30. Geburtstag der Morenhovener Kabarett-Tage

Gregor Gysi erhält die 30. Morenhovener Lupe

Humor und Schlagfertigkeit zeichnen Gregor Gysi aus.

Humor und Schlagfertigkeit zeichnen Gregor Gysi aus.

Swisttal-Morenhoven. Zum 30. Geburtstag der Morenhovener Kabarett-Tage zeichnen die Macher der Kulturveranstaltung am 10. November einen Mann aus, der unmissverständlich kritisch ist: Gregor Gysi.

„Missverstehen Sie mich richtig ...“ – ist erstens der Titel eines satirischen Lexikons, zweitens der Name einer im August 2016 gestarteten Reihe von Sonntagsgesprächen im Berliner Kabarett „Die Distel“, und es könnte drittens auch das Credo des Gastgebers sein: Gregor Gysi. Jeden Sonntagmittag sitzt er mit einem Prominenten auf der Couch. Kein klassisches Frage-und-Antwort-Spiel, sondern vielmehr ein Gedankenaustausch auf Augenhöhe: ironisch, provokant, unterhaltsam. Wofür der ebenso eloquente wie streitbare Rechtsanwalt und Politiker, der seit 2005 für die Linke im Bundestag sitzt und sich am 24. September erneut zur Wahl stellt, die Idealbesetzung ist. Ob das mit dem Mandat geklappt hat, werden die Zuschauer im Morenhovener Kreaforum am Freitag, 10. November, erfahren – wenn Gysi mit der 30. Morenhovener Lupe ausgezeichnet wird.

„Zu diesem runden Geburtstag der Kabarett-Tage sollte es etwas Besonderes sein“, sagt Klaus Grewe vom Vorstand der Initiative KuSS (Kultur und Spektakel im Swisttal). Mag sein, dass sich der eine oder andere, der seit Jahr und Tag zum Stammpublikum zählt und auf der Liste der bisherigen Lupe-Preisträger Namen wie Hanns Dieter Hüsch, Richard Rogler und Volker Pispers gelesen hat, nun verwundert die Augen reibt.

Doch laut Satzung bringt Gysi die klassischen Schlüsselqualifikationen mit: nämlich „das Maß an Kreativität, Originalität, aber auch Gesellschaftskritik, das im Werk des Preisträgers zum Ausdruck gekommen ist“ und das auch schon anderen Nichtkabarettisten wie Erika Fuchs attestiert wurde. Die Jury hat – so Grewe – über all die Jahre Wert darauf gelegt, dass der Preisträger ein Meister des Wortes sein sollte: „Aber es könnte durchaus der Eindruck entstanden sein, die Morenhovener Lupe sei ein wenig kabarettlastig.“

Was im Fall Gregor Gysi allerdings kein Hindernis sein muss – schließlich saß ihm auf dem Berliner Sofa auch schon der Lupe-Preisträger Gerhard Polt gegenüber. In diesem Jahr sind bei ihm ferner Claus von Wagner und Rainald Grebe zu Gast, die ebenfalls in Morenhoven aufgetreten sind.

Gysi, Jahrgang 1948, prägt die politische Debatte in Deutschland seit inzwischen mehr als 20 Jahren. Als Rechtsanwalt vertrat er Oppositionelle wie Robert Havemann, Rudolf Bahro und Bärbel Bohley. Er war der letzte Parteivorsitzende der SED und der erste der PDS, gehörte von 1990 bis 2002 schon einmal dem Deutschen Bundestag an und führte die Partei die Linke als Fraktionsvorsitzender zehn Jahre lang, bevor er sich im Herbst 2015 aus der ersten Reihe zurückzog.

Seine politische Aktivität noch zu DDR-Zeiten hat immer wieder für Diskussionsstoff gesorgt – zumal er die Konfrontation nicht scheut und sich manche sowohl an seiner unmissverständlichen Ausdrucksweise als auch seinen inhaltlichen Positionen stoßen mögen. Die Dinge beim Namen nennen und den Fokus darauf richten – ist aber zweifellos etwas, das zu einem künftigen Lupe-Preisträger passt.