Silvester international

Wie Spanier, Inder und Chinesen in Bonn den Jahreswechsel feiern

BONN.  Ohne Hütchen geht nichts. Zumindest die Erwachsenen werden bei der spanischen Silvesterfeier von Maria Eugenia Bautista Ballesteros diese kecken Pappkäppis in Kegelform aufsetzen. Die Kinder des Clans werden nach den reichhaltigen Vorspeisen vom Nachmittag durch die Räume toben und schon die Konfettivorräte für Mitternacht prüfen.
Die Familie von Maria Eugenia Bautista Ballesteros feiert den Jahreswechsel in Bonn mit lustigen Maskeraden. Foto: privat

"Dann haben wir schon Tapas, Meeresfrüchte, iberischen Hinterschinken und belegte Schnitten gegessen. Und für den Hauptgang schmort das Lamm im Ofen", erzählt Bautista voll Vorfreude. Während die Männer sich dann über Fußball und die Wirtschaftskrise die Köpfe heiß reden, helfen die Frauen lieber in die Küche mit. Bautista Ballesteros ist Mutter dreier Kinder und legt Wert auf die Traditionen ihrer Heimat. In der Nochevieja, der letzten Nacht des alten Jahres, müssen in ihrem Haushalt also auch die Campandas, die zwölf Glockenschläge, eingehalten werden.

"Jeder erhält einen Becher mit zwölf Trauben", erzählt sie. In den spanischen Fernsehprogrammen begleiten kurz vor Mitternacht bekannte Persönlichkeiten diese Glockenschläge für jeden Monat des neuen Jahres. In den letzten zwölf Sekunden muss das Dutzend Trauben dann im Mund verschwinden. "Wenn man sie bis Mitternacht nicht geschafft hat, bringt das Unglück", so Bautista. Weshalb jede Familie kleine Tricks auf Lager hat: Sie ziehe vorher die Haut der Trauben für die Kinder ab und entferne die Kerne, lacht die Spanierin. "Wir wollen doch in dieser Nacht einen Schrecken weniger haben."

Anders als bei den Südeuropäern wird die Silvesternacht bei Pater Josey Thamarassery ruhiger verlaufen. Mit seinen Mitbrüdern der indischen Karmeliterkommunität am Ennert in Beuel wird der Pfarrvikar die Zeit vor Jahreswechsel nach einem Gottesdienst noch betend in der Holzlarer Christ-König-Kirche verbringen. "Wer dazukommen will, ist herzlich willkommen", sagt Pater Josey, der vielen Godesbergern noch aus seinen Jahren an St. Marien bekannt sein dürfte. Auch in seiner südindischen Heimat sei der Besuch einer christlichen Kirche oder eines Hindu-Tempels zum Jahreswechsel ein Muss, berichtet der Leiter der hiesigen Kommunität. "Wir danken Gott für das vergangene Jahr und bitten um seinen Segen für 2013." Danach werde in Indien in den Familien bei einem Festessen weitergefeiert, berichtet Pater Josey. Und durch die westliche Prägung gingen in Indien heute um Mitternacht dann auch Feuerwerke in die Luft.

"Das europäische Neujahr ist in China keine große Sache", berichtet dagegen Xiaojun Xu, deren Familie aus China stammt. Es werde sogar normal gearbeitet. Die jüngeren Generationen gingen abends auswärts essen und Karaoke singen. "Natürlich steigen auch in China inzwischen um Mitternacht Raketen, aber der Lärm zum chinesischen Neujahr wird bei weitem nicht überboten", erzählt die Studentin. Bei ihren Aufenthalten in China hat sie das dortige wichtigste Fest, das chinesische Neujahr, erlebt. "Der Termin richtet sich nach dem Mondkalender und ist somit jedes Jahr zwischen Ende Januar und Anfang Februar anders." Kein Wunder also, wenn gerade dann alle Flugzeuge Richtung Land der Mitte ausgebucht seien.

Warteten doch alle die Festtraditionen auf die Auslandschinesen: die leckeren Jiao Zi, also die kunstvoll gefalteten, gekochten Teigtaschen, die bunten Shows mit Tanz-, Akrobatik und Gesangsnummern und viel Werbung im Fernsehen. "Früher brachten die Kinder ihren Eltern die Ehrerbietung dar, indem sie niederknieten und sie dreimal anbeteten", erzählt Xiaojun Xu lächelnd.

Sie selbst wird diesen Jahreswechsel in Bonn mit Freunden feiern: durchaus "deutsch" mit schönem Essen und vielleicht Bleigießen.

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