Ausstellung im Schloss Sinzig: Die Sinziger Juden sind nicht vergessen

Ausstellung im Schloss Sinzig : Die Sinziger Juden sind nicht vergessen

Die Ausstellung „80 Jahre Reichspogromnacht“ ist jetzt im Schloss Sinzig zu sehen. Rudolf Menacher hat sie im dortigen Heimatmuseum aufgebaut.

Zum Gedenken „80 Jahre Reichspogromnacht“ hat Rudolf Menacher im Heimatmuseum Schloss Sinzig eine kleine Ausstellung unter diesem Titel zu den einst in Sinzig lebenden Juden aufgebaut. Menacher, der mit Hans Ulrich Reiffen das Buch „Knoblauch und Weihrauch – Juden in Sinzig“ verfasste, versteht die übersichtliche Präsentation als „Geste, dass die damals hier ansässigen Menschen jüdischen Glaubens, ihre Verfolgung und Ermordung nicht vergessen sind“.

Im Erdgeschoss zeigt die Hochvitrine einige der raren verbliebenen Gegenstände jüdischer Einwohner: eine Sabbatlampe, einen Sederteller für die Speisen am jüdischen Pascha-Fest und die Gebäckschale von 1923, ein Präsent des Kaufhauses Leo Friesem, Ausdorferstraße 10, zur Neueröffnung nach einem Umbau. Die Sinziger Synagoge befand sich von 1867 bis 1939 in der Martelsburg. Sie ist als Modell und in Fotos dargestellt.

In der Wandvitrine geht es um die Vernichtungslager. Man sieht Theresienstadt, die „Große Festung“ im heutigen Zustand, wo sich von 1941 bis 1945 das jüdische Ghetto mit bis zu 58 000 internierten Juden befand. Daneben hängt ein Deportationsdokument über Juden aus Sinzig. „Nachgenannte Juden sind am 26. April 1942 ausgewandert“ steht über zwölf aufgelisteten Personen, als hätten sie aus freien Stücken den Wohnort gewechselt.

Ausstellung bis Januar geöffnet

An den beiden Stellwänden begegnet man den Opfern aus Sinzig. Auf einem Plan sind die Wohnhäuser in der Kernstadt markiert. Aus Fotos blickt einem die Familie Isaak Meyer entgegen, zwischen seinen Eltern Sohn Karl. 1930 in Remagen geboren, wurde der Junge 1942 mit den Eltern nach Krasniczyn deportiert und vermutlich im Vernichtungslager Sobidor ermordet.

Unter den Porträts erscheint auch Bernhard Gottschalk aus Bodendorf, 1942 in Treblinka ermordet, beim Abschluss eines Handels mit dem Landwirt Christian Neukirchen. Man sieht Rosa Wolff aus der Judengasse 20, deportiert nach Krasniczyn, verschollen und für tot erklärt sowie Julius Meyer aus der Bahnhofstraße, heute Barbarossastraße, 1939 in Belgien. Meyer ist auf dem Todesmarsch nach Dachau umgekommen.

Die Ausstellung im Sinziger Schloss ist ab sofort bis Januar 2019 geöffnet: donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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