Serie "100 Köpfe: Wir sind Bonn"

Manni Stenner: Friedensaktivist mit Bodenhaftung

Mani Stenner in seinem Büro an der Römerstraße. Der gebürtige Sauerländer fühlt sich längst als Bonner. Umzug nach Berlin? "Bonn ist viel zu schön, um weg zu gehen."

Bonn. Mani Stenner ist nicht nur Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, sein Engagement ist auch eine Lebenseinstellung. Mani Stenner spricht mit leiser Stimme, und sie liegt eine Nuance höher, als man vermuten würde bei diesem engagierten Friedensaktivisten.

Er sitzt in seinem voll gestopften kleinen Büro an der Römerstraße, schreibt an einer Erklärung zur Vergabe des Friedensnobelpreises an die Chemiewaffenkontrolleure und bereitet die nächste Kundgebung zur Eröffnung des Prozesses zum Kundus-Massaker vor. Die selbst gedrehte Zigarette (schwarzer Javaanse Jongens) qualmt zwischen den Fingern, der Milchkaffee neben dem Laptop.

Mani Stenner ist Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, dem informellen Dachverband von vielen Dutzend Friedens- und Menschenrechtsgruppen. Wer in Deutschland eine Friedensdemonstration oder sonstige Aktion gegen Krieg und für Menschenrechte auf die Beine stellen will, kommt an Mani und seinem Kollegen Kristian Goller nicht vorbei. Denn in dem kleinen Hinterhaus laufen alle Fäden zusammen, das Netzwerk kennt alle Initiativen, Untergruppen und Aktionsbündnisse - und die kennen Mani, ob als Sprecher des Anti-Nazi-Bündnisses "Bonn stellt sich quer" oder als Autor und Herausgeber des Friedenskalenders. Den Pflichtkalender der 70er, 80er Jahre gibt es immer noch.

Mani Stenner ist aber fern davon, ein Nostalgiker zu sein. dafür ist ihm das Thema zu wichtig. Wenn sich ehemalige Aktivisten wie heute (um 17 Uhr) auf dem Hofgarten treffen und der größten Friedensdemo vor 30 Jahren in Bonn gedenken, "dann hab' ich gemischte Gefühle", gibt er zu. Denn nachweinen will er den Zeiten nicht, in denen seine Mitstreiter und er die Menschen noch zu Hunderttausenden mobilisieren konnten.

"Das waren eben andere Zeiten", sagt er. Immerhin: Für die "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel", die unter der Schirmherrschaft der früheren Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Margot Käßmann steht, wurden 80 000 Unterschriften gesammelt, die in diesen Tagen beim Reichstag abgegeben werden. Denn die Initiatoren wollen ein grundsätzliches Verbot von Rüstungsexporten im Grundgesetz verankert wissen. Natürlich war er bei den G 8-Protesten in Heiligendamm dabei oder der Occupybewegung. Stenner beteiligt sich bis heute an Aktionen wie etwa der Blockade der Zufahrten zum Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall oder den Demos gegen Rechts.

Nein, für Stenner gibt es überhaupt keinen Grund, sein Engagement für den Frieden einzustellen. Der 59-Jährige ist "Überzeugungstäter", wobei ihm diese Bezeichnung als Pazifist natürlich überhaupt nicht gefällt. Reich wird er damit jedenfalls nicht: 8000 bis 16 000 Euro im Jahr verdient er; seine Lebensgefährtin ist selbstständig, fügt er erklärend hinzu.

Für den gebürtigen Sauerländer ist sein Werdegang eine Konsequenz seines Denkens und Handelns. Der Vater war Kriegsteilnehmer, was, wie bei vielen seiner Generation, zu Diskussionen führte - und schließlich zur "Anti-Kriegsarbeit". Als 19-jähriger kam er zum Zivildienst nach Bonn. Im Haus Venusberg, einer katholischen Jugendbildungsstätte, absolvierte er den Dienst und begann dann an der Uni zu studieren: Germanistik, Soziologie, Philosophie und Pädagogik. Ende der 70er Jahre nahm er an der Bonner Friedenswoche teil, engagierte sich zunächst an einem Info-Tisch.

Doch das Leben besteht aus mehr. Der Irlandfreund kocht gerne - auch mal Paella für 120 Männer, die vorher im Wettstreit um die beste Thekenmannschaft geschwitzt haben. Seine Lammkeule und seine Ente sind legendär, sagen die, die sie gekostet haben.

Typisch bönnsch

Das sagt Mani Stenner über Bonn.

An Bonn gefällt mir die Größe. Die ist genau richtig, um alles fußläufig erledigen zu können.

Ich vermisse Menschen, die die Kompetenz haben, ein Kongresszentrum zu planen und zu bauen. Und ich vermisse die Bundespolitiker, die man früher überall antraf und mit ihnen ruhig und vernünftig reden konnte.

Mein Lieblingsplatz ist auf der Fähre "Rheinnixe" mit Blick aufs wunderschöne Bonn - und meine Stammkneipe der "Südbahnhof".

Typisch bönnsch ist eigentlich der Markt - aber nur, wenn die Händler auch ihre Waren laut anpreisen.