Vom Glücksfall zur finanziellen Misere für Bonn

Vom Glücksfall zur finanziellen Misere für Bonn

Zum Artikel "WCCB wird um Millionen teurer" vom 8. Januar und zu den Folgen für die Kultur in Bonn

Es ist begrüßenswert, dass der General-Anzeiger Bonn von Beginn an die WCCB-Katastrophe sachlich, kritisch-neutral und nachvollziehbar aufarbeitet. Ihre Redakteurin Lisa Inhoffen zeichnet sich dabei durch ihre journalistische Kompetenz aus, was heute wieder in ihrem WCCB-Kommentar nachzulesen ist.

Was (auch heute) nicht nachzulesen ist, ist die Erwähnung der ehemaligen Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann. Natürlich hat der geneigte Leser nicht übersehen, dass die Staatsanwaltschaft und wohl auch andere einflussreiche Stellen rechtsverbindlich entschieden haben, dass Frau Dieckmann kein Fehlverhalten zum Entstehen dieser Misere vorzuwerfen und sie somit schuldlos ist.

Der geneigte Leser sieht auch ein, dass das Thema "Verschulden Bärbel Dieckmann" nicht unmittelbar zum Thema "WCCB-Kostensteigerung" gehören mag. Dennoch sehe ich hier nach wie vor einen nicht zu ignorierenden kausalen Zusammenhang.

Wie kann es sein, dass eine politisch und sachlich zuständige Oberbürgermeisterin, die von 1994 bis 2009 im Amt war, vergleichsweise so behandelt wird wie jemand wie ich, der nun rein gar nichts mit dem WCCB zu tun hat?

Beim WCCB-Spatenstich 2006 bescheinigte sie dem damaligen "Investor" Man Ki Kim und seiner Firma SMI-Hyundai, dass er ein Glücksfall für Bonn sei. Rückwirkend betrachtet könnte dieser Spruch ihre Ahnungslosigkeit dokumentieren, andererseits war sie clever genug, die städtischen Beamten Zwiebler und Hübner eigenverantwortlich ins WCCB-Feuer zu schicken. Das Landgericht Bonn wird dazu noch sein Urteil sprechen. Es ist zu hoffen, dass dabei das Tun oder Unterlassen von Frau Dieckmann strafrechtlich überprüft wird.

Als "Präsidentin der Welthungerhilfe" genießt Frau Dieckmann sicherlich keine Immunität. Seit 1992 wohne ich in Bonn. Allein durch die materielle WCCB-Katastrophe ist Bonn mit seinen Kindern eine Stadt ohne Zukunft. Mir tut das sehr leid.

Horst-Günter Haxel, Bonn

Dank der ausgezeichneten Serie "Die Millionenfalle" (fast hundert Berichte) weiß der interessierte GA-Leser um die Finanzsituation der Bonner Stadtverwaltung. Diese ist wesentlich bedingt durch das jahrelange Missmanagement bezüglich des World Conference Centers Bonn (WCCB).

Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt, dafür liegen die Auswirkungen klar vor Augen: Der ohnehin bescheidene Kulturbetrieb muss durch Streichung von Zuschüssen weiter abgebaut werden. Wenn der (neue) Generalintendant dieses bis zum Gehtnichtmehr mitmacht, erhält er Lob von der CDU-Fraktion des Stadtrates, derselben Institution, die entscheidend mitgewirkt hat, dass der kulturelle Offenbarungseid nahe ist.

Als Abonnent des Theaters sehe ich regelmäßig die kargen bis gar nicht vorhandenen Bühnenbilder oder Kostüme. Das in einem Artikel abgebildete Foto zeigt es exemplarisch: einzige wirkliche Requisite dieser Szene von Fidelio ist eine Eisenkette, dazu Straßenkleidung für die Akteure. Da bleibt Raum für Fantasie.

Die Opernfusion mit Köln weist man weit von sich. An einen echten Konzertsaal kann die Stadt 250 Jahre nach Beethovens Geburt nicht einmal mehr denken. Die (wieder anvisierte) Schließung der Kammerspiele würde bei ihrer Realisierung die Theaterlandschaft Bonns auf den Stand der 1950er Jahre zurückwerfen, als dort erfolgreich der "Bonner Bürgerverein" betrieben wurde, ein Einraumtheater für alles.

Uwe-Eitel Friese, Sankt Augustin