Diebstähle in Bonn: Autodiebe haben es auf Multivans abgesehen

Diebstähle in Bonn : Autodiebe haben es auf Multivans abgesehen

Autodiebe haben es in Mehlem und Niederbachem auf einen bestimmten Typ abgesehen. Die Polizei verzeichnet am Wochenende in den Stadtbezirken weitere Diebstähle. Allerdings gibt es derzeit keine Hinweise auf gezieltes Vorgehen.

Sabine Drostmann (alle Namen geändert) stutzte sofort, als sie am Samstagmorgen durch das Tor im Vorgarten auf die Straße trat. Der schwarze VW-Bus ihres Mannes Johannes, der immer nachts vor dem Haus in der wenig befahrenen Anliegerstraße in Niederbachem parkt, stand dort nicht mehr. Der VW Bus vom Typ T5 Multivan 2,5, der auch über Allrad verfügt, war weg. Trotz Wegfahrsperre.

An einen zufälligen Diebstahl seines Wagens, den ein „Texel“-Aufkleber ziert, mag Johannes Drostmann nicht glauben. Vielmehr vermutet er eine gezielte Diebestour, zumal der Multivan seinen Informationen nach bei Langfingern hoch im Kurs steht. Dass offenbar Profis am Werk waren, ist zu vermuten, zumal niemand etwas von dem nächtlichen Aufbruch bemerkte. Ein Bewohner schlief sogar nur wenige Meter entfernt von dem geparkten Bus im Haus. Schleierhaft ist Drostmann, „wie die Diebe auf mein Fahrzeug aufmerksam geworden sind“. Er erstatte Anzeige bei der Polizei. Sie blieb nicht die einzige.

In der Nacht zum Montag verschwand nur wenige Kilometer Luftlinie von Niederbachem entfernt in Mehlem ein weiterer Multivan. Dort hatte Iris Berthold am Sonntagabend ihren 131 PS- starken VW T5, Farbe graumetallic, abgestellt. Für die Besitzerin von zwei Hunden, darunter ein großer Landseer, war der Bus mit dem großen Aufdruck „Landseer und Flocke“ als Beförderungsmittel unentbehrlich. Auch in der eher ruhigen Einbahnstraße ging der Diebstahl unbemerkt über die Bühne.

„Um 5.45 Uhr hatte eine Nachbarin, vor deren Schlafzimmer der Bus geparkt war, beim Öffnen der Rollos gedacht: Oh, sind die Bertholds schon mit dem Bus unterwegs?“ Doch nicht die Bertholds waren mit ihrem Bus unterwegs, sondern Autodiebe. „Trotz Wegfahrsperre und Alarmanlage“, staunt Andreas Berthold. Auch das Ehepaar rätselt, „wie die Diebe auf uns gekommen sind“. Iris Berthold hält es für möglich, „dass uns die Täter vielleicht von einem Supermarkt aus gefolgt sind“.

Auf Marken spezialisierte Autodiebe

Familie Berthold wie auch Familie Drostmann würden sich gerne einen neuen Multivan kaufen. Allerdings drängen sich ihnen zwei Fragen auf: Was bekommen wir von der Versicherung ersetzt? Den Zeitwert oder den Wiederbeschaffungswert der auf dem Gebrauchtwagenmarkt sehr hoch gehandelten Fahrzeuge? „Natürlich haben wir die Befürchtung, dass uns der nächste Multivan auch geklaut wird“, sagt Andreas Berthold.

„Insbesondere die T4 und T5 Multivan-Modelle sind begehrte Fahrzeuge für Autodiebe“, weiß Simon Rott, Sprecher der Bonner Polizei. Auch das „geräuschlose Öffnen durch Manipulationen am Türschloss“ sei bekannt. Techniken, die dabei gelegentlich angewendet würden, seien laut Rott Nachschlüssel oder das sogenannte Lockpicking. Dabei öffnen Diebe das Auto ohne einen Schlüssel, indem sie mechanische Ungenauigkeiten eines Schlosses nutzen.

Autodiebstähle

Womöglich war vergangenes Wochenende eine Bande im Bonner Raum gezielt auf Beutezug. Denn in der Nacht von Freitag auf Samstag ist in Tannenbusch ein Mercedes Sprinter verschwunden, 24 Stunden später ein Sprinter 211 CDI, der in der Weststadt geparkt war. Ob es Tatzusammenhänge gibt, werde laut Rott geprüft. Er rät aber dazu, die Fälle der gestohlenen Multivans gesondert zu betrachten. Indes, dass eine Bande in Bonn unterwegs war, dafür liegen der Polizei „keine konkreten Hinweise vor“, so Rott. Mit Blick auf die Fallzahlen sei es auch „kein bemerkenswertes Wochenende gewesen“. Aber der Polizeisprecher sagt auch: „Nach polizeilichen Erkenntnissen aus den vergangenen Jahren sind vor allem Banden aus Osteuropa unterwegs, die es auf hochwertige Fahrzeuge und Nischenfahrzeuge wie den T4 und T5 abgesehen haben.“

Daher empfehle man Haltern grundsätzlich, solche Fahrzeuge mit einer Wegfahrsperre und einer Alarmanlage zu sichern. Da dies in Mehlem auch nicht half, sieht Rott „Garagen und gesicherte Parkplätze“ als Alternative. Statt gezielt Multivan-Halter zu warnen, setzt Rott auf Medienveröffentlichungen, „die darauf hinweisen, dass hier ein Problem besteht“.

Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise unter 0228/150.

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