Nach der Convention geht es weiter

Auf der FeenCon in Bonn können Spiele Tage dauern

Bad Godesberg. Auf der FeenCon in der Godesberger Stadthalle präsentieren sich die Besucher in aufwendigen Kostümen und treten bei Spielen gegeneinander an. Die Teilnehmer tauschen sich gerne untereinander aus.

Wer schon einmal einem Lesetheater beigewohnt hat, kennt das Gefühl, in eine vorgegebene Rolle zu schlüpfen und im Lesen dieser Rolle dem intonierten Text Leben einzuhauchen. Bei der FeenCon gehen die Rollenspieler und teilweise passend eingekleidete, Person gewordene Figuren einen Schritt weiter. Sie gestalten mit vorgegebenen Charaktereigenschaften und Fähigkeiten die Geschichte durch eigenes Handeln selbst und erleben dabei imaginär manch ungeahntes, gefährliches, gruseliges oder lustiges Abenteuer.

Arten der Rollenspiele gibt es viele. Mit Stift und Papier bewaffnet spielen die Pen-and-Paper Fans mit einem beinahe allwissenden Spielleiter. „Allmächtig bin ich nicht, weil die Spieler mit ihren Ideen dem Spielverlauf plötzlich eine ganz andere Richtung geben können“, erklärt Spielleiter Markus (49). Dann gilt es für ihn, den Handlungsverlauf durch geschickte Lenkung wieder in den gewünschten Rahmen zu bringen. Ob ein Spielziel feststeht? „Nein, oder besser gesagt, nur im Groben.“ Gefunden werden sollte in diesem Fall ein mysteriöser Stein, der Allmacht versprach und in die Hände dunkler Mächte gelangt war. Ob die Welt schlussendlich gerettet werden würde, war bis zum Redaktionsschluss nicht bekannt.

Taktierendes Abwägen und überlegte Spielzüge

Bei den Table-Top-Spielen wurde es im wahrsten Sinne des Wortes etwas figürlicher. Auf an Standardbrettspiele erinnernden Spielfeldern oder dreidimensional auf Tischen aufgebauten Landschaften tummelten sich illustre, meist vielfältig umbaubare Spielfiguren. Keinen lauten Knall hörte man hier, wie man bei Spielenamen wie Battletech, Dungeon World oder Zombiecalypse denken könnte. Stattdessen herrschten Konzentration, taktierendes Abwägen der Möglichkeiten und nach reiflicher Überlegung schließlich der Zug. Auf dessen Ergebnis musste dann der nächste Spieler möglichst geschickt reagieren.

Unter den Live-Action-Role-Playern, kurz Larp, war hingegen voller Körpereinsatz gefragt. „Da spielt man nicht mit Stift und Papier oder Figuren, da ist man die Figur“, erfuhr man von Jörg Spitzensteder, dem Pressesprecher des Veranstalters, der Gilde der Fantasy-Rollenspieler. So werden Menschen auf abgegrenzten Spielfeldern im Kurpark hinter der Stadthalle zu Zauberern, Feen, Elfen oder Zombies.

Wie lange man das so macht, bis das Spiel zu Ende ist? „Naja, manche sitzen die vollen zwei Tage hier, tauschen dann die Handynummern aus und treffen sich später wieder, um das Spiel zu Ende zu bringen“, berichtet Spitzensteder. Reizvoll seien dabei für viele Spieler nicht nur die Spielhandlungen selbst, das Knobeln und das eigene Gestalten des Spiels im Rahmen der zugeordneten Rolle. „Hier treffen sich ganz unterschiedliche Menschen zu einem interessanten Hobby. Wir hatten hier schon einen Richter, der mit einem Punk ein gemeinsames Ziel zu erreichen hatte. Man lernte sich kennen, man kommunizierte, baute Vorurteile ab“, beschreibt er den gesellschaftlichen Mehrwert.

Wichtiger Aspekt

Dieser Aspekt war auch Oliver wichtig: „Es ist einfach schön, zusammenzusitzen und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.“ Mit vier Mitstreitern, von denen er sich mit Dreien regelmäßig zum Spielen trifft, brachte er seine Fähigkeiten in einen mysteriösen Kriminalfall ein, der sich im Laufe des Spiels als Serienmord entpuppte.

Bücherfans fanden in den Räumen der Stadthalle bei Lesungen von Fantasy-Autoren spannendes Lesefutter. Carsten Steenbergen stellte seinen in Kürze erscheinenden Titel „Im Reich des toten Königs“ vor und bot die Gelegenheit zum Dialog. Unter den Lesenden fand man auch bekannte Namen wie Wolfgang Hohlbein, Bernhard Hennen und Robert Corvus. Tänzerische und musikalische Unterhaltung gab es vom „Stamm Sarafi“, den Bands „Synthonie“ und „Andy Edge“. Highlights wie die abendliche Feuershow und eine Bring-and-Buy Versteigerung sorgten auch in diesem Jahr für Furore. Nur das Wetter war kurz ein Spielverderber. Wind riss beim Unwetter ein Zelt aus den Angeln und schlug eine Tür der Halle so zu, dass die Tür Schaden nahm.