Kommentar zum Thema Stalking: Ein absurder Zustand

Kommentar zum Thema Stalking : Ein absurder Zustand

Die Täter von Stalking zu finden, wie in dem Fall aus dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, ist für die Polizei nicht leicht. Neue Gesetze verbesseren nun aber die Rechtslage für die Opfer, wie GA-Redakteur Mario Quadt findet.

Fälle von Stalking wie jener aus dem Rhein-Sieg-Kreis lassen einen fassungslos zurück. Die kriminelle Energie und der daraus sprechende Hass gegen Ulrike F. und ihre Tochter sind weitaus mehr als ein schlechter, geschmackloser Scherz. Stalker wollen zumeist vor allem Angst schüren, indem sie ein Szenario entwerfen, in dem Leib und Leben auf perfide Weise bedroht werden.

Erstaunlich an dem Fall ist, dass die Mittel des Täters im digitalen Zeitalter ungewöhnlich analog daherkommen. Wie leicht ist es heute, jemanden in den sogenannten sozialen Netzwerken bloßzustellen, zu belästigen oder zu bedrohen. Mit einem schlichten Prepaidhandy ist es einfach, einen Mitmenschen anonym und nach Belieben zu schikanieren. Psychoterror durch Stalking ist quälend und zermürbend für diejenigen, die den unsichtbaren Verfolger in ihrem Nacken spüren. Für die Polizei ist es in diesem Fall nicht leicht, des Täters habhaft zu werden. Hilfreich beim Aufspüren der Bedroher ist oftmals die Erfahrung, dass die Stalker meist Ex-Partner sind.

Wenn aus flammender Liebe glühender Hass wird, ist für die Ermittler die Frage nach einem Motiv schnell geklärt. Laut Bundeskriminalamt ist Stalking das Delikt mit dem prozentual größten Anteil partnerschaftlicher Gewalt. Eine Erleichterung für die Opfer von Stalking ist heute, dass es nach vielen Jahren des Zögerns eine Verschärfung des Paragrafen 238 im Strafgesetzbuch gibt. Nun muss nicht mehr das Opfer beweisen, dass die Nachstellungen sein Leben zerstören. Vielmehr steht nunmehr das Verhalten des Stalkers auf dem Prüfstand. Es ist gut, dass diesem absurden Zustand ein Ende bereitet wurde.

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