Beethovenhalle in Bonn: World Doctors Orchestra gastiert für ein Benefizkonzert

Beethovenhalle in Bonn : World Doctors Orchestra gastiert für ein Benefizkonzert

Der römische Feldherr Coriolan, den Beethoven in seiner Coriolan-Ouvertüre charakterisiert, begeht Selbstmord. Zum Programm seiner sinfonischen Dichtung "Tod und Verklärung" hat Richard Strauss unter anderem notiert: "Der Kranke im Schlummer", "Grässliche Schmerzen", "Die Todesstunde". Ein bisschen kurios mutete es schon an, dass sich das World Doctors Orchestra für sein Benefizkonzert beim Beethovenfest ausgerechnet soviel schmerzbelastete Musik in Todesnähe ausgesucht hatte.

Gleichwohl: Die 100 Mediziner aus 20 Ländern, die sich einmal im Jahr zur Orchesterarbeit treffen, leisteten Großartiges; das Niveau dieses Ensembles liegt weit über dem, was man von musizierenden Laien erwarten darf.

Das markante Streicher-Unisono und die wuchtigen Tuttischläge zu Beginn der Coriolan-Ouvertüre kündigten schon an, dass dieses Orchester "voll Kraft und Feuer" - so eine zeitgenössische Coriolan-Kritik - zur Sache gehen kann. Dirigent und Orchester-Gründer Stefan Willich, Medizinprofessor und Rektor der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin, führte sein Ensemble zu einer dramatisch-bewegten Interpretation.

Erst recht in Höchstform präsentierte man sich beim opulent orchestrierten Strauss-Klanggemälde. Willich sezierte sozusagen die Partitur äußerst genau, machte sie durchhörbar, schuf kluge Übergänge und hymnische Steigerungen. Das alles hatte bemerkenswertes Format, das bekräftigt wurde in den klangschönen Solo-Episoden der Holzbläser und erst recht im exzellenten Spiel der Konzertmeisterin.

Die musizierenden Mediziner aus aller Welt beließen es an diesem Abend freilich nicht bei Schmerz und Tod, sondern zeigten sich beim restlichen Programm durchaus dem Leben zugewandt. Für Arien von Händel, Gluck und Purcell sowie ein spanisch inspiriertes Ständchen von Michail Glinka hatte man den Countertenor Jochen Kowalski als Solisten gewonnen. Der Sänger mit der Alt-Stimme fasziniert nach wie vor mit brillanter Geläufigkeit - und ist zudem der geborene Entertainer auf der Bühne, was er mit dem hübsch verruchten "Ich lade gern mir Gäste ein" aus der "Fledermaus" von Johann Strauß nachdrücklich unterstrich.

Am Ende schließlich wurde es richtig unterhaltsam und fetzig, mit einigen aufs große Orchesterformat gezogenen Jazz-Klassikern wie "What a Difference" oder "Night and Day", bei denen die Jazz-Sängerin und -Pianistin Donna Brown reichlich Gelegenheit hatte für den virtuosen Einsatz ihrer rauchigen Stimme. Das Ganze changierte schön zwischen Club-Atmosphäre und Hollywood-Glamour.

Der Reinerlös des Abends geht an das Hilfsprojekt Dentists for Africa und an den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche Bonn. Bedauerlicherweise war die ohnehin recht locker bestuhlte Beethovenhalle allenfalls zur Hälfte gefüllt. Der Begeisterung des Publikums tat das freilich keinen Abbruch.