Stadt saniert ab Oktober: Bald freie Fahrt für Rollatoren in Ahrweiler

Stadt saniert ab Oktober : Bald freie Fahrt für Rollatoren in Ahrweiler

Ab Oktober wird die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler das Pflaster der Ahrweiler Fußgängerzone sanieren. Das aktuelle Kopfsteinpflaster ist für Rollatoren ungeeignet.

Nein, die Stadt trifft keine Schuld. Dennoch muss sie es ausbaden. Denn das Pflaster im Fußgängerbereich der Ahrweiler Altstadt ist alles andere ein Meisterstück in Sachen Barrierefreiheit. Aber erstens hatte die Schwedin Aina Wifalk den Rollator bei der Eröffnung der Fußgängerzone Niederhut 1975 noch nicht erfunden. Das war erst 1978. Und zweitens waren die Gehhilfen auch zehn Jahre später beim Umbau von Ahrhutstraße und Marktplatz in Deutschland noch nicht auf dem Markt. Im Straßenbild tauchten die Gefährte erst ab etwa 1990 auf.

Ergo hat sich keiner Gedanken über die Nutzung der heute für viele Senioren unentbehrlichen Geräte gemacht, als Anfang der 70er Jahre beschlossen wurde, für die Umgestaltung der Niederhut von der Hauptverkehrsstraße zur Fußgängerzone das ehemalige Kopfsteinpflaster aus Basalt zu verwenden. Kleineres Pflaster folgte dann in den 80er Jahren in der Ahrhut und auf dem Markt.

Eine Konsequenz aus den ersten Erfahrungen. Doch schon damals galt die Regel, auch wenn High Heels noch nicht Einzug in den Duden gehalten hatten: „Ahrweiler ist nur was für flache Schuhe.“

Mehr Barrierefreiheit

Dass Kopfsteinpflaster für Rollatoren nichts taugt, davon konnte sich Bürgermeister Guido Orthen vor einigen Wochen im Selbstversuch mit einem Alterssimulationsanzug überzeugen. „Das geht in die Arme, das braucht Kraft“, sagte der Stadtchef dem General-Anzeiger. Und das schon nach knapp 50 Metern vom Niedertor zum Katharinenplatz. Jetzt soll der unliebsame Zustand behoben werden. Insbesondere mit Blick auf Menschen, die auf mobile Hilfen wie Rollstuhl oder Rollatoren angewiesen sind, will die Kreisstadt auch im Stadtteil Ahrweiler einen Beitrag zu mehr Barrierefreiheit im Straßenraum leisten. Daher sollen in den Pflasterflächen von Niederhutstraße, Ahrhutstraße sowie des Marktplatzes die Fugen saniert werden.

Ende März 2016 hatte die Stadtverwaltung für diese Maßnahme entsprechende Mittel beantragt. Förderzusagen von Land und Bund von 90 Prozent der veranschlagten Kosten in Höhe von 342 000 Euro dafür liegen seit Januar im Rathaus vor. Im November 2016 wurden für eine Testphase in der Altstadt Musterflächen mit einem Zwei-Komponenten-Fugenmörtel hergestellt. Nach dem Winter und einiger Zeit der Verkehrsbelastung wurde das Ergebnis im März bei einer gemeinsamen Ortsbegehung mit Ortsvorsteher Peter Diewald und der Vorsitzenden des Seniorenbeirates, Ingrid Frick, unter die Lupe genommen. Im Bereich der Ahrhutstraße und auf dem Marktplatz, wo kleinformatiges Pflaster verlegt ist, zeigte sich das gewünschte Ergebnis. Alles funktioniert. Und auch High Heels haben eine Überlebenschance.

Zeitfenster bestimmen die Sanierung

„Aufgrund der gröberen und abgerundeten Oberfläche des großformatigen Basaltsteinpflasters in der Niederhut bestehen dort andere Voraussetzungen“, sagte Projektleiter Sascha Bach aus dem Bauamt dem General-Anzeiger. Dort werden zurzeit am Altenheim Sankt Maria-Josef weitere Musterflächen getestet, bei denen entsprechende technische Möglichkeiten geprüft werden.

Die Ergebnisse sollen im Ahrweiler Ortsbeirat am Dienstag, 29. August, ab 19.30 Uhr im Helmut-Gies-Bürgerzentrum in öffentlicher Sitzung vorgestellt werden. Zum Ablauf der baulichen Umsetzung erklärt Bach: „Die vorgesehene Fugensanierung ist auf den genannten Flächen nur in bestimmten Zeitfenstern möglich.“ Es handele sich um einen sehr hoch frequentierten Bereich, der von Touristen besucht und bei Veranstaltungen wie Weinfesten, Schützenfesten und vielem mehr genutzt werde.

Daher hat das Bauamt die Umsetzung der Maßnahme unterteilt. Im ersten Bauabschnitt Niederhutstraße soll die Fugensanierung im Oktober und November über die Bühne gehen. In einem zweiten Bauabschnitt folgt im Frühjahr 2018 die Ahrhutstraße und dann im Sommer der Marktplatz als dritter Bauabschnitt. Die Landesgartenschau 2022 mit ihren erwarteten 800 000 Besuchern kann also kommen.