Schöne Bescherung am Beueler Rheinufer

Visuelle Entfaltung: Die beiden hochbeinigen Stühle namens "Die Wächter" stehen seit kurzem am Beueler Rheinufer.

BEUEL. Das Kunstwerk "Die Wächter" ist vom Beueler Rathaus ans Rheinufer versetzt worden. Dort ist es nun von hinten zu sehen.

Als vergangene Woche die ersten Bauarbeiter erschienen und zunächst mal ein Dixi-Klo aufstellten, ahnten Jogger, Hundeausführer und Anwohner der unteren Rheinaustraße schon, dass hier bald Größeres geschehen würde.

Aus der Ahnung wurde Gewissheit, als anrückende Pritschenwagen, Tieflader, Bagger und Hubwagen tiefe, schlammige Furchen im öffentlichen Rasen des Miniaturparks hinterließen, weitere Arbeiter einen Bauzaun errichteten, eine 16 Quadratmeter große Grube aushoben und mit Beton füllten, in der besinnlichen Vorweihnachtszeit hämmerten und schweißten, um an jener Stelle, wo der Bröltalbahnweg auf das Rheinufer trifft, ein stählernes Monstrum aufzustellen: ein klotziges, sechs Meter hohes, sieben Meter breites und schon arg verwittertes Gestänge, das der kleinen, grünen Lunge des Combahnviertels nun den Charme einer Industriebrache verleiht.

Vom Adenauerplatz ans Rheinufer

Aufmerksame GA-Leser unter den Anwohnern kombinierten gleich richtig, dass es sich bei dem metallenen Monstrum keineswegs um ein neues, weithin sichtbares Verkehrszeichen für die internationale Binnenschifffahrt handelt, sondern - um Kunst. Um eine Großskulptur namens "Die Wächter", eine Dauerleihgabe des Künstlers Lars Ulrich Schnackenberg an die Stadt Bonn. Die Wächter bewachten die vergangenen zehn Jahre den Springbrunnen hinter dem Beueler Rathaus am Adenauerplatz, mussten aber vergangene Woche weichen, um dort einem größeren Bauvorhaben Platz zu machen.

Die Wächter! Was will uns der Künstler damit sagen? Stilisierte Hochsitze, gleichsam hochbeinige Stühle sollen den Betrachter an die Hochwassergefahr erinnern, heißt es. Nun brauchen ausgerechnet die Bewohner der Rheinaustraße nicht an die Gefahren des Hochwassers erinnert zu werden, vielmehr wollen die Bewohner dieser Straße überhaupt nicht täglich an Hochwasser erinnert werden. Die Dreidimensionalität des Objekts und damit seine Sinnhaftigkeit erschließt sich dem Betrachter zudem nur von vorne und in gebührendem Abstand, also vom Wasser oder vom Bonner Ufer aus, während die Beueler mit der einem Baugerüst ähnelnden Kehrseite vorlieb nehmen dürfen.

Ist das Monstrum womöglich ein Weihnachtsgeschenk?

Aber das ist man ja schon vom Bröckemännche so gewöhnt. Als gäbe es im Beueler Rheinauenpark nicht Platz satt, um einer Monumental-Skulptur Raum zur visuellen Entfaltung zu geben. Die Anwohner rund um das Monstrum, ohnehin von den allnächtlichen, musikalisch untermalten Open-Air-Partys alkoholisierter Jugendlicher vor ihren Schlafzimmerfenstern entnervt, warten nun aufs Frühjahr und rechnen mit dem Moment, wenn der erste kletterfreudige Betrunkene morgens um zwei kopfüber in die Tiefe stürzt.

Übers Internet erfahren wir, dass der Künstler (O-Ton: "Kunst sind Momente der Zeitgeschichte sowie ich ein Moment der Kunst bin") 1948 in Bayern geboren wurde, 1990 ins Rheinland zog und seit 2005 eine Professur an der Alanus Hochschule in Alfter innehat. Nicht im Internet, sondern auf der Straße ist zu erfahren, dass die Schwiegermutter des Künstlers nur einen Steinwurf vom Kunstwerk entfernt wohne. Das eröffnet natürlich Spekulationen Tür und Tor: Ist das Monstrum womöglich ein Weihnachtsgeschenk des Schwiegersohns, überbracht mit freundlicher und finanzieller Hilfe der Stadt Bonn? Schöne Bescherung!