Interview zum 200. Geburtstag: Uni Bonn erlebt ein Jubiläumsjahr der Extreme

Interview zum 200. Geburtstag : Uni Bonn erlebt ein Jubiläumsjahr der Extreme

Rektor Michael Hoch und Prorektor Andreas Zimmer von der Uni Bonn sprechen im GA-Interview über ein Jubiläumsjahr der Extreme mit Fields Medaille und Erfolg bei der Exzellenzstrategie, aber auch dem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Gastprofessor.

<

p class="text">

Am 18. Oktober steht der große Festakt zum 200. Geburtstag der Uni mit dem Besuch des Bundespräsidenten an. Herr Professor Hoch, Herr Professor Zimmer: Wie fällt Ihre Zwischenbilanz des Jubiläumsjahres 2018 aus?

Professor Michael Hoch: Bislang war es ein sehr erfolgreiches Jubiläumsjahr für die Universität Bonn. Unser Konzept des „Wir“ ist aufgegangen. Über das Jahr verteilt organisieren wir rund 200 öffentliche Veranstaltungen. Das funktioniert nur, wenn alle Beteiligten auch mitspielen. Das ist der Fall.

Professor Andreas Zimmer: Auch haben wir unser erklärtes Ziel erreicht, die Universität für die Bonner Bürger, also die Stadtgesellschaft, noch weiter zu öffnen. Die Veranstaltungen, von Vorlesungen, über Feste bis zum Exzellenz-Slam, waren alle sehr gut besucht. Universität und Bürgerschaft sind sich spürbar näher gekommen.

Aber das Jubiläumsjahr ist ja nicht nur erfolgreich vor sich hingeplätschert. Es gab auch die antisemitische Attacke im Hofgarten auf den jüdischen Gastprofessor Yitzhak Melamed.

Hoch: Ja, der Vorfall im Sommer hat uns sehr schockiert.

Hat die Uni Konsequenzen daraus gezogen, und will sie ausländische Gäste besser schützen?

Hoch: Wir haben eine uni-interne Notfall-Rufliste zusammengestellt. Da finden unsere Gäste und ihre Betreuer Hilfe, wenn es nötig ist. Für Fälle wie den Angriff auf Professor Melamed können wir als Universität aber nur bedingt Vorsorge treffen. Wir haben ein grundsätzliches Problem mit dem Hofgarten, der sich zum Brennpunkt entwickelt hat. Da sehen wir vor allem Polizei und Stadt in der Pflicht.

Was tut die Uni?

Hoch: Wir plädieren für eine bessere Beleuchtung des abendlichen und nächtlichen Hofgartens, aber das ist aufgrund des Denkmalschutzes nicht so einfach.

Haben Sie über zusätzliches Sicherheitspersonal für den Hofgarten nachgedacht?

Hoch: Wir haben bereits Sicherheitspersonal auf Uni-Gelände im Einsatz. Auf dem Hofgarten selbst übt die Polizei die staatliche Gewalt aus.

Das Jubiläumsjahr scheint ein Jahr der Extreme zu sein. Auf der einen Seite die schlimme Attacke auf den Gastprofessor, auf der anderen Seite einige wirkliche Höhepunkte ...

Hoch: Zu den Höhepunkten zählen neben den jeweiligen Auftaktveranstaltungen der einzelnen Festquartale natürlich auch die bedeutende Fields-Medaille für unseren Mathematiker Peter Scholze. Und selbstverständlich jüngst das hervorragende Abschneiden im Rahmen der Exzellenzstrategie. Dass sechs unserer sieben vorgeschlagenen Forschungsverbünde nun als Exzellenzcluster gefördert werden, ist sensationell. Bis zum 10. Dezember haben wir nun Zeit, einen Antrag für die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ an den Wissenschaftsrat zu senden.

Das sollte für die bundesweit erfolgreichste Uni bei dieser Exzellenzrunde doch klappen, oder?

Zimmer: Das ist kein Selbstläufer, sondern bleibt ein harter Wettbewerb. In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits zwei Exzellenzuniversitäten, die RWTH Aachen und die Universität zu Köln. Wir konkurrieren mit insgesamt fünf Hochschulen in NRW um den Titel „Exzellenzuniversität“. Unser großer Vorteil ist, dass die Universität Bonn mit den sechs Exzellenzclustern in ihrer gesamten Breite repräsentiert ist. Jede einzelne Fakultät ist an mindestens einem der ausgezeichneten Cluster beteiligt.

