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Kommentar zu Hotelplänen in Bonn: Werte nicht verschleudern

Kommentar zu Hotelplänen in Bonn : Werte nicht verschleudern

Am Erzbergerufer in Bonn hat die Stadt ein Filetgrundstück, das sich auf 6700 Quadratmetern neben der Beethovenhalle mit schönstem Rheinblick erstreckt. Doch das Festspielhaus, das dort geplant war, platzte nach endlosen Debatten im Rat. Nun löst die Stadt mit ihren Plänen, dort ein Hotel zu bauen, eine heftige Kontroverse aus.

Auf diesem teuren Stück Bonn am Erzbergerufer neben der Beethovenhalle liegt wenig Segen. Jetzt tobt Streit um den Vorschlag von Oberbürgermeister Ashok Sridharan, das Gelände an einen Hotelinvestor zu verkaufen, weil ein Teil der Ratspolitiker sich dort eher Sozialwohnungen und kulturelle Angebote wünscht.

Finanziell wäre das keine gute Lösung. Es mag herzlos klingen, aber dieses Grundstück ist viel zu wertvoll, um darauf hauptsächlich Sozialwohnungen zu errichten. Eine Stadt mit rund 1,7 Milliarden Euro Schulden ist geradezu verpflichtet, mit ihren Werten wirtschaftlich umzugehen. Deshalb ist Sridharans Vorschlag, das Areal profitabel zu verkaufen und aus dem Erlös den Sozialwohnungsbau an anderer Stelle im Stadtgebiet zu fördern, absolut bestechend.

Am Erzbergerufer könnte es ein Hotel-Investment sein, wenn es tatsächlich eine Angebotslücke bei großen Häusern im Drei-Sterne-Segment gibt. Der heftige Protest der Dehoga muss nicht bedeuten, dass dieser Bedarf nicht existiert – der Verband tendiert sicher dazu, eher die Interessen der Hoteliers zu vertreten, die schon am Markt sind. Und: Konkurrenz gehört zum normalen Geschäftsrisiko (und belebt das Geschäft).

Am Erzbergerufer könnte aber auch renditestarker freier Wohnungsbau stattfinden, durchaus mit obligatorischem Anteil von Sozialwohnungen. Denn eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben dieser Stadt ist, für Wohnraum zu sorgen, den sich der Polizist im mittleren Dienst leisten kann – Bonns Mieten sind so hoch, dass inzwischen auch viele Normalverdiener Anspruch auf eine geförderte Wohnung haben. Für jedes große Neubaugebiet eine Sozialwohnungsquote von 30 Prozent festzusetzen, birgt Tücken – ist aber womöglich der beste Weg.