Diskussion über Altenpflege

Barbara Steffens stellte sich den Fragen

Übt Druck auf den Bund aus: NRW-Ministerin Barbara Steffens.

BONN. Im Haus Migrapolis standen die Menschen am Dienstagabend bis vor die Tür. Katja Dörner, Bundestagsabgeordnete der Grünen, und Karin Robinet, Vorsitzende der Stiftung Bonner Altenhilfe, hatten in der aktuellen Diskussion über die Pflegegesetzgebung Gesundheitsministerin Barbara Steffens geladen.

Und die appellierte vor zahlreichen Vertretern der Stadt, der Politik, der Bonner Pflegeeinrichtungen und Seniorenbegegnungsstätten an den Bund, mit den Ländern und Kommunen an einem Strang zu ziehen. "Wir stellen heute in der Pflege die Weichen, die morgen für uns selbst, die geburtenstarken Jahrgänge, gelten", sagte Steffens. Damit die Menschen in Würde alt werden könnten, müsse man dem Bund Druck machen. "Es wird nicht ohne eine andere Finanzierung an dieser Stelle gehen."

Heute müssten in NRW schon 550.000 Senioren und 300.000 Demenzkranke gepflegt werden. "Und wir wollen für sie alle mehr als nur das Prinzip 'satt und sauber'". Bis 2050 würden sich diese Zahlen verdoppelt haben, rechnete die Ministerin vor. Geschätzte 6,6 Millionen Erwerbstätige müssten dann für 1,6 Millionen zu Pflegende aufkommen. "Da wird sogar das Prinzip 'satt und sauber' nicht mehr möglich sein, wenn wir jetzt nicht die Strukturen ändern." Der Pflegebedarf müsse also vor Ort minimiert werden.

"Wir müssen viel mehr Energie in die Quartiersentwicklung, in die Möglichkeit sozialräumlichen Wohnens auch im Alter stecken", forderte Steffens. Dabei dürfe man dem Quartier die Struktur nicht von oben aufstülpen, sondern müsse es nach den bisherigen Gegebenheiten individuell entwickeln.

Im Ehrenamt seien alternde Bewohner im eigenen Umfeld bereit, ihre oft reichen Ressourcen noch einzubringen, bevor sie selbst vom Engagement der anderen profitieren müssten. "Um Missverständnissen vorzubeugen: Professionelle Pflege gehört natürlich weiterhin in professionelle Hände", erläuterte die Ministerin. Hier müsse man in NRW auch dem aktuellen Fachkräftemangel begegnen. Man werde die Auszubildendenzahlen von 10.000 im Jahr 2010 nur auf 15.000 im Jahr 2015 steigern können. "Ich weiß, das reicht bei Weitem nicht aus", so Steffens.

Die Ministerin musste sich im Anschluss vielen Fragen stellen. Ja, der steigenden Altersarmut sei sie sich bewusst. Konzepte einer sozialen Stadt müssten weiterentwickelt werden. Und ja, die Begehbarkeit des öffentlichen Raums müsse verbessert werden, damit sich Alte und Demente noch bewegen könnten. "Unsere Sozialräume dürfen sich nicht nur an dem Individualverkehr orientieren."

Neues Pflegegesetz für NRW

Das Land NRW bereitet eine neue Gesetzgebung vor, die alle bisherigen Pflegegesetze zusammenfasst. Unter der Abkürzung "Gepa" ist es das Gesetz zur Entwicklung und Stärkung einer demografiefesten, teilhabeorientierten Infrastruktur und zur Weiterentwicklung und Sicherung der Qualität von Wohn- und Betreuungsangeboten für ältere Menschen, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen (Gepa NRW).