Hoch: In ganz Deutschland werden im Sommer 2019 voraussichtlich nur elf Hochschulen als Exzellenzuniversitäten ausgezeichnet. Unter unseren Mitbewerbern sind sehr starke Konkurrenten wie zum Beispiel Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Dresden. Unsere Voraussetzungen sind gut, aber der Antrag muss auch stimmen und bei den Gutachtern gut ankommen.

Was haben die Studenten von der Exzellenz?

Hoch: Alle sechs Exzellenzcluster haben neue Studiengänge in der Planung, also ein breiteres Lehr-angebot für die Studierenden. Darüber hinaus bekommen wir von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sogenannte Universitätspauschalen: Geldmittel, mit denen wir auch Projekte oder Programme, die nichts mit den Exzellenzclustern zu tun haben, finanzieren können. Der Erfolg kommt der Universität in ihrer ganzen Breite zugute.

Was haben Sie mit der Pauschale vor?

Hoch: Wir wollen zum Beispiel die Lehre stärken und nicht nur die Forschung in den Fokus nehmen – davon profitieren die Studierenden ganz konkret. Wenn wir weiter erfolgreich sind und zur Exzellenzuniversität werden, geht damit ein großer Reputationsgewinn einher. Das heißt auch, dass wir weitere Spitzenwissenschaftler gewinnen können. Diese wiederum sind wichtig als role models für unsere Studierenden, die sich mit den besten Wissenschaftlern ihrer jeweiligen Fächer auseinandersetzen möchten.

Zimmer: Hinzu kommt, dass wir mit der Pauschale unsere Infrastruktur und Raumsituation verbessern werden. Wir wollen zum Beispiel den Campus Poppelsdorf, den Campus Endenich und das Areal der Kinderklinik weiter entwickeln.

Bei der Gebäude- und Raumsituation liegt ja einiges im Argen – auch das ist das Jubiläumsjahr. Im September wurden zunächst Teile des Institutsgebäudes an der Meckenheimer Allee 166-168, das von der Geografie, Mikrobiologie und Medizin genutzt wird, wegen eines erhöhten Quecksilberwertes gesperrt. Wenige Tage später die Schließung des Akademischen Kunstmuseums. Gibt es da etwas Neues?

Hoch: An der Meckenheimer Allee ist derzeit noch ein Raum komplett gesperrt, um die 30 sind in ihrer Nutzung mehr oder weniger eingeschränkt. Im und am Akademischen Kunstmuseum wurden Sicherungsmaßnahmen eingeleitet. Wann es wieder geöffnet wird, können wir derzeit noch nicht sagen. Die Uni Bonn hat ein grundsätzliches Problem mit der Instandhaltung ihrer Gebäude, da etwa die Hälfte von ihnen vor 1950 errichtet wurde. Wir bräuchten etwa 750 Millionen bis eine Milliarde Euro, um alle Gebäude erneuern zu können. Da sind wir auch vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb und der Landesregierung abhängig. Letztere bewilligt das Geld. Vielleicht können wir ja den Erfolg bei der Exzellenzstrategie nutzen, um für diese Problematik noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wie sehen Ihre Wünsche für den Rest des Uni-Jubiläumsjahres aus?

Zimmer: Ich freue mich, wenn das Interesse an unseren Veranstaltungen auch zum Jahresende so groß bleibt wie zu Beginn.

Hoch: Ich wünsche mir, dass wir die sehr gute Chance, Exzellenzuniversität zu werden, nutzen können.

Der große Festtag zum 200-jährigen Bestehen der Uni Bonn am Donnerstag, 18. Oktober, beginnt um 9.30 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Kreuzkirche (Einlass von 8 bis 9 Uhr). Der anschließende Festakt im WCCB mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist nur für geladene Gäste. Die Eröffnung des akademischen Jahres ab 17 Uhr in der Aula des Uni-Hauptgebäudes ist wiederum öffentlich.

Mehr von GA BONN