Vorwahlen in den USA: Der Kampf um die Frauen beginnt

Vorwahlen in den USA : Der Kampf um die Frauen beginnt

Donald Trumps Siegeszug auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur der Republikaner scheint kaum zu stoppen. Jetzt schießt er sich mit Beleidigungen auf seine wahrscheinliche demokratische Konkurrentin Hillary Clinton ein.

Der Gesichtsausdruck von Mary Pat Christie am Dienstagabend in New York war einer für die Geschichtsbücher. Donald Trump, der große Triumphator bei den Vorwahlen im Nordosten, hatte gerade das Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur de facto für beendet erklärt, als wieder einmal die Pferde mit dem Meister der ambulanten Demütigung durchgingen.

„Ehrlich, wenn Hillary Clinton ein Mann wäre, würde sie bei der Wahl nicht einmal fünf Prozent der Stimmen bekommen“, sagte der Bau-Milliardär mit Blick auf seine designierte Konkurrentin bei der Wahl am 8. November. „Das einzige Pfund, mit dem sie wuchert, ist die Frauenkarte.“

Mary Pat Christie, vierfache Mutter, resolute Bankerin und Gattin des mit wehenden Fahnen ins Trump-Lager übergewechselten Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie, stand direkt hinter Trump, und ließ durch ihre Mundwinkel erkennen, was weibliche Wähler in den USA bei Meinungsforschern seit Monaten zu Protokoll geben: Trump, der zum dritten Mal verheiratete Unternehmer und selbst ernannte Frauenversteher, gilt außerhalb des Spektrums konservativer Wutbürger als unwählbarer Sexist und Macho.

Daran ändert auch die komfortable Ausgangslage nichts, die sich Trump nach den Siegen am Dienstag in Maryland, Connecticut, Delaware, Rhode Island und Pennsylvania erarbeitet hat. Denn gelingt es seinem einzigen Widersacher mit Chancen – Senator Ted Cruz – nicht, Trumps Siegeszug Anfang Mai im ländlich-konservativen Indiana zu verlangsamen, stehen die Chancen gut, dass Trump bis zum Parteitag im Juli in Cleveland die zur Nominierung nötigen 1237 Delegiertenstimmen sicher haben wird. Alle Planspiele des Partei-Establishments, Trump durch eine Kampfabstimmung in letzter Minute zu verhindern, wären dann Schall und Rauch.

Hillary Clinton scheint sich bereits darauf einzustellen, bei der ersten Fernsehdebatte im September auf Trump zu treffen. Ihre Botschaft: Nicht radikale Spalter bringen Amerika nach vorn, nur ein Versöhner (besser: eine Versöhnerin) kann das Land einen. Clinton braucht bei den restlichen Vorwahlen nur noch rund 20 Prozent der zu vergebenden Stimmen. Ihr Konkurrent Bernie Sanders, der nur in Rhode Island gewann, müsste dagegen fast 80 Prozent gewinnen – aussichtslos.

Das gilt aus heutiger Sicht auch für Trumps Reputation unter weiblichen Wählern. Nach einer Gallup-Untersuchung bezeichneten über Parteigrenzen hinweg 70 Prozent der Frauen das Bild, das sie von Trump gewonnen haben, als „unvorteilhaft“. Sogar 46 Prozent der republikanischen Wählerinnen sehen das so. Käme es heute zu einem Duell Clinton gegen Trump, genießt die frühere Außenministerin bei verheirateten Frauen einen Vorsprung von 20 Prozentpunkten. Bei unverheirateten Frauen sind es sogar 50 Punkte.

Trumps Ausfälle seit Beginn seiner Kandidatur im Sommer 2015 sind in demokratischen Zirkeln bestens dokumentiert und „längst in unsere Strategie für die heiße Phase des Wahlkampfes eingebaut“, wie ein Clinton-Sprecher dieser Zeitung bestätigte. Den Auftakt machte Trumps Dauerfehde mit Megan Kelly, dem Star des konservativen Fernsehsenders Fox News. Nachdem Kelly ihm vorgehalten hatte, dass er Frauen mit Schmäh-Etiketten wie „Hund“, „Bimbo“, „ekelhafte Tiere“ und „fette Schweine“ belegt, ging Trump auf Rachefeldzug. Er beleidigte Kelly als „vollkommen überschätztes Püppchen“ und erklärte ihre kritische Haltung ihm gegenüber öffentlich mit Menstruationsbeschwerden.

Auch vor Mitbewerberinnen scheute er nicht zurück. Carly Fiorina, ehemalige Managerin des Computerriesen HP und bis vor kurzem Kandidatin, sei schon aus optischen Gründen nicht präsidiabel. „Glaubt ihr wirklich, dass man mit diesem Gesicht gewählt werden kann?“, fragte Trump in einem Interview. Clinton ist für ihn „die schlechteste Außenministerin in der Geschichte Amerikas“ – schlicht „ein einziges Desaster“.

Nach jedem sexistischen Aussetzer drehte der Milliardär bei und schickte Tochter Ivanka und Gattin Melanie vor, um ein gutes Wort für ihn einzulegen. Bis zur nächsten Entgleisung. Für die künftige Auseinandersetzung verspricht er Attacken neuer Qualität. „Ich habe mir Hillary Clinton noch gar nicht richtig vorgeknöpft.“ Trump wird versuchen, seine wahrscheinliche Konkurrentin für die präsidiale Sexaffäre ihres Mannes Bill mit der damaligen Praktikantin Monica Lewinsky 1995 verantwortlich zu machen. „Auf die Frauenkarte zu setzen mit einem Ehemann, der eine schreckliche Bilanz von Frauenmissbrauch hat, wird nicht funktionieren“, hatte Trump bereits im Dezember gesagt.

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