Benedikt Müntnich referiert in Niederzissen: Altabt: Die Migration fordert uns heraus

Benedikt Müntnich referiert in Niederzissen : Altabt: Die Migration fordert uns heraus

Altabt Benedikt Müntnich entete große Aufmerksamkeit für seinen Vortrag in Niederzissen. Der Altabt referierte beim zehnten Neujahrsempfang des Kultur- und Heimatvereins und schnitt dabei auch das Thema Migration an.

Der Kultur- und Heimatverein Niederzissen (KHV) hatte zum zehnten Neujahrsempfang die Einwohner des Ortes und der Umgebung eingeladen, die sich für die Belange des kulturellen und dörflichen Miteinanders einsetzen. Im Mittelpunkt der beliebten Begegnung stand wieder ein Vortrag aktuellen Interesses, diesmal von Altabt Benedikt Müntnich aus Maria Laach über „Die Kirche im Dorf lassen – Was ein Gemeinwesen zusammenhält“.

Der Redner wusste sein Publikum im vollen Saal der Bausenberghalle zu fesseln. Müntnich, der von 2002 bis 2014 die Benediktinerabtei leitete und deren weltliche Öffnung vertreten hatte, machte die Kirche im Dorf als identitätsstiftend aus. „Unsere Identität ist christlich-jüdisch. Wir sind Teil des Abendlandes, wobei sich da derzeit massiv etwas ändert“, stellte er fest und fragte, „im Sinne eines Identitätsverlustes oder einer Neufindung oder Wiedergewinnung?“ Europa sei „alt und müde, schwach an Überzeugung und ethisch moralisch“. Es habe Zeiten der Toleranz gegeben, aber aus Toleranz drohe Beliebigkeit zu werden, mit der man dauerhaft nicht leben könne. „Echte Toleranz setzt ja einen Standpunkt voraus“, plädierte Müntnich für eine Besinnung auf den Glauben. So habe Sayeeda Warsi, Ministerin im Kabinett Cameron, eine Muslima, betont, Europa müsse sich seines Christentums wieder sicherer werden. Schriftsteller Michel Houllebecq, der in seinem neuen Roman „Serotonin“ mit dem Liberalismus abrechne, bezeichnete die Religion als „Motor der Gemeinschaftsbildung“.

Ein ehrgeiziges Unterfangen

Es gelte nicht, „gute alte Zeiten“ heraufzubeschwören, da Religion oft pure Konvention und Mitlaufen gewesen sei. Doch lägen in ihr die Wurzeln jedes Gemeinwesens, gab der Redner mit Blick auf alte Kulturen in China, Japan, Indien, buddhistischen Ländern und der arabischen Welt zu bedenken. „Offenbar sind wir Menschen so angelegt, dass wir eine tiefere Motivation für unser Leben brauchen. Was ist zu tun?“ Der Altabt regte an, selbstständig über die wesentlichen Fragen des Lebens nachzudenken, Werte wie Vertrauen, Menschlichkeit, Freundschaft wiederzugewinnen. Er empfahl, „die Pflege dessen, was im tiefen Sinne schön ist“, Natur, Kunst, menschliche Beziehungen, die Schönheit gewachsener Dörfer und des christlichen Glaubens. Er befürwortete „das Mitarbeiten an der einen Welt“. Die Migration fordere uns heraus, „auch und gerade in unseren kleinen Lebensräumen“. Diese will er entgegen einer Fusion von Landkreisen geschützt sehen, da er mit Malu Dreyer in den Gemeinden „Keimzellen des Ehrenamtes“ sieht, mit „Kümmerern vor Ort“.

Zu den Kümmerern zählt natürlich der KHV, dessen Vorsitzender Richard Keuler von jährlich 1500 Besuchern des „Leuchtturmobjektes“ ehemalige Synagoge und Jüdisches Museums berichtete. Jüngst hatte der Verein auf dem Jüdischen Friedhof die neue Platte im Grabstein Jeanette Bergers übergeben. Auch war von Koblenz ein Grabstein zurückgeholt worden, „der vor allem der Familie Friesem einen Ort gibt, um ihrer Urahnin Goedchen Heymann zu gedenken“.

Keuler, der eingangs zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft sowie Vertreter des KHV, des Fördervereins und befreundeter Vereine aus Ahrweiler, Königsfeld, Sinzig und Wehr willkommen geheißen hatte, dankte den Aktiven des Reparatur-Cafés und den Junggesellen. Sie transportierten Archivalien und Objekte von Heinz Schröder, nun Besitz des KHV, in die alte Schule, wo am 15. März eine neue Abteilung der Museumslandschaft eröffnet. Ortsbürgermeister Rolf Hans und Kreisbeigeordneter Horst Gies dankten auch seitens des Verbandsgemeindenbürgermeisters Johannes Bell und des Landrates den Mitgliedern des KHV „für das herausragende ehrenamtliche Engagement“. Gies rief in Erinnerung, dass der Kreis in den vergangenen Jahren Projekte des Vereins in Höhe von rund 6500 Euro gefördert hat. Hans wies auf das derzeitige Unterfangen „Digitalisierung der ehemaligen Synagoge“ hin, „ein ehrgeiziges Unterfangen, von dessen Gelingen ich schon jetzt überzeugt bin.“

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