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Bobby McFerrin und Chick Corea in der Kölner Philharmonie: Alterslose Legenden

Bobby McFerrin und Chick Corea in der Kölner Philharmonie : Alterslose Legenden

So wie bei der Westdeutschen Konzertdirektion Kammermusikabende eher eine Ausnahme sind, bietet der Kontrapunkt-Veranstalter nur selten etwas aus dem sogenannten U-Musik-Bereich an. Allerdings war Giora Feidman schon einige Male zu Gast.

Nun gab es mit Bobby McFerrin und Chick Corea den Auftritt von zwei legendären Jazz-Größen, die solche auch bleiben, obwohl sich beide hier und da auch im klassischen Sektor tummeln. Chick Corea sagte mal in einem Interview: "Je älter ich werde, desto mehr interessiere ich mich für Beethoven, Mozart, Scarlatti und Bach, aber auch für den brasilianischen Komponisten Alberto Ginastera oder den Franzosen Henri Dutilleux."

Das mit dem Älterwerden ist für beide Künstler offenkundig kein Problem, aber faktisch natürlich erkennbar. Am wenigsten bei dem 74-jährigen Pianisten, der im Grunde alterslos wirkt. Die Bewegungen des jüngeren Bobby McFerrin aber sind mittlerweile schon etwas gemessen, was freilich auch vom Naturell her bedingt sein mag und seinen individuellen Charme ausmacht.

Auf seine Stimmakrobatik und sein musikalisches Feuer wirkt sich das ohnehin nicht aus. Überhaupt dürften die beiden Jazzer Jüngere noch leicht in die Tasche stecken. In der Philharmonie waren sie "Together again", so das Motto des Abends. Wie oft sie schon gemeinsam auf der Bühne standen, müsste erst einmal eruiert werden. Für ihr von Improvisation stark bestimmtes Musizieren war und ist das aber zweifelsohne vorteilhaft und inspirierend. Das Minenspiel der beiden, ihr gestisches Hin und Her zeigte an, dass vieles an diesem Abend wirklich aus dem Stegreif entwickelt wurde.

Auch der Umgang mit dem Publikum wirkte (obwohl vorab sicher ein wenig verabredet) spontan und wie aus guter Laune heraus gestaltet. Zunächst gab es von einer Dame aus den vorderen Sitzreihen ein immer sicherer werdendes Solo zu hören, später ließen Chick Corea und Bobby McFerrin das gesamte Publikum an ihrer Darbietung chorisch teilhaben, wobei der Reaktionsfähigkeit ein wirklich großes Kompliment zu machen ist. Höhepunkte aber waren zweifelsohne die beiden smarten Jungs, welche zuletzt das Podium erklommen. Der eine dialogisierte virtuos mit Corea am Klavier, der andere duettierte mit McFerrin in tiefsten und höchsten Tönen. Das war schon eine tolle Sache, und der Saal tobte.

Ohne Zugaben konnte dieser Gute-Laune-Abend natürlich nicht enden. Die Zuhörer zeigten sich überglücklich, die beiden Künstler inszenierten einen großen Abgang.