Wirtschaftliche Entwicklung in Bad Neuenahr: Zur Landesgartenschau soll der Handel blühen

Wirtschaftliche Entwicklung in Bad Neuenahr : Zur Landesgartenschau soll der Handel blühen

Einzelhändler, Immobilienbesitzer und Verwaltung diskutieren in Bad Neuenahr-Ahrweiler über die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt im Vorfeld der Landesgartenschau.

Der Einzelhandel ist unter Handlungsdruck. Der Online-Handel boomt – und wird für die klassischen Einzelhändler zum echten Problem. Das Internet droht längst zum Laden-Killer zu werden. „Sie als Unternehmer werden am besten einschätzen können, mit welchen Mitteln Sie reagieren müssen“, rief der Bürgermeister der Kreisstadt, Guido Orthen, den im Ratssaal versammelten Kaufleuten und Immobilienbesitzern zu.

Schließlich wissen Kommunalpolitik und Verwaltung um die Bedeutung einer lebendigen Innen- und Einkaufsstadt. Orthen hatte eingeladen, um etwaigen Verödungserscheinungen in der Innenstadt zu begegnen. Aber auch, um Immobilienbesitzer zu ermuntern, ihre Fassaden freundlich zu gestalten, um so – nicht nur wegen der Landesgartenschau 2022 – zu einem einladenden Erscheinungsbild in den Einkaufsstraßen beizutragen.

„Die Online-Händler werden dem klassischen Einzelhandel in den nächsten Jahren immer mehr und immer schneller Umsätze wegnehmen“, ist sich das eWeb-Research-Center an der Hochschule Niederrhein sicher.

Der Online-Handel wächst zehn Mal schneller als der Einzelhandel insgesamt, rechnet der Einzelhandelsverband vor. Viele schwache Händler würden gerade in kleineren Städten wohl ihre Läden schließen müssen. In Bad Neuenahr-Ahrweiler, einer Stadt mit 15 Kliniken und dank beliebter Tourismusdestination mit jährlich 800 000 Übernachtungsgästen, will man solche Entwicklungen stoppen.

Nach einer Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) hat jeder dritte Verbraucher die Anzahl der Fahrten ins Stadtzentrum verringert und kauft öfter im Internet ein. Über 60 Prozent der Ladenbesitzer klagen nach Angaben des Einzelhandelsverbandes über sinkende Besucherzahlen in ihren Geschäften. Und was das bevorstehende Weihnachtsgeschäft anbetrifft, so kommen Experten zu dem Schluss: „Weihnachtseinkäufe sind Stress, das hat nichts mit Faszination oder Einkaufserlebnis zu tun. Das wollen sich die Leute nicht mehr antun. Also kaufen sie online.“

Keine guten Aussichten also auch für die hiesigen Ladenbetreiber. „Wie wichtig der Einzelhandel für die Städte ist, merken viele erst, wenn er nicht mehr da ist“, meinte Bürgermeister Guido Orthen. So weit soll es nicht kommen. Die Kommunalpolitik werde gute Rahmenbedingungen schaffen, so das Stadtoberhaupt.

Für attraktive Geschäfte müssten indes die Geschäftsinhaber schon selber sorgen. Die Frage eines Einzelhändlers, welche Rahmenbedingungen die Stadt denn für den Einzelhandel schaffe („Was tun Sie denn für uns?“), konnte Orthen schnell beantworten: beispielsweise die Landesgartenschau 2022 nach Bad Neuenahr holen, die Hunderttausende Besucher in die Kurstadt locken wird. Oder auch das angedachte neue Parkdeck am Rande der Fußgängerzone realisieren. Die Weichen dafür, dass man in der Innenstadt Geld verdienen könne, werde die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten schon stellen.

Was sie im Übrigen durch ihr gepflegtes Erscheinungsbild, mit ihrem „Masterplan Einzelhandel“, mit der Einstellung einer „Citymanagerin“ und nicht zuletzt mit der Zurverfügungstellung von Fördermitteln auch in der Vergangenheit stets gemacht hat. „Handel und Einzelhandel sind eine Gemeinschaftsaufgabe“, meint Orthen.

Um den Druck aus der Innenstadt herauszunehmen, empfahl die von der Stadt zur Versammlung eingeladene Christina Nitz vom Dortmunder Stadtplanungsbüro „Junker & Kruse“ eine „qualitative Verbesserung der Angebotssituation“, eine optimale Ausnutzung der Flächenpotenziale im vorhandenen Bestand, eine Nutzung der Flächen am Bahnhof oder an der Kurgartenstraße. Die Gastronomie, ohnehin ein Flaggschiff in der Touristenstadt, solle zu einer Erhöhung der Verweildauer in der City beitragen. Nitz forderte zudem „zielgruppenspezifische Angebote für junge Mode“.

Die „Branchenprofile“ gelte es zu stärken, Kommunikationsstrukturen zu entwickeln. Förderprogramme zu lokalen Entwicklungs- und Aufwertungskonzepten, günstige Unternehmerkredite des Landes oder auch das Bund-Länder-Förderprogramm „Aktive Stadtzentren“ böten Einzelhändlern und Immobilienbesitzern flankierende Hilfen. Alfred Bach vom Stadtplanungsamt bot sich und seine Abteilung als Ansprechpartner in Förderfragen an.

Orthen sah die Veranstaltung als Auftakt zu weiteren Zusammenkünften an, die ihren Teil dazu beitragen, dass sich Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Landesgartenschau als nicht verödete, sondern lebendige Stadt im Grünen präsentiert.

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