Nachbarschaft der Flüchtlingsunterkünfte kümmert sich

Die Skepsis weicht der Nähe

Im Kontaktcafé für Flüchtlinge in Rüngsdorf sprechen Christian Schulz (links) und Luise Müller mit einer syrischen Familie.

Im Kontaktcafé für Flüchtlinge in Rüngsdorf sprechen Christian Schulz (links) und Luise Müller mit einer syrischen Familie.

Bad Godesberg. Seit August begleitet die Godesbergerin Luise Müller eine syrische Familie aus Aleppo, die in der Flüchtlingsunterkunft in der Karl-Finkelnburg-Straße wohnt. "Die Familie ist mit fünf Kindern hier, und die mussten in vier verschiedenen Schulen untergebracht werden. Auch dabei konnte ich die Familie unterstützen", erzählt sie.

In Bad Godesberg hatte es Bedenken gegen die neuen Flüchtlingsunterkünfte in dem ehemaligen Bürogebäude sowie in weiteren Gebäuden an der Rheinallee gegeben. Im Alltag bestätigen sich Befürchtungen aus Sicht der ehrenamtlichen Helferin nicht.

"Das sind wohlerzogene Leute, eine ganz intakte Familie, die in ihrer Heimat in guten Verhältnissen lebte. Die Zimmer der Familie in der vierten Etage des Hochhauses in der Karl-Finkelnburg-Straße sind tipptopp in Ordnung, es gibt ein Zimmer für die fünf Kinder und eins für die Eltern", berichtet Müller.

Die syrische Familie lebt seit diesem Sommer in der Sammelunterkunft in der Karl-Finkelnburg-Straße, die über gemeinschaftlich zu nutzende Sanitär- und Kochbereiche verfügt. Dort sind nach Angaben der Stadt aktuell 155 Personen untergebracht.

"Schon allein aufgrund dieser Rahmenbedingungen lässt sich die Unterbringung mit der in der Rheinallee nicht vergleichen", sagt Marc Hoffmann vom Presseamt der Stadt Bonn. " In der Karl-Finkelnburg-Straße sind sowohl alleinstehende Männer als auch Familien untergebracht.

Im Wesentlichen befinden sich in dieser Unterkunft Syrer, Afghanen und zu einem geringeren Anteil auch Menschen aus dem Irak. Über die dortige Stimmungslage ist hier nichts Negatives bekannt", so Hoffmann. Das bestätigt beispielsweise auch Anwohnerin und ehrenamtliche Helferin Sigrid Zielonka, die täglich mit ihrem Hund dort spazieren geht. "Das ist dort eine sehr ruhige Atmosphäre. Ich weiß nichts von Belästigungen oder Ruhestörungen."

Ähnlich harmonisch zeigt sich die Situation rund um die Flüchtlingsunterkunft an der Rheinallee 53, die aus neun abgeschlossenen Wohneinheiten besteht, die derzeit mit insgesamt 36 Personen belegt sind. "Uns fällt das hier gar nicht auf.

Es ist eigentlich alles so wie immer, es hat sich nichts verändert", meint Britta Dick von der gegenüberliegenden "Seniorenresidenz Rheinallee". Auch Polizeisprecher Frank Piontek bestätigt für beide Einrichtungen: "Für uns stellt sich die Situation in und um diese beiden Flüchtlingsunterkünfte unauffällig dar."

"Die Unterbringung in der Rheinallee wird von den Bewohnern als überwiegend positiv empfunden", sagt Hoffmann. "Auch in der Karl-Finkelnburg-Straße ist die Stimmung überwiegend positiv. Die Bewohner haben sich mit den dortigen Gegebenheiten gut arrangiert und der Umgangston ist respektvoll.

Ein großer Teil des Lebens der Bewohner findet schon jetzt außerhalb der Unterkunft statt. Einige haben ein Praktikum angefangen oder sogar schon eine Arbeitsstelle gefunden", so Hoffmann. "Die Einbindung in der Unterkunft in die direkte Nachbarschaft lässt sich als sehr positiv beschreiben. Die anfängliche Skepsis ist großer Unterstützung gewichen. So wurden wiederholt Sachspenden angeboten."

Wie der neue Flüchtlingskoordinator des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Katholischen Kirche in Bad Godesberg, Christian Schulz, berichtet, ist die ehrenamtliche Unterstützung groß. Und: "Es nehmen viele Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Karl-Finkelnburg-Straße regelmäßig am Kontakt-Café teil, wodurch schon viele Freundschaften und Patenschaften entstanden sind."

In der Karl-Finkelnburg-Straße hat der DRK-Kreisverband die Betreuung der Flüchtlinge im Auftrag der Stadt Bonn übernommen. Das DRK ist täglich vor Ort und unterstützt die Bewohner im Leben innerhalb und außerhalb der Einrichtung.

"Wir finden es sinnvoll und hilfreich, die Koordination der vielen ehrenamtlichen Helfer zusammenzuführen. Das verstärkt die Vernetzung unter den Aktiven und kommt den Flüchtlingen zugute", sagt Klaus Müller-Starmann, DRK-Kreisgeschäftsführer.