Warten auf den Geldregen: Uni Bonn fiebert Exzellenz-Entscheidung entgegen

Warten auf den Geldregen : Uni Bonn fiebert Exzellenz-Entscheidung entgegen

Am 27. September entscheidet sich, wie viel Exzellenz-Förderung die Bonner Universität erhält. Die Hochschule geht mit sieben Forschungsverbünden ins Rennen, wovon bereits zwei als Exzellenzcluster gefördert werden.

Rein äußerlich herrscht im Rektoratsgebäude der Bonner Universität an der Argelanderstraße 1 die übliche akademische Gelassenheit vor dem Semesterbeginn. Wie fokussiert die Hochschulspitze in diesen Tagen jedoch ist, wird vor allem in dem deutlich, was sie nicht sagt. Selbst der Universitätsrektor Professor Michael Hoch gibt sich betont einsilbig. „Wir möchten unsere sehr gute Position im globalen Wettbewerb weiter ausbauen“, lässt Hoch auf GA-Anfrage über seinen Pressesprecher ausrichten. In diesem Prozess spiele die Exzellenzstrategie selbstverständlich eine große Rolle.

Wie groß deren Rolle für die Bonner Hochschule tatsächlich ausfällt, werden Hoch und die Öffentlichkeit am 27. September erfahren. Dann sollen die Rektoren aller betroffenen Hochschulen in der laufenden Ausschreibungsrunde erfahren, welche der vorgeschlagenen Forschungsverbünde in den kommenden sieben Jahren als Exzellenzcluster mit Summen von durchschnittlich acht bis neun Millionen Euro gefördert werden. Nach einer Evaluation haben nur sie dann die Chance auf eine zweite siebenjährige Förderperiode. Außerdem entscheidet sich dann, ob sich Bonn demnächst um den prestige- und zuschussträchtigen Titel einer Exzellenzhochschule bewerben darf.

Prestigeträchtiger Titel

Dass die Bonner sich in der Sache so vorsichtig verhalten, hat einen guten Grund: Ihre Voraussetzungen für einen erheblichen Geldzufluss und Imagegewinn sind exzellent. Da möchte niemand in letzter Minute noch Porzellan zerschlagen.

In der Vorrunde der aktuellen Ausschreibung hatten Bonner Wissenschaftler vor ziemlich genau einem Jahr einen bemerkenswerten Erfolg gefeiert: Sie überzeugten das Auswahlgremium mit allen sieben Vorschlägen. Dabei war das Verfahren keineswegs ein Selbstläufer: Die vier Berliner Universitäten brachten zusammen beispielsweise nur neun von 16 Vorschlägen durch. Die beiden Münchner Hochschulen konnten nur mit sechs von 14 Ideen überzeugen.

Neben den beiden bisher geförderten Exzellenzclustern am Hausdorff-Zentrum für Mathematik und in der Bonner Immunologie hoffen nun zum Beispiel auch die Physiker mit ihrem Projekt „Materie und Licht für Quanteninformation“, Wirtschaftswissenschaftler mit ihrem Schwerpunkt zu „Märkten & Public Policy“ oder Agrarwissenschaftler in Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich mit ihrem Ansatz zur „Robotik und Phänotypisierung für nachhaltige Nutzpflanzenproduktion“ auf eine baldige Bundesförderung. Auffällig sind die bewusst fächerübergreifenden Ansätze, die Experten vieler Disziplinen in die jeweilige Thematik einbinden. Besonders augenscheinlich ist das beim geisteswissenschaftlichen Ansatz zu Abhängigkeitsverhältnissen in vormodernen Gesellschaften, an dem neben Historikern und Archäologen auch viele Wissenschaftler kleiner Fächer mitarbeiten möchten. „CASCADE – Computergestützte Wissenschaften für komplexe Systeme“ setzt ebenfalls bewusst nicht nur auf die Kompetenz der Informatik, sondern bindet in einem Verbund der Unis Bonn, Köln und der RWTH Aachen beispielsweise auch philosophische Fragestellungen mit ein.

