In Postfiliale Wurzerstraße verschollen

90-Jährige aus Bad Godesberg vermisst Geschenkpakete

Seit einigen Jahren sind Paketzusteller bei der Post in unterschiedlichen Firmen beschäftigt.

Symbolfoto

Bad Godesberg. Die 90-jährige Wanda Menke-Glückert vermisst Geschenkpäckchen, die sie bereits Ende November zur Post gebracht hat. Die Spur verliert sich in der Postfiliale an der Wurzerstraße.

Vorfreude ist die schönste Freude, und so hat sich Wanda Menke-Glückert schon seit Wochen Gedanken darüber gemacht, welche Advents-, Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke sie ihren Freunden und der Familie zukommen lässt. Sorgfältig packte die 90-Jährige zwei Pakete und zwei Päckchen und gab diese schon am Mittwoch, 28. November, in der Postfiliale an der Wurzerstraße auf. Als die Bad Godesbergerin nach ein paar Tagen keinerlei Reaktionen auf ihre Geschenkpakete bekam, ging sie der Sache auf den Grund: „Keine der Sendungen war angekommen. Daraufhin hat mein Sohn recherchiert: Laut der Sendungsverfolgung hat keines der Pakete die Wurzerstraße verlassen.“

Tief enttäuscht ging sie erneut in die Filiale. Dort hieß es, die Pakete wären noch am Abend des 28. November wie gewohnt abgeholt worden. „Die Mitarbeiter der Filiale zeigten mir den leeren Paketraum und versprachen mir herauszufinden, wo meine Pakete schlummern.“

Nach zwei Wochen gab es immer noch keine Neuigkeiten über den Verbleib der Pakete. „Ich bin noch mal in die Wurzerstraße gegangen und habe nachgefragt. Es stellte sich heraus, dass wohl nicht nur meine Sendung verschollen ist. Von einer großen Ladung, die die Filiale verlassen hatte, fehlt laut den Mitarbeitern jede Spur.“ Dieses Gerücht konnte jedoch durch die DHL-Pressestelle nicht bestätigt werden.

Post geht von Einzelfall aus

Vergangenen Freitag, 14. Dezember, wollten sich die Filialmitarbeiter zu dem Vorfall nicht mehr äußern und verwiesen an die Pressestelle der Deutschen Post. Dort stellte sich heraus, dass der Verbleib der beiden Pakete tatsächlich nicht nachweisbar ist. Laut DHL-Pressesprecher Rainer Ernzer passiere so etwas äußerst selten. Über den Grund könne man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren. Eine unleserliche Adressaufschrift könne beispielsweise ein Grund für das Verschwinden der Pakete sein. Päckchen, die nicht zugeordnet werden können, würden zur zentralen Paketermittlung nach Wuppertal gebracht. Dort seien die Mitarbeiter befugt, die Pakete zu öffnen, um den Absender oder Adressaten ausfindig zu machen. Frau Menke-Glückert empfiehlt er, einen Nachforschungsantrag zu stellen. Das habe zur Folge, dass die infrage kommenden Versandpunkte des Paketes überprüft würden.

Ernzer: „Bleibt auch diese Nachforschung erfolglos, greift die obligatorische Versicherung. Jedes Paket ist automatisch bis zu einem Wert von 500 Euro versichert, wenn der Paketabsender nicht ausdrücklich eine höhere Versicherungssumme wünscht.“ Da nach Aussage von Ernzer bis jetzt keine weiteren Nachforschungsanträge aus der Filiale in der Wurzerstraße vorlägen, müsse es sich um einen Einzelfall handeln. Das Verschwinden sämtlicher Pakete eines Tages aus einer Filiale könne er sich auch nicht vorstellen. „Aber es gibt nichts, was es nicht gibt.“ In der Regel sei es so, dass mehr als 80 Prozent aller Pakete am nächsten Tag ankämen, der Rest am darauffolgenden. Nur ein Bruchteil im Promillebereich bliebe verschollen.

Besonders in der Vorweihnachtszeit verschicken viele Menschen kleinere und größere Aufmerksamkeiten an ihre Liebsten, die in entfernten Städten leben. Normalerweise handelt es sich um 4,6 Millionen Päckchen, die täglich im Netz unterwegs sind – in diesen Tagen ist diese Zahl jedoch auf sechs Millionen gestiegen und soll sich zum Ende der Woche auf elf Millionen Stück erhöhen, schätzt Ernzer.