb von 36 Monaten.

Zwar hatte auch schon in den 30er Jahren ein schweres Hochwasser in Mehlem gewütet. Insgesamt aber, wie andernorts auch, verlief das Leben im Süden Bad Godesbergs doch deutlich beschaulicher. So künden alte Fotos davon, welcher Magnet beispielsweise die als Hotel und Gaststätte betriebene Villa Friede zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Bonner Studenten gewesen sein muss.

Eine kolorierte Postkarte, unterschrieben mit zahlreichen Namen und jeweiligem Verbindungszirkel, versprüht einen Hauch alter Burschenherrlichkeit. Neben der Villa Friede gehört auch die Villa Schnitzler, auch bekannt als Haus Drachenstein, zu den acht Objekten, die der Heimatverein nun mit einer Informationstafel versehen hat. Ebenso die Alte Schmiede, die Villa Camphausen, der Domhof, die Kirche Sankt Severin, die Kapelle "Zu den Sieben Schmerzen Mariens" und der Jüdische Friedhof am Rande des Oberdorfes.

"Gleich drei der Anwesen, die wir jetzt auf diese Weise würdigen, waren vor nicht allzu langer Zeit vom Abriss bedroht", sagt Martin Ammermüller. Somit hat doch vieles von dem überdauert, was um ein Haar verschwunden wäre. In einer Broschüre über die frisch restaurierte Villa Friede beschreibt der Verein für Heimatpflege Mehlem wie folgt: Vor 2000 Jahren verlief durch Mehlem bereits die Römerstraße (die heutige Mainzer Straße) von Koblenz nach Köln. Die erste urkundliche Nennung von "Mielenheim" erfolgte mit der Schenkung eines Weinberges im Jahr 804.

Mehlem war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf den Weinbau ausgerichtet und kaum auf Fischerei und Schifffahrt. Im Jahr 1663 wurde der Ort durch schwedische Truppen fast völlig zerstört und wiederholt mit fremden Truppen belegt und ausgeplündert. Aber auch Überschwemmungen durch den Mehlemer Bach und sogar Erdbeben wie auch die Pest setzten Mehlem zu.

Im 19. Jahrhundert zogen reiche Kölner Unternehmer nach Mehlem und bauten sich große Sommervillen, begünstigt durch die eigene Mehlemer Haltestelle der Eisenbahn. Die besonders schöne Lage Mehlems gegenüber dem Siebengebirge führte zum Bau von Hotels und Pensionen und machte Mehlem zum Luftkurort. Mehlem hat heute fast 9000 Einwohner, von denen etwa jeweils die Hälfte in Mehlem-Rheinaue und in Obermehlem wohnt.