Bachs Matthäuspassion in St. Marien

"Der Mount Everest der Kirchenmusik"

BAD GODESBERG. Drangvolle Enge herrschte im Chorraum von St. Marien, Bad Godesberg. Die Bürgerstiftung Rheinviertel hatte anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens zu einem Benefizkonzert geladen.

Auf dem Programm stand mit der Matthäus-Passion die "große Passion" Johann Sebastian Bachs, der "Mount Everest der Kirchenmusik", wie der musikalische Leiter dieses Projekts, Daniel Kirchmann, befunden hatte. Denn Bach verlangt für die über dreistündige Aufführung neben dem Solisten-Quintett und einem Doppelorchester drei Chöre.

Die rekrutierten sich aus dem zweigeteilten Vokalensemble Rheinviertel sowie dem Mädchenchor am Kölner Dom. Für den Orchesterpart war die Camerata "Louis Spohr", ein aus Düsseldorf stammendes Projekt-Orchester aus Profi-Musikern (mit wunderbarem Holz und einer beherzten Viola da gamba), gewonnen worden, so dass man insgesamt über 200 Mitwirkende aufzubieten hatte.

Trotz solchen Ausmaßes geriet diese gemeinsame "Bergbesteigung" zum Erfolg, und das - um im Bild zu bleiben - ohne jede Atemnot, denn Kirchmann hatte seine glänzend vorbereiteten Ensembles gut im Griff, konnte Chöre und Orchester differenzierend einsetzen und so den 650 Gästen eine plastische Wiedergabe bieten. Die allgemeine Präzision etwas zu stören schien allerdings die Idee, die einzelnen Chorstimmen sich während ihres Einsatzes erheben zu lassen.

Diese "Choreografie" verfing lediglich beim sukzessiven "Lass ihn kreuzigen!", weil sie das suggestiv Bedrohliche dieses Turbae-Einwurfs unterstrich. Bei den Solisten (Maximiliane Schweda, Sopran, Mark Heines, Evangelisten-Tenor und Joseph Szalay, Jesus-Bass) überzeugte besonders die kultivierte Gestaltung von Franziska Orendi, Alt, und Arien-Bass Christian Palm. Diverse Nebenrollen kamen wacker aus dem Chor. Lang anhaltender, stürmischer Beifall belohnte die Künstler nach Ende der Aufführung.