Rosenkranz-Gemeinde in Bad Neuenahr: Mit Rasseln und Radau

Rosenkranz-Gemeinde in Bad Neuenahr : Mit Rasseln und Radau

Zur Feier des Einzuges Jesu in Nazareth hat die Rosenkranz-Gemeinde in Bad Neuenahr eine neue Art der traditionellen Palmprozession ausprobiert. Mit musikalischer Unterstützung der Rhein-Ahr-Spatzen ging es mit neuem Liedgut und reichlich Lärm durch die Straßen der Innenstadt.

Der Regen hatte die Straßen Bad Neuenahrs leer gefegt. Eng zusammengepfercht begann der Gottesdienst in der Willibrord-Kirche. Die bunt verzierten Palmwedel der Kommunionkinder hoben sich ab gegen einen grau-verhangenen Himmel. Traditionelle Orgelmusik erklang über dem Friedhof. Diakon Bernhard Stahl verlas das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem. Der Geschichte nach legten zahlreiche Einwohner Jerusalems damals dem auf einem Esel reitenden Messias ihre Kleider und Palmwedel auf den Weg und begrüßten ihn mit euphorischem "Hosianna".

"Das mit den Kleidern lassen wir heute besser mal", hob Pfarrer Peter Dörrenbächer an. Die Kommunionkinder quetschten sich in den Altarraum, einige mit Palmwedeln doppelt so groß wie sie selbst. Der Pfarrer forderte die restlichen Kinder zu etwas auf, dass doch eigentlich in der Kirche verboten ist: mit ihren Rasseln sollten sie ordentlich Lärm machen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es wohl damals gewesen sein wird. "Mit Musik und Lärm", so Dörrenbächer weiter, sollte es nun die Kurgartenstraße entlang bis zur Ahrbrücke gehen.

Die Regenschirme griffbereit und die Mantelkragen hochgeschlagen, hieß es für die Gottesdienstbesucher beim Verlassen der Kirche erst einmal Augen zukneifen. Just zum Beginn der Prozession schob sich ein Spalt in die Wolken und gab den einzigen Sonnenstrahl des Tages frei. Das mit den Jahren leicht vergilbte Bild mit einer Darstellung Jesu auf dem Esel voran, ging es nun mit fetziger Blasmusik und dem Schnarren der Rasseln den Berg hinab. Schon jetzt gesellten sich zahlreiche Schaulustige an den Rand des Zuges, aber erst in Höhe des Kurgartens stieß die Prozession auf einige Touristen: Einige blieben stehen, andere schüttelten den Kopf, wieder andere wollten nur schnell weiter.

Auf der Kurgartenbrücke wurden dann die Palmwedel - die Gottesdienstbesucher hatten zumeist die in Deutschland üblichen Buchsbaumzweige in den Händen - mit reichlich Weihwasser gesegnet. "Die Menschen haben hier eine Brücke gebaut, um aufeinander zugehen zu können und dies ist auch ein Bild für dieses Fest", so Dörrenbächer bei seiner kurzen Ansprache.

Denn Palmsonntag ist nur ein bedingter Feiertag. Im "Hosianna", das in den von Organist Matthias Gampe gesetzten Lieder überschäumend gesungen wurde, schwang schon das "Kreuzige ihn" der Passion mit. Nach weiterer geräuschintensiver Prozession durch die fast menschenleeren Gassen der Innenstadt, kamen die Gläubigen trockenen Fußes an der Rosenkranz-Kirche an. Dort ging es sofort mit einer Lesung aus den Gottesknechtsliedern des alttestamentlichen Buches Jesaja weiter.

"Das scheint nicht so recht zu passen", erklärte Dörrenbächer den von der Liturgie vorgeschriebenen Bruch, "doch es hat eine Bedeutung." So wie bei Jesus Euphorie und Kreuz nah beieinander lägen, so seien auch oft im Leben der Menschen Freud und Leid unmittelbare Nachbarn. Die verlesene Passion nach Markus zeichnete sich darüber hinaus durch ihre besondere Härte aus. Auf dem Heimweg durch die weiterhin nahezu menschenleeren Gassen, überdacht von einem erneut ergrauten Himmel, machte es den Eindruck, als sei von der lautstarken Freude nur verhaltene Nachdenklichkeit geblieben.