Projekt gefährdet Tierheim: Tierschutzverein erwägt Klage gegen A565-Neubau

Projekt gefährdet Tierheim : Tierschutzverein erwägt Klage gegen A565-Neubau

Für die anstehende Sanierung des Tausendfüßlers wird ein Teil des Geländes des Albert-Schweitzer-Tierheims benötigt. Der Trägerverein ist besonders ärgerlich darüber, dass bisher noch niemand über eine mögliche Lösung gesprochen hat.

Teddy, Puszta, Dilara und Chico haben sich unter einem Baum verkrochen. Noch vor wenigen Tagen litten die temperamentvollen Mischlinge unter den Hundstagen, und jetzt hat der Regen überall den Boden aufgeweicht. Einen kühlen Kopf muss Barbara Töpfer, Leiterin des Albert-Schweitzer-Tierheims und Vorsitzende des Tierschutzvereins Bonn und Umgebung, behalten – und zwar bei jedem Wetter. Denn für die anstehende Sanierung und den Ausbau des Tausendfüßlers – dem Stück der Autobahn 565 zwischen Endenicher Ei und Nordbrücke – werden für eine Teilüberbauung Flächen des Tierheims benötigt, die dem Verein gehören.

Konkret geht es um ein Areal direkt unter der Stadtautobahn. Dort stehen das Quarantänehaus für Katzen, das Taubenhaus und ein Trakt, der erst vor drei Jahren modernisiert wurde. Auch eine Hundeauslauffläche wäre betroffen. „Auf all das können wir nicht verzichten“, erklärt Töpfer. Sie ärgert sich besonders darüber, dass man bisher nicht mit ihr oder dem Verein über eine Lösung gesprochen habe – „obwohl wir mit der Fundtierversorgung auch kommunale Aufgaben erfüllen“. Allein 2016 hat das Albert-Schweitzer-Heim für die Stadt 147 herrenlose Hunde aufgenommen. Zur Zeit werden am Lambareneweg 90 Hunde, 150 Katzen und etwa 400 Kleintiere versorgt.

Für den Tierschutzverein gibt es nur eine Alternative. „Wir brauchen eine Ausgleichsfläche“, sagt Töpfer. Ideal wäre eine Ausdehnung auf das angrenzende Grundstück, das momentan für Schrebergärten genutzt wird und das der Stadt gehört. „Dadurch könnten wir den Bereich, der nicht vom Ausbau der Autobahn betroffen ist, erhalten und Neubauten auf dem benachbarten Gelände errichten“, erklärt sie. „Wir würden das gleiche Angebot bewahren und uns in die entgegensetzte Richtung ausdehnen.“Ein komplett neuer Standort kommt für sie nicht infrage. „Die Lage des Tierheims ist ideal. Hier gibt es in der Nachbarschaft keine Wohnbebauung, daher beschwert sich niemand über Lärm. Außerdem sind wir am Lambareneweg sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.“

Straßen NRW will Planfeststellungsverfahren

Die Zeit drängt. Denn die Betriebszeit für das Bauwerk aus dem Jahr 1959 läuft Ende 2022 aus. Für den sechsspurigen Ausbau des Tausendfüßlers will der Landesbetrieb Straßen NRW im ersten Quartal 2019 das Planfeststellungsverfahren einleiten. „Wir brauchen Sicherheit. Wir müssen endlich wissen, wie es hier weitergeht“, fordert die Chefin des Tierheims. Zwar sei man an einer einvernehmlichen Lösung interessiert, aber „zur Not klagen wir“, gibt Töpfer sich kämpferisch. Ein Prozess könnte das Bauprojekt auf Jahre blockieren.

Schnell gelöst werden muss das Problem auch nach Ansicht der Linksfraktion. Auf ihre Initiative hin werden sich der städtische Umweltausschuss (12. September) sowie der Hauptausschuss (20. September) mit dem Thema beschäftigen. „Aus unserer Sicht muss gewährleistet werden, dass die wichtige Arbeit des Tierschutzvereins unterbrechungs- und störungsfrei fortgeführt werden kann“, erklärt Anatol Koch den Vorstoß seiner Fraktion. Die Stadt müsse ein ureigenes Interesse haben, dem Tierschutzverein eine Weiterführung der Arbeit zu ermöglichen. „Wie soll die städtische Aufgabe der Fundtierversorgung für das Stadtgebiet sichergestellt werden, wenn es dem Trägerverein nicht möglich ist, rechtzeitig geeignete Ausweichflächen nutzen zu können?“

Dass ein Bereich des Tierheims „wahrscheinlich“ vom Autobahnausbau betroffen ist, davon geht auch die Stadt aus. „In welchem Maße das Tierheim Einschränkungen unterliegen soll, lässt sich noch nicht sagen, weil die endgültige Planung von Straßen NRW noch nicht vorliegt“, sagte Markus Schmitz vom Presseamt auf Anfrage. Unabhängig davon bringe sich die Verwaltung schon jetzt ein. „Die Stadt steht in Kontakt mit Verantwortlichen des Tierheims und von Straßen NRW, um frühestmöglich verschiedene Möglichkeiten zu prüfen, wie reagiert werden kann.“

Straßen NRW will das Planfeststellungsverfahren abwarten. „Erst danach wissen wir, welche Bereiche genau betroffen sind“, erläutert Tobias Zoporowski. Allerdings sei man sowohl mit der Stadt als auch mit dem Tierheim in Gesprächen. Derzeit geht der Straßenbetrieb davon aus, dass die Arbeiten am Tausendfüßler 2020/ 2021 beginnen werden.

Für Töpfer und ihr Team muss es jetzt schnell gehen. „Das Problem brennt uns unter den Nägel. Unsere Mitarbeiter müssen wissen, wie es weitergeht, und vor allem müssen wir dafür sorgen, dass unsere Tiere bestens untergebracht werden.“

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