"Keine Gefahr für die Bürger"

Blausäure im Godesberger Kanal

Bad Godesberg.  Einem massiven Fall von Umweltverschmutzung sieht sich in Bad Godesberg zurzeit die Stadtverwaltung gegenüber. Mitarbeiter stellten im Klärwerk Rheinaue fest, dass der dort ankommende Klärschlamm Blausäuredämpfe abgibt.
Unterbrochen hat die Stadtverwaltung zurzeit alle Kanalbauarbeiten in Bad Godesberg. Erst soll festgestellt werden, wie es zu der Blausäure-Verschmutzung kam. Das Foto entstand 2009. Foto: Volker Lannert

Wie die Verwaltung am Mittwochnachmittag mitteilte, bestehe für die Bevölkerung sowie für das Trinkwasser keine Gefahr. Wie, wann und wo genau die Blausäure in die Kanalisation gelangt ist, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Nach dem Verursacher wird zwar intensiv gesucht, eine konkrete Spur gibt es offensichtlich aber noch nicht.

Ausdrücklich äußert die Stadtverwaltung allerdings die Vermutung, dass der Übeltäter im gewerblichen Bereich zu suchen ist. "Aufgrund der vorgefundenen Konzentrationen kommen nur gewerbliche Verursacher in Frage. Alle Verwendungen im privaten Bereich können keinen derartigen Einfluss ausüben", so die Fachleute. Ob es gelingen wird, der Verursacher habhaft zu werden, steht allerdings dahin: Möglich wäre es beispielsweise, dass die Schadstoffe von einem Tankfahrzeug illegal in das Kanalnetz abgelassen wurden.

Das Bad Godesberger Kanalnetz ist ein geschlossenes System, das im Klärwerk mündet. Somit lässt sich die Verschmutzung auf den Stadtbezirk begrenzen, jedoch nicht näher lokalisieren, wie auch Elke Palm vom Presseamt auf GA-Nachfrage bestätigte: Die Verschmutzung habe vermutlich punktuell stattgefunden, später sei die Blausäure mit dem Klärschlamm ins Klärbecken geschwemmt worden.

Während es mithin schwierig ist, Ort und Zeitpunkt der illegalen Einleitung nachzuverfolgen, kündigt die Stadt Zusatzkontrollen bei Betrieben an, die als Verursacher infrage kommen. Der kontaminierte Klärschlamm kann laut Stadtverwaltung trotz der Blausäure in der üblichen Weise verbrannt werden.

Solange keine Klarheit über die Ursache besteht oder zusätzliche Messtechnik vorhanden ist, sind zum Schutz der Arbeiter vor Vergiftungen alle Kanalbauarbeiten unterbrochen. Für Bürger gilt das, was sonst auch gilt: Der Einstieg ins Kanalnetz ist verboten.

Blausäure:
Die hochgiftige - und je nach Dosis tödlich wirkende - Blausäure (Cyanid) kommt in der Natur in geringer Konzentration beispielsweise in den Kernen von Aprikosen, Kirschen und Mandeln vor. In der Industrie werden Cyanide bei der Gold- und Silbergewinnung, in der Fotografie und bei der Schädlingsbekämpfung in großen Mengen verwendet.

Das Einleiten von Blausäure ins Kanalnetz stellt eine Umweltstraftat dar, die mit Geld- oder gar Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Zudem hat die Stadt angekündigt, den Tätern die entstehenden Zusatzkosten als Schadenersatz in Rechnung zu stellen, sofern sie ermittelt werden.

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