Interview: Wie Markus Anfang die Mannschaft des 1. FC Köln führen will

Interview : Wie Markus Anfang die Mannschaft des 1. FC Köln führen will

Markus Anfang steht ab der kommenden Saison als Cheftrainer an der Seitenlinie des 1. FC Köln. Am Montag schaute er erstmals am Geißbockheim vorbei und nahm sich die Zeit für ein Interview.

Markus Anfang macht den Kaffee höchstpersönlich und serviert ihn stilecht im Becher mit dem Geißbock. Der neue Trainer des 1. FC Köln schaute am Montag das erste Mal am Geißbockheim vorbei. Ein Antrittsbesuch und die Gelegenheit für Martin Sauerborn ein Gespräch mit dem 43-Jährigen zu führen.

Herr Anfang, am Sonntag Verabschiedung in Kiel, am Montag erster Tag im Geißbockheim. Eine Wohnung mussten Sie aber nicht suchen, oder? Ihre Familie ist im Kölner Norden Zuhause.

Markus Anfang: Ich habe eine Bleibe in der Nähe der Familie. Ich war auch schon bei meiner Mutter zum Kaffeetrinken.

Sie stammen aus Seeberg?

Anfang: Ja und ich habe beim KSV Heimersdorf zehn Jahre lang in der Jugend gespielt.

Trainer war in dieser Zeit Ihr Vater Dieter. Wie hat diese Zeit Ihre Karriere geprägt?

Anfang: Den Vater als Trainer zu haben, ist auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite aber auch schwierig. Meine Schwester und meine Mutter sind schon mal mit dem Teller vom Essen aufgestanden, wenn wir über Fußball diskutiert haben. Mein Vater ist durch und durch Fußballer. Er hat selbst gespielt, mich überall hin mitgenommen und ich habe draußen auf dem Ball gesessen. Er hat mich sehr geprägt.

Was ist besonders bei Ihnen hängen geblieben?

Anfang: Das immer das Menschliche überwogen hat. Man kann das natürlich nur eingeschränkt auf das Profigeschäft übertragen, aber mir ist schon wichtig, dass hinter dem Sportler und seine Leistungen ein Mensch steckt. Ich habe meine Aufgabe als Trainer und muss letztlich entscheiden, wer spielt. Egal, ob ich ihn als Mensch mag. Und der Spieler hat auch seine Aufgabe als Spieler. Meine Entscheidungen dürfen nichts damit zu tun haben, was für ein Mensch der Spieler ist.

Das ist sicher ein schmaler Grat, der viel Gefühl für die richtige Balance erfordert?

Anfang: Viel hängt aber davon ab, wie der Gegenüber mit dieser Philosophie umgeht. Ich bin nie böse, wenn der Spieler mal sauer auf mich ist. Ich war selbst Spieler und auch nicht immer zufrieden mit meinen Trainern. Wenn ein Spieler aber bestimmte Rahmenbedingungen nicht einhält, die die Mannschaft betreffen, distanziert er sich zwangsläufig vom Team. Er entscheidet ganz allein, ob er Teil dieser Mannschaft sein will. Er darf der Mannschaft nicht schaden.

Wie gehen Sie mit Spielern um, die sich nicht an diese Bedingungen halten?

Anfang: Ich erinnere sie an unsere Aufgabe und erkläre, was ihr Verhalten mit der Mannschaft machen kann. Sie steht über allem, deswegen betreiben die Jungs alle Mannschaftsport. Aber jeder auch braucht Leute von außen, die ihn mal auf die Wirkung seines Verhaltens aufmerksam machen. Ich brauche einen Spieler nicht zu bestrafen, denn die Konsequenz seines Verhaltens trägt er am Ende ganz alleine.

Bei Holstein Kiel hat diese Philosophie gut funktioniert.

Anfang: Die Spieler hatten Freiräume und durften vieles selber regeln. Es ist wichtig, dass bei Problemen ein interner Reinigungsprozess einsetzt. Wenn der Trainer einschreiten muss, gibt es meistens wenig Positives. Es ist wichtig, dass die Jungs mit sich umgehen können. Das hat in Kiel gut funktioniert und wir als Trainer haben es begleitet.

Sind diese Prozesse Eins-zu-Eins auf den 1. FC Köln übertragbar?

