Lebensmittelvernichtung: Wie Bauern, Bäcker und Discounter mit dem Thema umgehen

Lebensmittelvernichtung : Wie Bauern, Bäcker und Discounter mit dem Thema umgehen

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) brachte es auf den Punkt: Weltweit wandert ein Drittel aller hergestellten Lebensmittel nicht auf den Teller, sondern in den Müll.

Allein in Deutschland werden jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel durch Produzenten, Handel sowie Groß- und Endverbraucher vernichtet. Das ist das Ergebnis einer 2012 veröffentlichten Studie der Universität Stuttgart im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums.

Dabei wird davon ausgegangen, dass jeder Bürger im Schnitt knapp 82 Kilogramm Obst, Gemüse, Fleisch und andere Nahrungsmittel wegwirft und damit Hauptverursacher der Lebensmittelverschwendung ist. Aber was tun die Unternehmen und Produzenten, um Lebensmittelmüll zu vermeiden? Was machen sie mit Obst, Gemüse und Brot, wenn es nicht mehr ansehnlich ist und nicht mehr verkauft werden kann oder darf? Der General-Anzeiger hat bei den örtlichen Produzenten, Händlern und Institutionen nachgefragt.

Mit Engagement und Kreativität gehen die Obst- und Gemüsebauern im Vorgebirge gegen die Lebensmittelvernichtung vor. Der Biohof Bursch in Bornheim-Waldorf bietet Waren, die nicht mehr einwandfrei sind, verbilligt an. "Gemüse, das wir qualitätsbedingt gar nicht mehr anbieten können, verarbeiten wir zu Suppen, Chutneys und Gemüsetöpfchen und verkaufen diese in unserem Hofladen vor Ort", sagt Heinz Bursch (50). Bio-Bauer Palm in Uedorf verkauft nicht mehr einwandfreie Waren zum halben Preis.

"Hinzu kommt, dass wir die Bornheimer Tafel mit unseren landwirtschaftlichen Erzeugnissen unterstützen", erklärt Leonhard Palm (50). Die LebEKa, die Lebensmittelausgabe der Evangelischen und Katholischen Kirche in Bornheim, wird ebenfalls vom Apfelbauerbetrieb Otto Schmitz-Hübsch in Bornheim-Merten mit etwa einem Prozent der Gesamtapfelernte versorgt. Hier bleiben sogar die nicht mehr verkaufsfähigen Äpfel dem Lebensmittelkreislauf erhalten. Dazu Elmar Schmitz-Hübsch (69): "Etwa zehn bis 15 Prozent der geernteten Äpfel verarbeiten wir zu Apfelsaft."

Die Bäckerei Landsberg in Bornheim-Brenig unterstützt die Tafeln mit Brötchen und Broten, die nicht verkauft wurden. "Zudem versorgen wir einige hilfsbedürftige Menschen auf direktem Weg mit unseren Backwaren", sagt Hanno Landsberg (51). Belegte Brötchen, Salate und Speisereste darf die Bäckerei gemäß Vorschrift nicht abgeben. Sie werden entsorgt.

Nicht nur die Produzenten, auch der Handel hat Konzepte erarbeitet, die die Vernichtung von Lebensmitteln verringern. Laut Aldi-Süd werden kaum Lebensmittel vernichtet, da der Discounter Produkte mit einer hohen Umschlaghäufigkeit verkauft. Durch tägliche Bestellungen und kurze Durchlaufzeiten werden Lebensmittelreste auf ein Minimum reduziert. "Diese geben unsere Filialen nach Möglichkeit an soziale Einrichtungen wie die Tafeln ab", erklärt Lina Unterbörsch von Aldi Süd. Edeka und dessen Tochterunternehmen Netto fördern die etwa 900 Tafeln im Rahmen von Projekten und Vor-Ort-Initiativen der Edeka-Kaufleute.

Beide Unternehmen antworten auf Anfrage, dass sie Waren, die kurz vor dem Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) sind, verbilligt verkaufen. "Durch die Berücksichtigung der tatsächlichen Kundennachfrage bei den Bestellabläufen, den Preisreduzierungen vor dem Erreichen des MHD und die Abgabe von Waren an die Tafeln, ist der Anteil, den wir am Ende entsorgen müssen, marginal", so Christina Stylianou (39) von Netto Marken-Discount.

Dass nahezu alle Handelsketten und unzählige selbstständige Kaufleute und Produzenten ihre überschüssige und verzehrfähige Ware an die örtlichen Tafeln abgeben, bestätigt der Bundesverband Deutsche Tafel in Berlin. "Nur weil Tausende kleine und große Hersteller und Händler ihre überschüssigen Lebensmittel spenden, konnten seit 1993 bis heute bundesweit 914 Tafeln entstehen", freut sich deren Vorsitzender Jochen Brühl. Davon profitiert auch die LebEKa für Bornheim und Alfter, die wöchentlich zweieinhalb bis vier Tonnen Lebensmittel erhält und diese an rund 250 Haushalte mit etwa 800 Personen sowie karitative Einrichtungen austeilt.

Alfons Fischer-Reuter (62), ehrenamtlicher Koordinator der LebEKa, sieht Händler ebenso wie Endverbraucher gefordert: "Wir Verbraucher sind es, die immer mehr frische und einwandfreie Ware erwarten, so dass die Geschäfte, die diesbezüglich nicht mitziehen, ins Hintertreffen geraten. Viele Geschäftsleute, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, bedauern diese Entwicklung."

Auch Bürgermeister Wolfgang Henseler lobt das Engagement der LebEKa: "Ich bin begeistert von der Arbeit, die die Ehrenamtlichen hier in Bornheim leisten. Die Stadtverwaltung unterstützt dieses Engagement, wo sie kann, etwa durch die Vermittlung von Sponsoren."

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