Residenz der Saudis ist verkauft

Kölner Projektentwickler bekommt den Zuschlag

Bonn-Bad Godesberg-Mehlem. Fast neun Jahre hat es gedauert, geschlossene Rollläden und wachsende Feuchtigkeitsflecken an der Fassade waren während dieser Zeit Marken- und Warnzeichen zugleich. Jetzt ist die ehemalige Residenz Saudi-Arabiens verkauft.

Endlich, werden nicht nur die sagen, die sich um den Bestand dieser herrschaftlichen Villa sorgten, sondern ihren Anblick auch zunehmend als Störenfried der Rheinufer-Silhouette abqualifizierten. Die Projektentwicklungsgesellschaft Corpus Sireo mit Sitz in Köln hat in einem Bietverfahren das Rennen gegen ein rundes Dutzend Mitbewerber gemacht. Über den Kaufpreis wurde, wie üblich, Stillschweigen vereinbart.

Was genau auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Gelände am Mehlemer John-J.-McCloy-Ufer in den nächsten Monaten entstehen soll, ist zurzeit noch nicht klar. Fest steht, dass das Haupthaus stehen bleiben wird. Die Fassade steht unter Denkmalschutz. "Wir werden wohl auch im Innern nicht viel ändern", erklärte Projektmanager Oliver Banz dem GA auf Anfrage.

Soll heißen: Die 1897 erbaute Villa, vielen Einheimischen jahrzehntelang als Haus Steineck bekannt, wird nicht in mehrere Wohneinheiten aufgeteilt. Das benachbarte, nach Plänen des Bonner Architekten Dirk Denninger sen. erbaute Schwimmbad soll jedoch ebenso wie ein kleineres Residenzgebäude (Baujahr 1939) abgerissen werden. "Beide sind in desolatem Zustand", sagt Banz.

"Die Liegenschaft wird einer gehobenen Wohnnutzung zugeführt", ließ das Bonner Maklerbüro, das das Kaufgeschäft betreute, im Branchenjargon mitteilen. Dahinter verbirgt sich nach Angaben von Banz eine lockere Wohnbebauung, die sich nicht nur dem Park-Charakter des Areals anpassen, sondern sich auch am bestehenden Baurecht orientieren soll.

"Wir werden nicht bis an die Grenzen der im Bebauungsplan festgelegten Ausnutzung gehen", kündigt er an und spricht von einer "lockeren Bebauung". Die Detailpläne werden zurzeit entworfen.

Das Haus liegt direkt nördlich des Mehlemer Weinhäuschens und hat eine wechselvolle Geschichte. 1880 wurde es von Baron von Stein erbaut. Nach dem ersten Weltkrieg wurde es vorübergehend Kuranstalt. Im "Dritten Reich" diente es als Erholungsheim für Parteizwecke.

Während dieser Zeit wurde es von der Organisation "Arbeitsdank" belegt. Bei Kriegsende zogen vorübergehend belgische Besatzungstruppen ein, später ging es in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen über. 1980 folgte der Verkauf an das Königreich von Saudi-Arabien über. Erste Renovierungsarbeiten liefen auch 1983 an.

Dann tat sich plötzlich nichts mehr. Nicht abgerechnete Kosten in Millionenhöhe und Unklarheiten über Art und Ausmaß der Renovierungs- und Umbauarbeiten blockierten den Fortgang. 1987, nach vierjährigem Umbau, zog Botschafter Abbas Ghazzawi samt Familie und Gefolge ein.

Die Renovierung kostete umgerechnet fünf Millionen Euro. Genau jene Summe, die die Saudis nach ihrem Wegzug nach Berlin 1999 auch wieder haben wollten. Bekommen haben sie sie nicht. Mit jedem Tag des Leerstands verschlechterte sich die Bausubstanz. Zunehmend drang Wasser durch undichte Stellen ein, weitere Schäden waren die Folge.