Graffiti verschönert Bahnhaltestelle

Sprayen im Auftrag der Stadt Sankt Augustin

SANKT AUGUSTIN. Auf Graffiti wird meistens geschimpft. Doch was das Duo Octagon aus der tristen Haltestelle „Sankt Augustin Zentrum“ macht, gefällt den Passanten. Marina Rempel und Johannes Kremer verwandeln den Beton in ein Kunstwerk.

Die Neugestaltung der Bahnhaltestelle „Sankt Augustin Zentrum“ am Huma-Einkaufspark fällt nicht sofort auf. Denn die Siegburger Graffiti-Künstler Marina Rempel und Johannes Kremer, die unter dem Namen Octagon sprayen, integrieren ihre Werke farblich in die Umgebung. Die Arbeiten sind Teil eines städtischen Projekts mit dem Titel „Im Zentrum wird's bunt“.

Auch die bislang grauen Betonwände der Ost-West-Spange erhalten zurzeit, dank des Troisdorfer Malers Josef Hawle, bunte Farben. Immer ist ein Bezug zur Stadt Sankt Augustin vorhanden. Hawle etwa malt markante Bauwerke aus allen Stadtteilen. Octagon hingegen hat den Namen der Bahnhaltestelle „Sankt Augustin Zentrum“ dezent in seine Graffiti eingefügt.

Ihre Motive sind unaufdringlich. Die Bilder auf den beiden Aufzugtürmen, die die Brückenebenen verbinden, sind in Weiß, Grau- und Blautönen gehalten. Die Arbeit an den rund zehn Meter hohen und vier Meter breiten Türme sei eine interessante Abwechslung, sagt Johannes Kremer. Denn sonst besprühe er eher längliche Flächen. Zwischen den geometrischen Elementen auf der Fläche sind Silhouetten von Passanten zu erkennen. „Sie sollen sich in das Geschehen an der Haltestelle einbringen“, sagt Marina Rempel. So warten die gemalten Menschen ebenfalls auf die Bahn und stehen dabei in Gruppen zusammen.

Rot setzt Akzente

Auch die Wände der großen Treppe, die die Gleise in Fahrtrichtung Siegburg und Bonn verbindet, sind mit dezenten geometrischen Elementen verziert. Nur eine Schmuckfarbe fällt in dem Gesamtwerk auf: Einige rote Linien setzen Akzente. „Das Rot dient als Verbindung zu der Farbe der Bahnen und den Stadtwerken Bonn“, erklärt Rempel. „Denn unsere Arbeit soll einen Bezug zu den ein- und ausfahrenden Bahnen haben.“

An der Westseite der Rampe in Richtung Einkaufspark haben die beiden Künstler bereits eine Betonwand in Klinkeroptik besprüht. Unglaublich realistisch wirken die aufgemalten Ziegelsteine. An der Bahnseite arbeiten Rempel und Kremer derzeit an der Darstellung der alten Bröltalbahn. Da diese Bahn einst durch das Augustiner Stadtgebiet gefahren sei, „haben wir uns entschieden, sie hier zu verewigen“, so Kremer. „Dabei benutzen wir Sepiatöne, viel Grau und Braun, um es nostalgisch wirken zu lassen.“ Noch knapp zwei Wochen brauchen sie nach eigener Schätzung, bis alles fertig ist. An den fertigen Bildern haben die Sprayer rund drei Wochen gearbeitet.

Sie wünschen sich, dass Städte und Gemeinden mehr solcher künstlerischen Projekte im öffentlichen Raum auflegen. „Was eine Stadt liebens- und lebenswert macht, ist ihr Angebot an Kultur und Infrastruktur“, sagt Rempel. „Wenn wir an der Bahnhaltestelle arbeiten, kommen sogar ältere Menschen vorbei und geben uns positive Rückmeldungen.“ Sie ist sich sicher: Graffiti sind nicht nur was für junge Menschen.