Paul von Hindenburg

Bonner Bürger und OB Nimptsch sprechen sich für Aberkennung der Ehrenbürgerschaft aus

Der Hindenburgplatz in Dottendorf. Bereits 1992 hat die Verwaltung einen Antrag, den Platz umzubenennen, abgelehnt.

BONN. Alfred Kerger ist ein Bonner Aktionskünstler, der gern einmal übers Ziel hinausschießt. "Kerger immer Ärger" steht auf der Homepage des Mannes, dem die Provokation gefällt und der sich als Provokateur gefällt. Doch mit seiner jüngsten Initiative könnte Kerger breite gesellschaftliche Zustimmung ernten.

Auf der Internetseite Abgeordnetenwatch.de regt er an, Straßen und Plätze in Bonn, die nach dem letzten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg, benannt sind, umzubenennen. "Man weiß schon lange, dass Hindenburg Hitler ohne Not zum Reichskanzler gemacht hat", sagt Kerger. In Bonn gibt es die Hindenburgallee in Plittersdorf sowie den Hindenburgplatz in Dottendorf. Kerger regt zudem an, Hindenburg die Ehrenbürgerschaft zu entziehen. Wie die Stadt bestätigt, ist Hindenburg Ehrenbürger von Bonn. Kerger verweist auf die Stadt Münster, deren Stadtrat jüngst den Hindenburgplatz in Schlossplatz umbenannt hat. Zuvor haben dies schon andere Städte getan, unter anderem Köln.

In Münster folgten die Politiker dem Urteil einer Expertenkommission, der unter anderem der Münsteraner Professor und Historiker Hans-Ulrich Thamer angehörte. "Hindenburg ist mit seiner Politik ein wichtiger und verhängnisvoller Teil der deutschen Geschichte. Die Erinnerung daran ist jedoch nicht geeignet, um mit seiner Ehrung durch einen Straßennamen eine demokratische Identität zu begründen", sagt Thamer.

Laut Thamer ist es mittlerweile erwiesen, insbesondere nach der Hindenburg-Biografie des Stuttgarter Historikers Wolfram Pyta, dass Hindenburg aktiv auf die Auflösung der Weimarer Republik hingearbeitet hat. Dass Hindenburg Hitler zur Macht verholfen hat, sei nach dem neuesten Stand der Forschung kein Ausdruck von Alterssenilität und Fremdbestimmung gewesen, sondern eine bewusste Entscheidung. "Die Historiker sind sich darin einig", sagt Thamer. Die Frage, wie man damit umgehe, sei eine politische. "Repräsentiert eine solche Figur ein politisch-kulturelles Wertesystem, das in der Gegenwart als akzeptabel gilt? Das ist eine bewusste politische Entscheidung einer Stadt."

Der sich die Stadt Bonn vielleicht demnächst stellen muss. Kerger hat seine Anfrage unter anderem an Jürgen Repschläger gerichtet. Der kulturpolitische Sprecher der Linken-Ratsfraktion befürwortet sowohl die Umbenennung als auch den Entzug der Ehrenbürgerschaft. "Nicht zuletzt Münster und der bevorstehende 80. Jahrestag der Bücherverbrennung waren für die Linksfraktion Anlass, sich mit der Erinnerungskultur in Bonn zu beschäftigen. Darunter fallen natürlich auch Straßennamen und Ehrenbürgerschaften. Hier wäre Paul von Hindenburg, der Hitler zum Reichskanzler machte, ein erster Streichkandidat", sagt Repschläger.

Kerger ist mit seiner Initiative nicht alleine. Michael Paetau, Vorsitzender des Vereins Wissenskulturen, bestätigt, dass die Mitglieder aktuell das Thema diskutieren. Derzeit recherchiere ein Mitglied die Rolle Hindenburgs. "Denn dass der keine vorbildliche demokratische Rolle gespielt hat, ist ja soweit bekannt", sagt Paetau. Am Ende der Recherche könne eben auch ein entsprechender Antrag auf Straßenumbenennung und Aberkennung der Ehrenbürgerschaft im Rat stehen. "Aber so weit ist es noch lange nicht, wie gesagt, wir recherchieren und haben noch keine Position", sagte Paetau, der für die Piraten als Landtagskandidat antritt.

Auch in der Ratsfraktion der Linken überlegt man zur Zeit ob die Fraktion einen entsprechenden Antrag im Rat stellen soll. "Man sollte prüfen, ob die Ehrenbürgerwürde wirklich sinnvoll ist", sagte Fraktionsgeschäftsführer Anatol Koch. Die Fraktion sei noch in der "Prüfungsphase", man wolle nichts "übers Knie brechen".

Einen ersten Vorstoß hat Repschläger im neugegründeten "Arbeitskreis Straßenbenennung" gemacht. Dort sei zunächst wenig Bereitschaft signalisiert worden, die Idee umzusetzen, sagte Koch. Auch Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) ist der Meinung, dass über Hindenburgs Ehrenbürgerschaft neu nachgedacht werden muss.

"Allein die antidemokratische Haltung Hindenburgs und die Ausnutzung seiner Befugnisse als Reichspräsident, die Formung eines autoritären Staates zu befördern, machen ihn als Ehrenbürger fragwürdig", sagte Nimptsch auf Anfrage des GA. Hindenburg ist nach Einschätzung des Oberbürgermeisters beim Ratsbeschluss von 1983, als die Streichung des Namens Hitler aus der Liste der Ehrenbürger bekräftig wurde, offenbar vergessen worden. "Ich werde den Rat auf dieses Thema aufmerksam machen", sagte Nimptsch.

Sollen der Hindenburgplatz und die Hindenburgallee in Bonn umbenannt werden? Diskutieren Sie mit!