Jochen Stein

Bonner Feuerwehrchef erhält Bewährungsfrist

Jochen Stein spricht bei einem Festakt im Haus der Geschichte.

BONN. Nach jahrelanger Kritik am Führungsstil von Jochen Stein verlangt die Stadtverwaltungsspitze einen Wandel. Dass er fachlich versiert ist, bestreiten selbst seine Kritiker nicht.

Ob es um den Versuch ging, den 24-Stunden-Dienst zu ändern, um die Anschaffung eines 800 000 Euro teuren Krans oder die neue "Integrierte Rettungsleitstelle" - bei fast allem, was der Bonner Feuerwehrchef Jochen Stein (45) anpackte, regte sich Widerstand in den eigenen Reihen. Und zwar bis hinauf zur zweiten Führungsebene. Die Feuerwehrbeamten und ihr Chef: Immer wieder gibt es Querelen und öffentliche Kritik in Form anonymer Mails.

So wie bei der Inbetriebnahme der Leitstelle am Lievelingsweg, als eklatante IT- und Software-Probleme bekannt wurden. Dass eine Kluft zwischen dem Leiter der Feuerwehr und einem Großteil der Führungskräfte und Mannschaften verlaufe, habe mit Steins "selbstherrlichem Führungsstil" zu tun, kritisieren Insider. Ist ein solcher Zustand nach achtjähriger Amtszeit tragbar? Wie der GA aus zuverlässiger Quelle erfuhr, sieht die Spitze der Stadtverwaltung als Dienstherr "eine rote Linie bald erreicht". Der Feuerwehr-Chef selbst stand für ein Gespräch trotz Anfrage nicht zur Verfügung.

Dass er fachlich versiert ist, bestreiten selbst Kritiker nicht. Nicht von ungefähr wurde Stein zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren gewählt. Doch was dem Maschinenbauer aus Köln, der Ende 2005 die Bonner Wehr mit mehr als 800 hauptamtlichen und freiwilligen Kräften übernommen hatte, zu fehlen scheint: soziale Kompetenz.

"Führungskräfte bei Entscheidungen mitzunehmen", ist nach Darstellung von Kennern der Verhältnisse, die ungenannt bleiben wollen, nicht die Sache des Feuerwehrleiters. Doch genau das fordert Steins Vorgesetzter: "Soziale Kompetenz und Empathie spielen im Management eine viel größere Rolle als früher", betont Feuerwehr- und Personaldezernent Wolfgang Fuchs.

"Es ist mir weniger wichtig, dass Ziele erreicht werden, sondern wie sie erreicht wurden und ob die Mannschaft mitgenommen wurde." Dass es daran bei Stein zuletzt oft gefehlt hat, will Fuchs nicht bestreiten. Deswegen habe man ein Mediationsverfahren durchgeführt, mit einer Bewertung der Führungskräfte durch die Mannschaft. Zu den nur intern bekannten Ergebnissen, sagt Fuchs: "Es gibt Defizite, bei jedem."

Bei Jochen Stein scheinen diese unverändert zu bestehen. Auffällig wurde das bei der von ihm forcierten Inbetriebnahme der neuen Leitstelle. Obwohl Insider in einer anonymen Mail an die Medien vor gravierenden Problemen warnten, ließ Stein die Leitstelle ans Netz gehen.

Als Fuchs von der anonymen Mail hörte, kam bei ihm zunächst Wut hoch: "Nachdem wir uns in der Stadtverwaltung entschieden hatten, im Sinn der Feuerwehrleute das alte 24-Stunden-Schicht-Modell beizubehalten und auch alle Überstunden wie gefordert auszubezahlen, was einmalig in Deutschland ist, bin ich von einer gewissen Befriedung in der Feuerwehr ausgegangen."

Doch dem war nicht so. Nachdem es in der Leitstelle zu kompletten Systemabstürzen kam, wandten sich Feuerleute erneut an die Presse. Selbst Fuchs gegenüber hatte Stein die Missstände nicht kommuniziert. Sonst hätte sich der Dezernent im Frühjahr wohl einen peinlichen Auftritt auf einer Personalversammlung erspart: Nachdem Fuchs die aus seiner Sicht tolle neue Leitstelle lobte, ging Gelächter durch die Reihen; ein Wehrmann widersprach nach GA-Informationen dem verdutzten Beigeordneten vor allen Kameraden.

Dazu wollte sich Fuchs nicht äußern. Wohl aber war der Dezernent dem Vernehmen nach "stocksauer" über das Verhalten Steins. Jetzt sagt Fuchs: "Es treten noch Fehler in der Leitstelle auf, etwa bei den Alarmierungen." Daran werde gearbeitet.

Auch wenn sich der Dezernent im jüngsten Streitpunkt (siehe Kasten) vor Stein stellt, scheint die Geduld der Verwaltungsspitze am Ende zu sein. Wie zu hören ist, hat man ihm eine Bewährungsfrist eingeräumt: Bis Jahresende soll er sein Verhalten geändert haben, sonst drohen Konsequenzen.

Dezernent Fuchs wollte das weder bestätigen noch dementieren. Dass Stein auch anders kann, wurde bei der Party deutlich, welche die Feuerwehr für Beteiligte an der Hilfsaktion in den ostdeutschen Hochwassergebieten organisiert hatte: Da bekam Jochen Stein Applaus für seinen "motivierenden Führungsstil". Den würden sich viele auch in Bonn wünschen.

Ärger um Zufahrt

Unmut gab es auch, als Jochen Stein die Verkehrswege auf dem Gelände der Wache I neu regelte. Durch den Einbau einer weiteren Zufahrt ins Haupttor können nun fast alle Fahrzeuge direkt in die Wache einfahren. Vorher ging das über einen Umweg und eine Einbahnstraßenregelung über das Gelände von "bonnorange" sowie durch die Fahrzeughallen der Feuerwehr.

Kritiker sagen, die Regelung führe zu erhöhtem Verkehrsaufkommen auf der Zufahrt. Auch ärgerte sie, dass die Breite der Zufahrt nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprach, und der Bau überarbeitet werden musste. "Stimmt", sagt Dezernent Wolfgang Fuchs, der aber die 50.000 Euro teure Neuregelung der Verkehrsführung für "vertretbar" hält: "So fallen weniger Immissionen in den Hallen an."