In Bad Neuenahr waren kostümierte Läufer unterwegs: Römer und Gorillas im Weinberg

In Bad Neuenahr waren kostümierte Läufer unterwegs : Römer und Gorillas im Weinberg

Wenn sich furchtlose Wikinger, feixende Hippies und Südsee-Schönheiten in bunten Baströckchen joggend über den Rotweinwanderweg bewegen, tobt der Ahrathon durchs Ahrtal. Mit knapp 2500 Startern gab es einen Teilnehmerrekord.

Mit knapp 2500 Läufern, Nordic Walkern und Wanderern, die aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren, hat sich die Zahl der Teilnehmer seit der Premiere vor vier Jahren vervierfacht. „Damit dürften wir zu den größten drei Volksläufen in Rheinland-Pfalz gehören“, freute sich Organisatorin Michaela Wolff vom Weingut Sonnenberg.

Mit mehr als 800 Startern stellte der Halbmarathon einmal mehr das größte Teilnehmerfeld. Knapp 150 Hartgesottene nahmen die Marathonstrecke in Angriff. Dabei zogen vor allem die kostümierten Läufer die Blicke auf sich. Von Zauberern über Pumuckls bis hin zu quietschbunten Hippies und Schmetterlingen reichte die Bandbreite der gut 200 Spaßvögel, die für gute Laune auf und neben der Strecke sorgten. Auf dem anspruchsvollen Rundkurs über 21 Kilometer, der zum Großteil über den Rotweinwanderweg führte, verwöhnten Weinbaubetriebe der Ahr und Gastronomen der Region die Läufer mit Gourmethäppchen und ausgesuchten Weinen.

Mit ebenso aufwendigen wie originellen Verkleidungen fielen etwa Steffi Wunder und Karl-Walter Decius ins Auge. Die Remagenerin, die sich in diesem Jahr mit der Aktion „GA macht Leser fit“ ernsthaft auf den Bonn-Marathon vorbereitet hatte, hat sich als Vogelscheuche ins Ahrathon-Getümmel gestürzt. „Ich habe nicht getrödelt, bin aber auch nicht volle Pulle gelaufen“, erklärt die 48-Jährige, die auf der Strecke zwar auf ein Gläschen Wein verzichtet hat, den appetitlich angerichteten Häppchen jedoch nicht widerstehen konnte.

Dagegen hat Karl-Walter Decius den Ahrathon mit allen Sinnen genossen. Der Zahnarzt aus Ostwestfalen-Lippe zählt zu den Weltenbummlern unter den Marathoni. So absolvierte er vor zwei Jahren bereits den „Transrockies-Run“ durch die Rocky Mountains und dreimal den Médoc-Marathon, der als großer Bruder des Ahrathons gilt. Sein Kostüm vermittelte den Eindruck, als hätte er sich in einen Käfig gezwängt, um sich von einem Gorilla über den Rotweinwanderweg tragen zu lassen. „Die Landschaft der Ahr ist noch schöner als die Médoc-Region und auch der Wein kann es mit den Franzosen aufnehmen“, schwärmt der 67-Jährige.

Eine bemerkenswerte Leistung vollbrachten Bernhard Schöneck und Wilfried Dorweiler. Schöneck war Ultramarathon-Läufer als er sich vor neun Jahren bei einem Autounfall vier Halswirbel brach. Doch der 71-jährige Rüscheider schaffte, was niemand mehr für möglich gehalten hatte: Er kehrte zurück auf die Strecke. Beim Ahrathon bewältigte er den Marathon und lief nach 5:34:38 Stunden unter großem Jubel durchs Ziel im Dahliengarten . Dorweiler verlor im vergangenen Jahr beim verheerenden Erdbeben in Nepal seine Frau. Er selbst überlebte schwer verletzt. Nachdem der Rheinländer im letzten Jahr noch mit dem Rollstuhl über die Ziellinie rollte, ging der 56-Jährige in diesem Jahr wieder als Läufer an den Start.

Bei allem Spaß überwog bei den ambitionierten Athleten der sportliche Ehrgeiz. Wie im Vorjahr ließ etwa René Spanier (LAZ Puma Rhein-Sieg) der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance und entschied den Marathon nach 2:51:47 Stunden in souveräner Manier für sich. Bei den Frauen war Isabella Gschwandtner (Hardtseemafia Triathlon) nicht zu schlagen. Die Kölnerin gewann die Königsdisziplin in 3:36:47 Stunden und hatte im Ziel fast elf Minuten Vorsprung vor der Bonner Marathonmeisterin Caterina Schneider. Die Sieger der Langstrecken wurden ebenso in Wein aufgewogen wie die Gewinner der Kostümpreise. „Rock und Wein“ lautete einmal mehr das Motto der Abschlussfeier im Weingut Sonnenberg. So heizten die Rockcoverbands „Soundkitchen“ und „Sidewalk“ den Besuchern sechs Stunden mächtig ein. Der Erlös kommt auch in diesem Jahr dem Bunten Kreis zugute.