Viele fächerübergreifende Ansätze

Man darf davon ausgehen, dass diese umfassenden Konzepte der wissenschaftlichen Auswahljury gut gefallen haben. Für den Ausgang des Verfahrens erlaubt das indessen nur eine bedingte Prognose. Denn der Auswahlausschuss ist neben Wissenschaftlern im Auftrag der DFG und des Wissenschaftsrates auch mit Landes- und Bundesministern besetzt. Ein gewisser Länder- und Regionenproporz ist mithin nicht unwahrscheinlich.

Rein rechnerisch hätte Bonn die Chance auf drei bis vier Exzellenzcluster, denn von den 88 verbliebenen Vorschlägen aus 41 deutschen Hochschulen sollen am 27. September noch 45 bis 50 übrig bleiben. In der Vergangenheit hat die Kommission ihre Möglichkeiten zur Nominierung allerdings nicht immer voll ausgeschöpft. Dass die Bonner Mathematiker ihre Exzellenz-Förderung verlieren, kurz nachdem mit Peter Scholze der zweite unter ihnen die international renommierte Fields-Medaille erhalten hat, wäre zumindest eine sehr große Überraschung. Auch die Immunologen in der Universitätsklinik auf dem Venusberg haben mit ihren neuartigen genetischen Ansätzen zur Erklärung von Autoimmunerkrankungen in den vergangenen Jahren viel erreicht und dürfen sich begründete Hoffnungen auf eine Verlängerung machen. Die Frage, wer von den übrigen fünf Bewerbern die besten Aussichten auf künftige Förderung hat, wäre hingegen nur spekulativ zu beantworten.

Mit zwei Clustern hätte die Bonner Universität bereits die Chance gewahrt, sich anschließend um den Titel einer Exzellenz-Hochschule zu bewerben. Bis zum 10. Dezember, 12 Uhr, könnte die Hochschule beim Wissenschaftsrat die Anerkennung als eine der acht künftigen Exzellenz-Universitäten beantragen. Uni-Rektor Hoch hat bereits eine entsprechende Absichtserklärung abgegeben. Je mehr Cluster in Bonn gefördert werden, desto eher könnte dies gelingen. Die Konkurrenz ist schließlich groß. Zu dem erlesenen Reigen gehörten in der jetzt endenden Förderrunde (neben jeweils beiden Unis in München und Berlin) die Universitäten Bremen, Heidelberg, Köln, Konstanz, Tübingen sowie die TU Dresden und die RWTH Aachen.

Weitere Begutachtungen

Im Frühjahr 2019 sollen die Anträge vor Ort begutachtet werden. Geld gibt es für die erfolgreichen Hochschulen und Hochschulverbünde in Deutschland dann ab November 2019. Vorgesehen sind Fördersummen von 10 bis 15 Millionen Euro im Jahr für konkrete Forschungsprojekte – und das ebenfalls für zunächst sieben Jahre mit der Perspektive einer dauerhaften Verstetigung bei erfolgreicher Arbeit.

Für die Bonner steht mithin vor allem eines auf dem Spiel: Viel Geld. Wären alle Vorhaben-Anträge erfolgreich und Bonn würde Exzellenz-Hochschule, dann stünden allein in den kommenden sieben Jahren bis zu 170 Millionen Euro zusätzlich für anspruchsvolle Forschungsprojekte, entsprechendes Personal und begleitende Maßnahmen zur Verfügung. Allein der beeindruckende Personalzuwachs in den beiden bisherigen Clustern zeigt, wie stark die Hochschule damit inhaltlich und personell wachsen würde. Ihre Attraktivität für Spitzenforscher und Studierende aus aller Welt würde weiter wachsen. Übrigens nicht nur in der Spitzenforschung: Ein gewisser Geldbetrag steht den Exzellenz-Hochschulen ganz bewusst nämlich für andere Vorhaben zur Verfügung.

Trotzdem stößt die Konzentration auf Exzellenz nicht bei allen auf ungeteilte Gegenliebe. Kritiker bezweifeln deren Vorteile für die Ausbildung Studierender oder fürchten um die Breite des akademischen Angebots.

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