Leeres Siemenshaus steht vor dem Abriss

Schwarz-Grüne Ratsmehrheit pocht auf das Haus der Bildung, doch der Bau wird wohl teurer als geplant

Bonn. Der Kindertreff "Kopfstand" und die städtischen Personalvertreter sind raus, jetzt sollen die Handwerker ran: Das seit langem geplante Haus der Bildung am Bottlerplatz nimmt erste Formen an. Sichtbar wird das am sogenannten Siemenshaus, dem lang gezogenen Anbau gleich neben dem denkmalgeschützten, ehemaligen Stadthaus.

Das Bürogebäude, in dem im Erdgeschoss einst die Theaterkasse und später der Kindertreff untergebracht waren, steht jetzt leer und soll demnächst abgerissen werden. Die Genehmigung dafür liegt Kulturdezernent Ludwig Krapf zufolge inzwischen auf dem Tisch. Wann die Abrissbirne allerdings zum Einsatz kommt, das konnte er am Donnerstag auf GA-Nachfrage nicht sagen.

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Hinter vorgehaltener Hand heißt es indes im Stadthaus, dass man so schnell wie möglich handeln wolle, da bereits erste Überlegungen liefen, ob der Siemensbau nicht auch unter Denkmalschutz gestellt werden müsse. Das würde die Pläne für das Haus der Bildung am Bottlerplatz, auf deren schnelle Umsetzung die angehende schwarz-grüne Mehrheit im Alten Rathaus auch in ihrer Koalitionsvereinbarung pocht, empfindlich stören.

Denn nach dem Siegerentwurf des Berliner Architektenbüros Koblitz muss das Siemensgebäude durch einen Neubau ersetzt werden, um dort und im Alten Stadthaus genügend Platz für das neue Haus der Bildung zu schaffen. Wie berichtet, sollen dort Zentralbibliothek und Volkshochschule unter einem Dach vereint werden.

Eine ursprünglich angedachte große Lösung mit der zusätzlichen Unterbringung des Stadtmuseums und der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus im Haus der Bildung scheiterte an den Kosten. Mit Blick auf die städtische Finanzlage hat der Rat entschieden, nicht mehr als elf Millionen Euro in das Projekt zu stecken. Eine Summe, die nach Ansicht von Experten "schön gerechnet" ist.

Krapf formuliert das anders: "Der Umbau wird teurer, weil vor allem technische Einrichtungen für die Bibliothek bisher nicht berücksichtigt sind", sagte er. Wie teuer, wollte er konkret nicht sagen. Nur soviel: "Es bleibt deutlich unter 20 Millionen". Im Haushaltsentwurf für das nächste Jahr sei dieses Geld allerdings noch nicht vorgesehen, da sei lediglich eine Summe von "weniger als eine Million Euro" für Vorarbeiten eingestellt, so Krapf weiter.

"Das beeindruckt mich gar nicht", sagte dazu CDU-Fraktionschef Benedikt Hauser. Die CDU werde sich das bei den Haushaltsberatungen genau ansehen und gegebenenfalls die notwendigen Summen einsetzen.

"Der Rat hat sogar zwei Mal den Beschluss für das Haus der Bildung gefasst", sagte Hauser und erinnerte an das Hickhack vor der Sommerpause, als durchsickerte, die Planung werde womöglich wegen der Kosten auf Eis gelegt werden. Hauser: "An dem Beschluss wird nicht mehr gerüttelt."