Entsetzen nach WDR-Bericht: Steckt Kinderarbeit hinter Haribo-Bärchen?

Entsetzen nach WDR-Bericht : Steckt Kinderarbeit hinter Haribo-Bärchen?

Der WDR wirft Lieferanten des Süßwarenherstellers vor, ethische Standards nicht einzuhalten. Die Bonner sagen, sie prüften ihre Partner.

Der Süßwarenhersteller Haribo hat sich entsetzt über einen WDR-Bericht gezeigt, der dem Bonner Unternehmen vorwirft, in seiner Lieferantenkette Verstöße gegen den Kinder- und Tierschutz zu dulden. Auf Anfrage teilte Haribo am Mittwoch mit: „Einige Bilder aus der Sendung 'Der Haribo-Check' machen uns sehr betroffen – die Zustände in dem gezeigten Schweinemastbetrieb und in den brasilianischen Plantagen sind nicht akzeptabel.“

Der WDR-Beitrag vom Montag hatte Bilder von nicht artgerecht gehaltenen Schweinen gezeigt, die im eigenen Kot leben, entzündete Augen und Extremitäten haben, und behauptet, dass es sich um Zulieferer der Firma Westfleisch handele. Von diesem Unternehmen wiederum bezieht der Gelatinehersteller Gelita Schweineschwarte und Knochen, aus denen das Geliermittel gewonnen wird.

Neben Gelatine ist Carnaubawachs ein wichtiger Zusatzstoff der Haribo-Gummibärchen, er lässt sie glänzen. Das Wachs wird auf Palmenplantagen in Brasilien gewonnen, wo laut WDR-Recherche Niedrigstlöhne gezahlt würden, teilweise würden auch Kinder bei der Arbeit eingesetzt.

Langjährige Lieferbeziehungen

Haribo bestätigte dem General-Anzeiger, dass es mit Gelita langjährige Lieferbeziehungen gebe. Das Carnaubawachs beziehe man von der Firma Capol, sagte eine Unternehmenssprecherin. Bisher sei nicht geklärt, ob die vom WDR gezeigten Missstände bei Zulieferern dieser beiden Unternehmen stattgefunden hätten. Man stehe mit dem Sender in Kontakt, der bisher die Namen der fraglichen Produzenten nicht genannt habe. Nachhaltigkeit, soziale und ethische Standards spielten bei der Auswahl der Partner von Haribo eine große Rolle, erklärte die Sprecherin. So stehe man jetzt mit Gelita und Capol im intensiven Austausch, um die Vorwürfe zu klären. „Wir werden die Reportage des WDR als Anlass nutzen, die Gespräche mit unseren Lieferanten erneut zu vertiefen. Das gilt ausdrücklich ganz unabhängig davon, ob die gezeigten Bilder mit uns zu tun haben oder nicht.“

Man führe bereits Audits bei Lieferanten und zum Teil bei Vorlieferanten durch. Auch für Gelita und Capol lägen entsprechende Zertifikate vor, etwa vom TÜV. „Sollte es sich herausstellen, dass hier dringend Verbesserungen nötig sind, werden wir dies anmahnen und nicht ruhen, bis Verbesserungen umgesetzt sind“, hieß es. Vom WDR war zunächst keine Antwort auf die Frage zu erhalten, auf welchem Firmengelände konkret die Bilder gemacht wurden.

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