Karl-Theo Stammer aus Bonn: Er spricht von einer "Grabbeigabe"

Karl-Theo Stammer aus Bonn : Er spricht von einer "Grabbeigabe"

Karl-Theo Stammer aus Bonn knüpft an frühe künstlerische Impulse an und stellt Linolschnitte im Sinziger Rathaus aus.

Was für eine erfrischende Vernissage. Am Ablauf allein lag es nicht. Der Bürgermeister begrüßte die Gäste, Kunsthistorikerin Liz Volk führte ins Werk des Künstlers ein, Manfred Weber und Tobias Kröll steuerten Gitarrenklänge bei. Doch fiel der aufgekratzte Ton aller Beteiligten auf. Offenbar hatte die Hauptperson, Karl-Theo Stammer, sie mit seiner künstlerischen Intensität und einem leidenschaftlich vorgebrachten Heimatbekenntnis beeindruckt.

Jedenfalls sind unter dem trockenen bis schelmischen Titel "Wieder da" vom 1951 im damaligen Krankenhaus der Sinziger Renngasse geborenen Künstler, der wechselweise in Bonn und im Südtiroler Bruneck lebt und arbeitet, nicht nur 25 Linolschnitte, "meine eigentliche Domäne", versammelt. Ungewöhnlich ist, dass er ebenfalls seine Bleistift- und Buntstiftzeichnungen aus der Kindergartenzeit, gebunden von "Tante" Käthe Jonas, zeigt.

Stammer studierte an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design. Für sein Werk wurde er mehrfach geehrt. 1988 erhielt er den Hans-Thuar-Preis und das Stipendium der Stadt Bonn, fünf Jahre später den Bonner Kunstpreis und 2012 die August-Macke-Medaille. "Nicht zuletzt diese Auszeichnung gab uns den Anstoß, eine Ausstellung hier an Ihrem Heimatort zu realisieren; so kommen Sie auch dem Drängen ihrer Familie und Fangemeinde nach", erklärte Bürgermeister Wolfgang Kroeger. Er attestierte Stammer, "trotz Erfolgs sind Sie nicht abgehoben" und überreichte ein 1000-Teile-Sinzig-Puzzle. Der so Beschenkte revanchierte sich mit dem Schrift-Druck "Sinzig".

Indem er feurig das Wort ergriff, legte er offen, wie wertvoll ihm die ersten Kindheitserlebnisse - 1957 zog die Familie nach Bonn - bis heute sind: "Ich wohnte früher im Haus des (Organisten Peter) Bares. Ich habe von da aus alles gesehen auf dem Kirchplatz. Wie (der Spielmannszug) Freiweg Sinzig durch die Stadt marschierte, St. Martin, Maibaumaufstellen, die Sinziger Kirmes, wo Sinzig erstrahlte an Licht und Lautstärke, das ist heute noch so präsent". Was er sah, hielt er tags darauf in Zeichnungen fest. "Ich bin kein Pharao, aber ich würd?s später als Grabbeigabe mitnehmen, weil das die ersten künstlerischen Impulse sind".

Zu den Linolschnitten erläuterte Liz Volk, Stammer achte stets "auf eine Ausgewogenheit zwischen Linie und Fläche". Die verwendeten Offset Farben "gefallen ihm wegen ihrer Intensität und Kompaktheit". Er verbinde sie "mit Leichtigkeit und Frohsinn". Gedruckt wird in mehreren Farbschichten, die erlauben, den Arbeitsprozess nachzuvollziehen. Volk: "Der Künstler notiert die Welt nach eigenem Empfinden". Was immer die zumeist sehr reduzierten Bilder Stammers im Betrachter an Assoziationen und Emotionen auslösen, auf etwas Gegenständliches lassen sie sich selten zurückführen.

Auf die gewählten Formen, die vermeintlichen Motive hin angesprochen, sagt der unentwegt tätige Künstler: "Es fliegt mir zu. Man ist wie ein Zirkuspferd drauf dressiert, die Dinge zu sehen. Die Linien sind überall, in der Natur, auf der Straße."

0 Die Ausstellung, bei der Sinzig- und Weihnachtseditionen zu haben sind, ist im Rathaus bis 31. Januar zu sehen. Telefonische Infos gibt es beim Künstler unter Tel. 0228/633741 und Monika Schütter Tel. 0151/64813546.