Freiwilligenzentrum Blickwechsel: Freiwilligenzentrum „Blickwechsel“ Rheinbach vermittelt Ehrenamtliche

Freiwilligenzentrum Blickwechsel : Freiwilligenzentrum „Blickwechsel“ Rheinbach vermittelt Ehrenamtliche

Die einen möchten sich ehrenamtlich engagieren, die anderen suchen nach eben solchen Engagierten. Das Freiwilligenzentrum "Blickwechsel" in Rheinbach hat es sich zur Aufgabe gemacht, beide Seiten zusammenzubringen.

Sie feiern Geburtstag: Die acht Frauen vom Freiwilligenzentrum „Blickwechsel“ in Rheinbach, das nunmehr drei Jahre besteht. Ihre Mission ist die Vermittlung Freiwilliger in Ehrenämter. In den vergangenen drei Jahren haben sie 76 Interessierte beraten. Dabei können sie aus 50 Rheinbacher Organisationen den für den potenziellen Ehrenamtlichen passenden „Job“ vermitteln. Insgesamt konnten sie so 30 langfristig Aktive binden, dazu kommen kurzfristig Engagierte. Und: Menschen, die ein Ehrenamt über „Blickwechsel“ gefunden haben, werben oftmals auch noch Freunde oder Bekannte.

Doris Kübler ist die Sprecherin der Gruppe und gehört zu den Gründungsmitgliedern. Als die Lehrerin in den Ruhestand ging, suchte sie eine Ehrenamtsstelle – und fand zunächst keine. Zusammen mit Angelika Skupnik-Henssler entwickelte sie die Idee, Freiwillige und suchende Organisationen zusammenzubringen. Die Stadt Rheinbach stand der Initiative positiv gegenüber, sagt Kübler. Denn Städte mit über 20 000 Einwohnern hätten die freiwillige Auflage, bis 2020 eine Freiwilligenvermittlung aufzubauen. Die Stadt stellt der ehrenamtlich arbeitenden Gruppe deshalb auch einen Raum im Himmeroder Hof, einen Telefonanschluss und Kopiermöglichkeiten zur Verfügung.

Die jüngste vermittelte Ehrenamtliche heißt Pauleen und ist gerade einmal acht Jahre alt. Sie hilft seit einigen Monaten auf einem Gnadenhof für kranke und alte Tiere in Neukirchen, geht mit Hunden spazieren, sammelt Löwenzahn für Kaninchen und macht deren Stall sauber. Die älteste Freiwillige, die dank „Blickwechsel“ ein Ehrenamt ausübt, ist 78 Jahre alt und bereichert die Freizeitgestaltung von älteren Menschen, indem sie in drei Seniorenheimen Klavier spielt.

Seniorenheime sind ein Hauptbetätigungsfeld für Ehrenamtliche, erzählen die „Blickwechsler“, ebenso offene Ganztagsschulen, die internationalen Klassen der Gemeinschaftsgrundschule Sürster Weg und die Bücherei.

Andere Organisationen haben Bedarf, aber es konnte bislang niemand geworben werden. Darunter ein Wohnheim für Schwerbehinderte, das dringend Helfer für die Freizeitgestaltung sucht: zum Kochen, Handwerken oder Musizieren, in Einzelbetreuung oder kleinen Gruppen. Ein anderes lohnendes Betätigungsfeld ist die Leitung des ökumenischen Cafés im Pfarrzentrum Sankt Martin am Mittwochnachmittag. 50 bis 60 Senioren kommen wöchentlich dorthin, die bisherige Leiterin möchte das Amt aus Altersgründen abgeben.

Die acht Frauen von „Blickwechsel“ haben alle noch ein zweites Ehrenamt. So wurde beispielsweise Monika Schmitt vor zwei Jahren von Kübler vermittelt und leitet eine Gesprächsgruppe in der Justizvollzugsanstalt. Besonders bewegt sie dabei die persönlichen Erzählungen der Häftlinge: Einer konnte zur Beerdigung seines Vaters nur mit Fußfesseln gehen, ein anderer kann seine in Köln lebenden Kinder nicht regelmäßig sehen.

Eine Herausforderung bestehe darin, dass die Helfer wechseln, sagt Skupnik-Henssler. Außerdem müsse man sich auf wechselnde Anforderungen einstellen. So habe sie im Rahmen des Flüchtlingshelferkreises Sankt Martin eine Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlinge angeboten. „Wir hatten 2016 einen Riesenansturm von jungen Afghanen“, erzählt sie. Mittlerweile sind die Flüchtlinge in Integrationskursen. Die Gruppe macht nun ein neues Angebot für Kinder aus internationalen Klassen. „Man braucht viel Anpassungsfähigkeit und Flexibilität“, sagt Verena Weber, die seit zwei Jahren bei „Blickwechsel“ ist.

Seit Mai 2016 kooperiert das Freiwilligenzentrum mit der Rheinbacher Taschengeldbörse. Die Idee: Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren übernehmen gegen ein kleines Entgelt leichtere Arbeiten vorwiegend bei Senioren. Die Aufgabe von „Blickwechsel“ ist dabei die Auswahl von Jugendlichen, die ans Seniorenforum weitervermittelt werden. Ein Erfolgsmodell: Es gab bereits 56 Vermittlungen.

Weitere Informationen zum Freiwilligenzentrum unter www.blickwechsel-rheinbach.deoder 0 22 26/91 72 10. Kontakt zur Taschengeldbörse für Senioren beim Rheinbacher Seniorenforum unter 0 22 26/8 35 53 30 oder www.rheinbacher-seniorenforum.de.

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