Gedenken an Bücherverbrennung

Bronzene Lesezeichen im Pflaster

Siegerentwurf des Künstlerduos Andreas Knitz und Horst Hoheisel: So könnte das Mahnmal an die Bücherverbrennung mit den bronzenen Lesezeichen im Pflaster des Bonner Marktes einmal aussehen.

BONN. Wenn Wolfgang Deuling über den Marktplatz geht, ärgert er sich jedes Mal aufs Neue. "Bis heute erinnert nichts an eine der dunkelsten Seiten Bonns: An die Bücherverbrennung am 13. Mai 1933", sagt der 70-Jährige.

Schon vor zwei Jahren hat der ehemalige Büroleiter des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Wischnewski mit Blick auf den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung 2013 die Initiative für die Errichtung eines Mahnmals auf dem Markt ergriffen. Jetzt stimmte der Bonner Stadtrat der Umsetzung von Wolfgang Deulings Plänen zu, dort ein würdiges Mahnmal zu errichten.

Allerdings darf das Projekt, das auf rund 50.000 Euro geschätzt wird, die Stadt angesichts ihre klammen Kassenlage nichts kosten, beschloss der Rat. Vielmehr soll die Verwaltung die Summe über Spenden und Sponsoren einwerben.

Ein Antrag der Linksfraktion zuvor im Kulturausschuss, die Stadt solle bis zu einem noch festzulegenden Stichtag die Differenz zahlen, falls nicht genügend Spenden zusammenkommen, fand nach aufgeregter Debatte keine Zustimmung. Ebenso wenig der Antrag der SPD, die Stadt solle sich mit einem festen Kostenanteil von 15.000 Euro beteiligen.

Ob die Verwirklichung der Pläne unter diesen Voraussetzungen rechtzeitig zum Jahrestag gelingt? Deuling ist skeptisch. "Bisher sind leider erst 1300 Euro zusammengekommen", sagt er und klingt dabei schon ein wenig enttäuscht.

Wenigstens liegt der schon im vergangenen Jahr von einer Fachjury auserkorene Siegerentwurf für das Mahnmal auf dem Tisch. Er stammt vom Künstlerduo Andreas Knitz aus Ravensburg und Horst Hoheisel aus Kassel. Deren Idee findet Deuling genial: Über den Marktplatz sollen bronzene Lesezeichen mit Titel und Name des Autoren der von den Nazi verbrannten Büchern in das Pflaster verlegt werden.

Die zunächst wie zufällig auftauchenden Lesezeichen verdichten sich, je näher sie dem Rathaus kommen. Vor der Rathaustreppe hatte im Mai 1933 die Bonner Studentenschaft zu einer Aktion mit der Bezeichnung "Kundgebung wider den undeutschen Geist" aufgerufen, um mit Professoren der Bonner Uni in Anwesenheit der Führer der Nationalsozialisten, der Dozenten der Hochschule und des städtischen Beigeordneten Felix Hausmann Bücher namhafter Dichter und Denker zu verbrennen.

Zehntausende Bücher von jüdischen, sozialdemokratischen, kommunistischen und pazifistischen Schriftstellern verbrannten die Nazis damals und ließen damit mehr als 100 Jahre später die bittere Erkenntnis des deutschen Dichters Heinrich Heine Wahrheit werden, dass man dort, wo man Bücher verbrennt, am Ende auch Menschen verbrennt. Die Namensliste der verfolgten Autoren reicht von Heine über Feuchtwanger, Kafka, Zweig bis hin zu Mann und Kästner.

Vor der Rathaustreppe, so schlagen Knitz und Hoheisel außerdem vor, soll eine Büchertruhe mit wetterfesten Behältern als Archiv eingelassen werden, in der reale Bücher aus der Bibliothek der verbrannten Werke aufbewahrt werden. An jedem 10. Mai eines Jahres soll die Truhe künftig geöffnet und Bücher verfolgter Autoren herausgenommen, verlesen und anschließend verschenkt werden. Sie sollen durch neue Bücher anderer Autoren ersetzt werden. Auf diese Weise, so erklären die Künstler Knitz und Hoheisel, wirke das Denkmal in die ganze Stadt hinein.