Anfang: Es wird hier passende Prozesse brauchen. Das Wichtigste ist, dass die Spieler von dem überzeugt sind, was sie machen. Wenn wir sie sportlich auf den Weg bringen und sie merken, dass wir ihnen helfen, sind sie auch von den anderen Dingen überzeugt.

Als Spieler haben Sie so ziemlich alles erlebt, was ein Spieler erleben kann.

Anfang: Ich habe Abstiege, Aufstiege, Meisterschaften, Suspendierungen und Konkurse als Spieler erlebt. Was ich aus allen Situationen mitgenommen habe, war der Umgang miteinander. Wie werde ich wahrgenommen, wie vom Trainer verstanden. Meine eigenen Erfahrungen sind das Wichtigste für meine Arbeit. Ich möchte die Spieler da abholen, wo sie gerade sind und dafür muss ich mich in ihre Situation reinversetzen.

Die Spieler in Köln haben ein schweres Jahr hinter sich. Wo müssen Sie sie abholen?

Anfang: Egal, welche Erfahrungen man gemacht hat, man startet jedes Mal wieder bei null und muss sich neu beweisen. Es ist wie ein leeres Buch und wir fangen jetzt an die Geschichte für dieses Jahr zu schreiben. Wir müssen die Spieler nach dieser negativen Saison in der Vorbereitung nach und nach positive Erlebnisse verschaffen. Wir haben eine neue Herausforderung und der müssen wir uns stellen.

Wie gehen Sie mit den Ereignissen der vergangenen Saison des FC um?

Anfang: Es steht mir nicht zu, diese Saison zu analysieren. Ich werde sicher noch mit Stefan Ruthenbeck sprechen, um das ein oder andere aus seiner Sicht zu hören. Es ist aber eine neue Situation, die auf uns zukommt und damit müssen wir arbeiten.

Wie sieht diese Situation aus?

Anfang: Du musst wissen, was auf dich zukommt und davon überzeugt sein, dass das, was du machst, gut ist und helfen kann. Viel mehr Gedanken muss man sich gar nicht machen. Die 2. Liga ist schwer, das konnte man an Braunschweig und Kaiserslautern sehen, die andere Ambitionen hatten und abgestiegen sind. Diese Wissen nehmen wir mit nach Köln. Wie schwer und ausgeglichen diese Liga ist und wie schwer es ist, Spiele zu gestalten. Da wollen wir unseren eigenen Stil durchdrücken, ein Spiel zu dominieren.

Was erwartet den 1. FC Köln in der 2. Liga?

Anfang: Unterschiedliche Spieltermine und andere Rhythmen, auf die es sich einzustellen gilt. Der FC wird vom ersten Spieltag an der Verein sein, von dem alle anderen sagen, dass er aufsteigen muss. Die Gegner werden sich darauf einstellen, aber bespielen müssen wir sie so oder so. Wir wollen diese Liga annehmen, aber nicht den Fußball, der gespielt wird.

Sie begegnen auch dem Umfeld des 1. FC Köln, dieser Stadt mit Ihren Menschen. Was erwarten Sie?

Anfang: Ich kenne die Kölner. Freud und Leid liegen oft nah beieinander. Der Kölner nimmt nicht alles immer so ernst, ist ein Gute-Laune-Typ und sagt auch mal etwas, was er nicht so böse gemeint hat, wie es ankommt. Ich glaube, ich kriege das gut hin.

Sind Sie typischer Kölner?

Anfang: Ja. Auf allen meinen Stationen haben alle immer gesagt, da kommt die rheinische Frohnatur.

Sie haben mal gesagt, dass Sie sich nicht so wichtig nehmen und andere sagen über Sie, dass Sie sich gut anpassen können. Bedingt das eine das andere?

Anfang: Ich bin nur Teil des Ganzen. Das Wichtigste ist der Verein. Mein Team und ich, wir sind Hilfesteller, die etwas auf den Weg bringen. Genauso wie die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle. Wir wollen, dass alle gerne hierhin kommen, sie mit Spaß begrüßen und mit Spaß verabschieden. Wenn jemand gerne kommt und etwas gerne macht, tut es ihm auch gut und er geht anders an die Themen heran. Wir sind fordernd, aber in einem Rahmen, in dem sich die Spieler wohlfühlen.

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