Industriegeschichte in der Region: Schmitz-Mertens röstet in Troisdorf seit fast 150 Jahren Kaffee

Industriegeschichte in der Region : Schmitz-Mertens röstet in Troisdorf seit fast 150 Jahren Kaffee

Dem Troisdorfer Unternehmer Wolfgang Schmitz-Mertens blickt sein Großvater täglich streng über die Schulter. Das Ölgemälde seines Vor-Vor-Gängers in der Oberlarer Kaffeerösterei hängt in Schmitz-Mertens Büro.

Davor steht der schwere Eichenschreibtisch des früheren Senior-Chefs - mit modernem Apple-Bildschirm. Tradition verpflichet. Schmitz-Mertens führt die gleichnamige Kaffeerösterei immerhin in fünfter Generation.

Die Firmengeschichte reicht zurück bis ins Jahr 1863. Damals übernahm der Vilicher Wilhelm Mertens die Bäckerei in Troisdorf-Spich, in der er sein Handwerk gelernt hatte. Er erweiterte das Geschäft um einen "Spezereihandel" - den Verkauf sogenannten Kolonialwaren.

Kaffee galt damals noch als teure Luxusware. Arme Leute kochten aus den Bohnen eine Suppe mit Brotstücken als Ersatzmahlzeit, die aufputschte und zumindest vorübergehend satt machte. "Die Kunden kauften Rohkaffee, den sie zu Hause in gusseisernen Trommeln im Ofen rösteten", erklärt Mertens Ur-Ur-Enkel.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts legt sich die Spicher Spezereienhandlung einen eigenen Röstofen zu, um ihren Kunden die aufwendige Prozedur zu ersparen. Offenbar mit Erfolg: Mit Schwiegersohn Johann Schmitz verkauft Wilhelm Mertens die ersten Kaffepackungen unter dem Namen Schmitz-Mertens in der Bäckerei in der heutigen Spicher Kochenholzstraße.

Die nächste Generation baut das Geschäft weiter aus. 1909 beantragt Schmitz-Mertens den Neubau einer Kaffeerösterei am heutigen Firmenstandort an der Troisdorfer Boschstraße beim "wohllöblichen Bürgermeisteramt Sieglar" wie aus einer alten Urkunde hervorgeht. 1914 gehen die "Rheinischen Kaffee-Röst-Werke" in Betrieb.

Alte Briefbögen des Unternehmens ziert ein Stich des neuen Firmengebäudes in "Spich bei Cöln" - samt Gleisanschluss. Doch die Speicher des Neubaus füllten statt der kostbaren Kaffeebohnen vor allem heimische Feldfrüchte wie Gerste. "Bis in die 1960er Jahre hat das Unternehmen viel Ersatzkaffee produziert, weil reiner Kaffee zu teuer war", sagt Schmitz-Mertens.

Die Rösterei warb für "Mertens kandierter Korn-Kaffee" oder "Schmuko, der feine Kaffee-Ersatz" - die Abkürzung steht für Schmitz Mertens & Co. Malz und Zichorie dienten als Grundstoff. In die etwas hochwertige "Melange" mischten die Spicher zu stark oder zu wenig gereifte Kaffeebohnen, die aus dem reinen Kaffee aussortiert wurden.

Denn die Mischungen waren bis 1968 im Wortsinne handverlesen. Arbeiterinnen standen an speziellen Tischen mit Fließbändern und verteilten die einzelnen Bohnen je nach Qualität.

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