Ursula Brohl-Sowa ist Polizeipräsidentin

Erstmals zieht eine Frau in das Chefzimmer des Bonner Polizeipräsidiums ein und wird dort Vorgesetzte von 1 200 Mitarbeitern.

Bonn. Erstmals zieht eine Frau in das Chefzimmer des Bonner Polizeipräsidiums ein und wird dort Vorgesetzte von 1 200 Mitarbeitern. Ursula Brohl-Sowa wurde am Dienstagnachmittag vom Landeskabinett in Düsseldorf erwartungsgemäß zur Nachfolgerin von Wolfgang Albers gewählt, der Anfang Oktober als oberster Polizeichef nach Köln gewechselt war.

Brohl-Sowa: Den Doppelnamen der 56-jährigen Juristin, die zuvor verschiedene Führungsaufgaben im Innenministerium inne hatte, zuletzt als Vize-Abteilungsleiterin im Referat für Landesorganisation und Verwaltungsmodernisierung, wird man sich in Bonn künftig merken müssen.

Sie werde aller Voraussicht nach ihren neuen Posten in der kommenden Woche antreten, sagte sie dem General-Anzeiger. Und muss Anfang Dezember gleich ihre erste Bewährungsprobe bestehen, wenn sie für die Sicherheit bei der Afghanistan-Konferenz der internationalen Staatengemeinschaft auf dem Petersberg verantwortlich ist.

Erfahrungen in der praktischen Polizeiarbeit hat sie nicht. Was qualifiziert also die Leitende Ministerialrätin für ihren neuen Job in Bonn? "Meine Aufgabe ist das Management. Und bei den operativen Aufgaben kann ich mich auf den Stab und die Organisationsleiter stützen."

In einer Pressemitteilung, die das Ministerium am Dienstagabend herausgab, wird Innenminister Ralf Jäger (SPD) zitiert: "Ursula Brohl-Sowa verfügt über große Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen des Innenministeriums und zeichnet sich durch soziale Kompetenz und Offenheit aus. Für die Aufgabe als Polizeipräsidentin in Bonn ist sie sehr gut geeignet."

Auch ihr Vorgänger Wolfgang Albers kannte die praktische Polizeiarbeit an der Basis nicht, als er Polizeipräsident in Bonn wurde. Anders als zum Beispiel der Mann, von dem Albers seinerzeit wiederum den Posten übernahm: Dierk-Henning Schnitzler war davor nämlich Chef der Duisburger Wasserschutzpolizei gewesen.

Brohl-Sowa galt von Anfang an als Wunschkandidatin von Innenminister Ralf Jäger (SPD), der bisher ihr Chef war und sie vorgeschlagen hatte. Die parteilose Juristin hat sich bereits in Bonn vorgestellt, und zwar Ende Oktober im Kreispolizeibeirat. Dort war der Eindruck offenbar so gut, berichteten zwei SPD-Politiker anschließend, dass das Gremium ein positives Votum in das Innenministerium NRW schickte.

"Als Rheinländerin freue mich auf die Arbeit in Bonn", sagte Ursula Brohl-Sowa, die in Köln lebt und dort auch geboren wurde. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder (25 und 26).

Was ihre neue Aufgabe angeht, machte sie klar: Sie setze auf einen offenen Dialog mit allen, die für die Sicherheit in Bonn Verantwortung tragen: "Sicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb sind Ordnungspartnerschaften und Netzwerke für mich von großer Bedeutung."

Bonns Polizeipräsidenten Karl Wahle (1953-1954)
Dr. Wilhelm Tegethoff (1954-1962)

Dr. Valentin Portz (1962-1971)

Helmut Botschen (1971-1975)

Dr. Hans-Wilh. Fritsch (1975-1988)

Michael Kniesel (1988-1993)

Dierk-H. Schnitzler (1993-2002)

Wolfgang Albers (2002-2011)

Ursula Brohl-Sowa (ab 2011)