Kommentar zur Bonner Postbank: Deutsche Bank muss Klarheit herstellen

Kommentar zur Bonner Postbank : Deutsche Bank muss Klarheit herstellen

Auf die Mitarbeiter der Postbank (rund 3000 in Bonn und 19.000 bundesweit) muss die zweite Kehrtwende innerhalb weniger Jahre erschütternd wirken. Das peinliche Hin und Her des Mutterkonzerns ist aber nicht alles.

"Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln." In der Vorstandsetage der Bonner Postbank herrscht schon seit einiger Zeit berechtigtes Entsetzen über die sich abzeichnende Rolle rückwärts bei der Deutschen Bank. Seit dem Wochenende steht fest, was so richtig niemand glauben wollte: Der mühsame und teure Prozess der Entkopplung vom Mutterkonzern in Frankfurt war tatsächlich vergebens. Während man in Bonn so weit bereit war für eine eigenständige Zukunft und sich bis zuletzt auf einen Börsengang als wahrscheinlichstes Szenario einstellte, dreht Frankfurt unter der Last der eigenen Vergangenheit die Uhr einfach zurück und verfolgt andere Pläne.

Auf die Mitarbeiter der Postbank (rund 3000 in Bonn und 19.000 bundesweit) muss die zweite Kehrtwende innerhalb weniger Jahre erschütternd wirken. Seit dem Verkauf des Geldhauses von der Deutschen Post an die Deutsche Bank im Jahr 2008, einer daraufhin erfolgten Teilintegration und einer aufwendigen Rückabwicklung steht nun die komplette, erneut milliardenschwere Eingliederung an.

Und die wird diesmal mit ziemlicher Sicherheit Tausende Arbeitsplätze kosten. Das Management in Frankfurt, zu dem wohl auch der heutige Postbank-Chef Frank Strauß gehören wird, wäre gut beraten, nach dem wenig nachvollziehbaren und unter dem Strich peinlichen Hin und Her, wenigstens in dieser Frage so schnell wie möglich Klarheit herzustellen. Dabei geht es nicht nur um Planungssicherheit für einzelne Mitarbeiter und den Umgang mit der Marke Postbank, sondern auch um die Frage nach der Zukunft des traditionsreichen Standorts in Bonn.

Der Erfolg des Manövers ist nicht sicher

Für die angeschlagene Deutsche Bank ist indes der Erfolg dieses Manövers keinesfalls sicher. Die vergebliche Suche nach einem Käufer für die Postbank muss nun gezwungenermaßen in einem Strategiewechsel aufgefangen werden, der den deutschen Heimatmarkt wieder in den Mittelpunkt rückt. Doch von dem hatte sich Deutschlands führendes Geldhaus in der Vergangenheit nicht nur Lichtjahre entfernt, er ist auch ein anderer als noch im Jahr 2008, als ein gewisser Josef Ackermann mit dem auf der Postbank Deutschland schon einmal zurückerobern wollte.

Das schwierige Zinsumfeld, ein tiefgreifender Wandel im Kundenverhalten und durch die Digitalisierung auf den Markt drängende Wettbewerber setzen die klassischen Geschäftsmodelle der Banken erheblich unter Druck. Das alles lässt der Deutschen Bank wenig Spielraum für den großen Befreiungsschlag.

Mehr von GA BONN